Die Restaurierung eines Fachwerkhauses ist eine sensible Angelegenheit. Meist hat der Besitzer des Fachwerkhauses keine Ahnung
von der Sanierung - leider oft auch nicht der vermeintliche Experte. Der Architekt und ausgewiesene Spezialist für Altbausanierung Dipl.-Ing. Konrad
Fischer hat zwölf satirische Fakten zusammengestellt, an denen Sie erkennen können, ob Sie es mit einem wirklichen Fachmann oder eher mit einem
Schwadroneur zu tun haben. Konrad Fischer ist in der Branche bekannt dafür, daß er kein Blatt vor den Mund nimmt. Das ist auch gut so. Denn wertvollste
Fachwerksubstanz wird laufend kaputt saniert - mit oder ohne Hilfestellung eines sog. Fachmannes. Weitere interessante Aspekte rund ums Bauen und die
Altbausanierung finden Sie auf der Internetseite von Konrad Fischer.
- Voruntersuchung mit Hammer und Pickel als Sanierungsvorbereitung
- Holz-für-Holzuntersuchung mit aufwendiger Technik und Dokumentation.
- Verwechslung des Fachwerkkunst mit Disneyland.
- Schwamm- und Pilzbekämpfung mit Gift und metrigem Rückschnitt unter ritueller Beschwörung der DIN.
- Ausspänen mit kunstharzkleber-eingeleimten baufeuchten Spänen.
- Neuholzschwellen werden mit Markzentrum in der unteren Hälfte eingebaut.
- Ausfachung neuer Gefache mit möglichst wasserrückhaltenden Baustoffen wie Bims, Porenbeton oder porosierten Ziegeln.
- Gefacheoberfläche werden mit möglichst wasserabweisenden Verputzen und Anstrichen blockiert.
- Altanstriche, meist auf Kunstharzbasis,...
- Neuanstrich der Fachwerkhölzer...
- Heizung mit wanddurchfeuchtender Konvektionsheizung...
- Nachträgliche Dämmung innen oder außen...
1. Voruntersuchung
mit Hammer und Pickel als Sanierungsvorbereitung
Danach bleibt kein Gefach mehr heil, keine Putzhaut mehr stabil, keine Renaissancebemalung
mehr erhalten: das Knochengerippe steht frei, die Bude ist entkernt, der Bauherr zahlt drauf. Vom verformungsgetreuen Aufmaß, einer bau- und
fassungsgeschichtlichen Befunduntersuchung und deren Analyse im Hinblick auf möglichst eingriffsarme Bauuntersuchung und erhaltende, sparsame
Instandsetzung hat man ja noch nichts gehört. Der Ausbau einiger neuzeitlicher Wand- und Deckenverkleidungen hätte zwar genügen können - mehr Show ist
jedoch die Totalmethode.
Das zeichnet eben den "Experten" aus - möglichst viel Wind machen und das verrottete Fachwerk mal richtig durchlüften.
Die Fortsetzung der Sanierung fällt dann äußerst einfach:
Nach dem Filettieren und Skelettieren ist das Bauwerk von allen Nichtfachwerkbauteilen
befreit. Nun kann man ans Geraderichten mit Hydraulpressen und Schrauben, mit Winden und Vorschlaghammer gehen. Daß die Verformungen schon sehr alt sind
und viele Ausbaustufen bis zu den Anschlüssen von Boden, Wand und Decke, von Fenster und Türen auf die Verformung Bezug nehmen, stört dann ja nicht.
Hauptsache, die Baukosten explodieren und kein Gefach bleibt erhalten. Der Zimmererdepp hat's so besonders bequem, der Bauherrschaft und dem
interessierten Planer unter Verweis auf den mangelnden Neubaucharakter und einiger sonstig verdächtigen Stellen der alten Konstruktionshölzer möglichst
viel feuchtes Bauholz aus Rußland, Polen oder dem Hindukusch aufzuschwätzen. Aber unbedingt gebeilt*! Vom Denkmalwert bleibt dann nur eine schale
Erinnerung. Hauptsache, man sieht viel Holz zum Schluß. Baukosten: 3 x Neubau. Da hat doch jeder was davon, Fachwerkfördermittel so simpel zu verwursten.
2. Holz-für-Holzuntersuchung mit aufwendiger Technik und Dokumentation
Der Bauherr zahlt's ja. Warum
sollte man sich mit weniger zufrieden geben, wenn man schon die Apparate (z.B. für Bohrwiderstandsmessung) hat. Daß man die Technik nur gezielt und
punktuell einsetzt, wenn andere Methoden nicht mehr weiterhelfen, rentiert sich ja nicht. Und daß man ein bißchen Erfahrung bei der Suche nach typischen
Schwachpunkten der Holzkonstruktion einsetzt - warum denn einfach, wenn's auch brutal geht? Dafür erfolgt dann die Vornamensverleihung für jeden Holzwurm.
Übertriebene Angsteinjagerei wegen einiger Befallsspuren im Splintholz, wodurch die Tragfähigkeit kaum beeinträchtigt wird. Dramatisierung von ggf.
tatsächlichem Hausschwammbefall. Das kostet Geld und bringt gar nix. Holzschutzschwachverstand pur.
3. Verwechslung des
Fachwerkkunst mit Disneyland
Konstruktive Fachwerke des 18./19. Jahrhunderts, ohne Zierformen wie Feuerbock oder Gefügekunst des
Mittelalters - im Wahn der 30er germanisierend freigeholzt und von ihrem steinbautäuschenden Putzkleid gestrippt - werden unbedingt als Sichtfachwerk
weitertradiert. Obwohl dabei weder die erforderlichen Konstrutionsdetails erreicht werden können - man putzt z.B. die Gefache kissenförmig wassersaugend
auf - noch das Fassadenbild mit natursteinimitierenden Brettelgewänden dem technisch und stilistisch Notwendigen entspricht - befriedigt durch
Acrylverfugung und heimattümelnder Belackung und Lasur dennoch den Publikumsgeschmack. Hauptsache, das Holzgefüge wird maximal mißhandelt und zum
baldmöglichsten Verrotten verurteilt.
4. Schwamm- und Pilzbekämpfung mit Gift und metrigem
Rückschnitt unter ritueller Beschwörung der DIN
Mehr kann man Fachwerk nicht schädigen, gleichzeitig raubt man den Anwendern und Bewohnern
ihre Gesundheit. Warum sollte man auch neuartige giftfreie Holzschutzmittel benutzen, die obendrein das Holz festigen und dessen Entflammbarkeit
herabsetzen?
5. Ausspänen mit kunstharzkleber-eingeleimten baufeuchten Spänen
Hätte man gegenüber dem
Fachwerkholz trockenere Späne genommen, hätten sie sich durch Feuchtannahme ohne Kleber eingeklemmt. Die Klebefuge wirkt dann als Trocknungssperre,
das fördert Wasserstau und Verfaulen.
6. Neuholzschwellen werden mit Markzentrum in der unteren Hälfte eingebaut
Die unvermeidlich entstehenden Schwundrisse weisen dann nach oben und werden Wasserfallen.
7. Ausfachung neuer Gefache mit möglichst wasserrückhaltenden Baustoffen wie Bims, Porenbeton oder porosierten
Ziegeln
Geschieht zur Erheiterung der Holzschädlinge. Das unterstützt man am besten mit möglichst trocknungsblockierender
Versiegelung/Abdichtung der Gefach-Holz-Fuge. Das ist dann normgerecht. Und fördert durch Wasserstau hinter der Dichtfuge die Vermorschung.
8. Gefacheoberfläche werden mit möglichst wasserabweisenden Verputzen und Anstrichen blockiert
Die verringerte
Regenwasseraufnahme im Gefach hat als logische Folge, daß das Regenwasser verstärkt in die Kapillarfuge Gefach-Holzschwelle eindringt. Von dort wird
es dann auch nicht mehr übers Gefach kapillar heraustransportiert. Daß diese Mörtel und Anstriche sehr wohl täglich Kondensat und nach ihrer
unvermeidlichen Versprödung durch das entstehende Kapillarrißsystem auch Regen aufnehmen, wird wohlweislich verschwiegen. Denn dann könnte der
Fachwerkbesitzer ja fragen, wie diese Feuchte durch derartige Blockaden wieder möglichst schnell herauskommen soll?
Die Augenauswischerei mit
Dampfdiffusionswerten hat im Hinblick auf die Bauteiltrocknung o Bedeutung. Die Kapillartransporte von Wasser sind nämlich um den Faktor 1000 größer.
Das verschweigen die Farb- und Putzlieferanten. Die "Fachwerkexperten" wären ja schön blöd, wenn sie nicht für ständigen Nachschub von
Sanierungsschäden sorgen würden. Warum sollte man auch traditionsbewährte Luftkalkmörtel benutzen, wenn es salzreiche traß-, zement- und
kunstharzverschnittene Pampen gibt, die begierig die durch Kondensat bzw. Regen eingedrungene Feuchte zurückhalten, bevor sie knallhart von der Wand
springen? Und im Falle der Dispersionsanstriche beste Lebensgrundlagen für Beschimmelung bieten (pH-Werte so um 8 herum).
9. Altanstriche, meist auf Kunstharzbasis,...
...werden teuer mit holzschädigenden Techniken
(Abschleifen, Abdampfen, Ab-(wirbel-)strahlen, Abfräsen, Abbrennen, Abbeizen mit CKW/Alkali-Beizen) abgenommen. Warum sollte man auch CKW-und
wasserfreie chemisch neutrale Entlacker benützen, die die versprödeten Kunstharzschwarten butterzart, bauwerks-, umwelt- und gesundheitsschonend
(bittschön nur im Vergleich gemeint - auch CKW-freie Entlacker sind kein Nahrungsmittel!) erweichen?
10. Neuanstrich der
Fachwerkhölzer...
...mit schichtbildenden wasser- und trocknungsblockierenden harzhaltigen Anstrichsystemen, die weder den künftigen
Holzbewegungen folgen können, noch die dann in Risse eindringende Feuchte möglichst schnell wieder rauslassen. Warum sollte man auch den menschlichen
Handwerk+Fachwerk"experten"), tierischen (Insekten) und pflanzlichen (Pilze) Holzschädlingen mit trocknungsfördernden und wartungsfreundlichen reinen
Ölanstrichen die Lebensgrundlage - feuchtes Holz und versprödende, wasserstauende und schichtbildende Anstriche - entziehen?
11. Heizung mit wanddurchfeuchtender Konvektionsheizung...
...anstelle Hüllflächentemperierung, die
Kondensatdurchfeuchtung und erhöhte Lüftungswärmeverluste ausschließt. Wie bekommt man denn sonst den Hausschwamm in die kondensatgefährdeten
Balkenauflager, wenn nicht durch falsches Konvektionsheizen?
12. Nachträgliche Dämmung innen oder außen...
...nach Tabellen- und Rechenintelligenz ohne Energieersparnis und Verstand für praktische Durchfeuchtung und Speicherwirkung der
Wandkonstruktionen. Geballtes Unverständnis gegenüber traditioneller Konstruktionskunst. Erzwingen von Bauschäden durch normierte Veränderung,
Ersatz und Zerstörung bewährter Bauweise - unter Dauerbeschwörung der Klimaapokalyptik und sonstiger Wahnvorstellungen der Ökoreligion. Einbau
überdichter Fenster, die der Bude Durchfeuchtung vorprogrammieren. Einbau von Lüftungstechnik, die dem Bewohner Sick-Building-Syndrom, Asthma und
Allergie gönnt. Sinnlose Dämmung im Fußbodenaufbau, da man von der sich dort zwangsläufig entwickelnden "Wärmelinse" nach Prof. Klopfer noch nie gehört
hat. Der Investor/Käufer/Mieter zahlt's ja - und die Behörde bezuschußt das.
* Erklärung der Redaktion: "beilen" ist die alte Kunst der
Zimmerer, mit dem Beil aus dem Holzstamm einen geraden, sauberen Balken (z.B. eine Fachwerkschwelle) zu schlagen. Unsere Vorfahren konnten das
noch - gelegentlich kann es auch heute noch der eine andere andere Zimmergeselle oder -meister |
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