Woher kommt die Feuchtigkeit ins Haus?

Dies ist eine der meist gestellten Fragen in unserem Forum User fragen/ User helfen. Feuchtigkeit in der Wohnung scheint also das Hauptproblem vieler Menschen zu sein. Dabei ist die Feuchtigkeit an sich nicht das Gefährliche. Gefährlich sind die Schimmelpilze, die an feuchten Wänden, Böden und Decken einen idealen Nährboden vorfinden. Wer dadurch unter Atemwegserkrankungen, Allergien und Hautkrankheiten leidet, braucht sich nicht zu wundern. Damit es gar nicht erst dazu kommt, sollten Sie daran denken, wie Sie vielleicht Ihre Schwiegermutter gerne behandeln würden - die Feuchtigkeit muss draußen bleiben oder so schnell wie möglich dorthin gebracht werden. Leider sind viele Menschen zu höflich und bieten der Feuchtigkeit (unbewusst) eine Menge Möglichkeiten, sich häuslich niederzulassen. Das muss sich ändern. Sie bekommen daher hier unter anderem eine kleine Einführung in die Bauphysik. Danach wissen Sie selbst, woher die Feuchtigkeit kommt. 

Feuchtigkeit das Problem in der eigenen Wohnung

Wie wichtig das Thema Umwelt in den eigenen vier Wänden für die Menschen ist, ermittelte der Verband Deutscher Baubiologen anhand von 2.500 Beratungsgesprächen. Besonderns Altlasten aus den 60er und 70er Jahren oder oberflächlich teilsanierte Häuser werden häufig zum Problemfall. Für mehr als ein Drittel der Befragten ist das größte Problem die Feuchtigkeit und die Schimmelbildung in der Wohnung. Erst sehr viel später folgen Elektrosmog, Holzschutzmittel, Formaldehyd und Dämmstoffe. Wie Sie sehen, besteht jede Menge Bedarf an Informationen zu Feuchtigkeit und Schimmelbildung.

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Die Quellen allen Übels - So gelangt Feuchtigkeit ins Haus

Vom Dach bis zum Keller gibt es jede Menge Möglichkeiten, wie Feuchtigkeit in das Haus gelangen kann.

Feuchtigkeit durch äußere Einflüsse

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1 Regenrinnen verstopft oder undicht
2 Dachziegel verrutscht oder kaputt
3, 4 Anschlüsse von Schornstein oder Dachfenster defekt
13 Wasser- und Abwasserrohr mit Leck
14, 18 Horizontalsperre fehlt oder fehlerhaft
16 Hochwasser, Rohrbruch, Starkregen
17 Abdichtung fehlt oder fehlerhaft
21 Spritzwasser, Schlagregen

Feuchtigkeit durch Kondensation

5 Tauwasser in Dampfsperre
6 Mensch durch Atmung und Tran daspiration
7 Kalte Innenwände
8, 9 Wärmebrücken Fenstersturz, Balkon
10-12 Kochen, Waschen, Duschen
15 Kaltwasserleitungen, Lüftungsrohre
19, 20 Pflanzen und Tiere

Wenn die Feuchtigkeit von außen kommt

Feuchtigkeit von außen dringt meist ein, wenn irgend etwas kaputt, verstopft, gerissen oder unvollkommen ist. Das kann ein verrutschter oder kaputter Ziegel sein oder ein undichtes Flachdach. Oft dringt Regen durch Risse und Löcher in den Anschlussblechen von Schornstein oder Dachfenster ein. Eine kaputte oder verstopfte Regenrinne kann die Fassade in kürzester Zeit durchfeuchten. Putzrisse sind gegen Schlagregen anfällig, die Wand wird immer feuchter und die Dämmwirkung nimmt ab. Dadurch kühlt im Winter die Innenseite so sehr ab, dass dort Feuchte- und Schimmelschäden programmiert sind. Mehr über Putzrisse erfahren Sie in unserem Artikel Risse in der Putzfassade - Was tun?. Gefährlich ist auch ein kleines Leck in der Wasserleitung, wenn dieses sich an einer nicht sichtbaren Stelle befindet und lange Zeit unentdeckt bleibt. Auch ein glücklich überstandener Wasserschaden kann später noch unangenehmen Folgen haben, wenn Bodenbelag oder Trittschalldämmung nicht richtig getrocknet werden. Wenig Einfluss hat der Hausherr, wenn der Keller bei Hochwasser vollläuft. Um Schimmel zu vermeiden, muss danach allerdings so schnell wie möglich mit dem Trocknen des Kellers begonnen werden. Oft ist im Keller auch eine schlechte Bauwerksabdichtung die Ursache von Schimmel. Wie der Keller dauerhaft trocken bleibt, können Sie hier nachlesen. 

Wenn die Feuchtigkeit von innen kommt

Sehr oft entstehen feuchte Stellen durch das Kondensieren von Feuchtigkeit an kalten Stellen. Die Gründe sind mangelhafte Lüftung oder eine schlechte Wärmedämmung. Neben einer schlechten Fassadendämmung oder einer unzureichenden Dampfsperre gibt es noch einige Problemstellen, wie beispielsweise auskragende Beton- und Stahlkonstruktionen von Balkonen oder Treppen. Auch an Fensterstürzen treten wegen unzureichender Wärmedämmung häufig Feuchteschäden auf. Der zweite Grund für feuchte Wände liegt wie gesagt in der mangelhaften Lüftung. Gute Lüftung ist zunächst einmal überall dort wichtig, wo viel Wasser ist, wie beispielsweise Bad oder Küche. Auch wenig beheizte Nebenräume sowie der Keller sind gefährdet bei falscher Lüftung. Nicht zu unterschätzen ist auch der Einfluss durch Wasser von Pflanzen, Haustieren oder einer schlafenden Person, die pro Nacht einen halben bis ganzen Liter Flüssigkeit durch Schwitzen oder Atmung von sich gibt. Alle diese Gefahren können, wie gesagt, allein durch richtiges Lüften verhindert werden. Wie das richtig geht, erfahren Sie bei uns. In der Einleitung haben wir schon angedroht, Sie etwas mit Bauphysik zu ärgern, dies wird im nächsten Kapitel geschehen. 

Entstehung von Tauwasser

Wenn Wasser kondensiert, spricht der Fachmann von Tauwasser. Tauwasser kann sich auf Bauteiloberflächen oder im Bauteilinnern niederschlagen. Die Folgen sind durchfeuchtete Bauteile (insbesonderne Dämm-Material), verminderte Wärmedämmung, Schimmelbildung und schließlich Bauschäden. Die Schimmelbekämpfung haben wir gesondernt behandelt in diesem Artikel.

Tauwasser auf der Bauteiloberfläche

Die Luft enthält immer eine bestimmte Menge an gasförmigem Wasserdampf. Der Wasserdampfgehalt wird relative Luftfeuchte genannt und kann unterschiedlich hoch sein ( z.B. 20 Prozent oder 50 Prozent). Bei gleich bleibender Wasserdampfmenge und an dasteigender Lufttemperatur nimmt die relative Luftfeuchte ab. Das gleiche gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall. Nimmt die Temperatur ab, steigt die relative Luftfeuchte. Irgendwann hat die relative Luftfeuchte einen Wert von 100 Prozent erreicht. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem aus Wasserdampf flüssiges Wasser wird. Je kälter die Temperatur, desto eher ist dieser Zeitpunkt erreicht. Die eifrigen Biertrinker unter Ihnen kennen sicher den Effekt, wenn Sie eine Flasche aus dem Kühlschrank holen und innerhalb kürzester Zeit Wasser an der Flasche herabperlt. Dieses Wasser stammt aus der Umgebungsluft der Flasche, die aufgrund deren Kälte ebenfalls abkühlt und ihre Feuchte nicht mehr halten kann und diese an die Flaschenoberfläche abgibt. Der gleiche Effekt tritt ein, wenn warme Raumluft auf kalte Oberflächen im Haus trifft, wie beispielsweise im Keller oder bei ungedämmten oder unzureichend gedämmten Bauteilen. 

Gerne schlägt sich Feuchtigkeit auch an Flächen innerhalb der Wohnung nieder, die von der beheizten Raumluft nicht erreicht werden: hinter Schränken und Kommoden, die dicht an der Wand stehen. Ist diese Wand auch noch eine Außenwand, verschärft sich die Situation. Die einfachste Möglichkeit Tauwasser zu vermeiden ist das Lüften. Beim Lüften wird die "verbrauchte Luft" durch frische Luft ausgetauscht. Das heißt nichts anderes, als dass die relative Luftfeuchtigkeit herabgesetzt wird. Die Raumluft hat durch Duschen, Waschen, Kochen oder Schwitzen Wasser aufgenommen, durch das Lüften wird die feuchte Raumluft nach draußen tran dasportiert und durch trockene Außenluft ausgetauscht. Normalerweise leben wir mit einer Raumtemperatur von etwa 21 Grad und 55 Prozent relativer Luftfeuchte. 

Sonderfall: Der Keller im Sommer

Dummerweise muss Schimmelbildung im Keller aber nicht mit einer mangelnden Lüftung zusammenhängen. Im Sommer, bei hoher Luftfeuchtigkeit und heißen Temperaturen bis 30°, die bei uns ja keine Seltenheit mehr sind, dringt die feuchtwarme Außenluft durch die zu Lüftungszwecken geöffneten Kellerfenster in den relativ kühlen Keller - schon entsteht Tauwasser, das sich z.B. am Weinregal niederlässt und dort einen Nährboden für Schimmel bildet. 

Daraus folgert also, dass man im Sommer bei dieser Wetterkonstellation eben nicht im Keller lüften darf. Hier hilft dann nur eine maschinelle Entfeuchtung oder (wie uns ein User schrieb) "eine Mischung aus Viehsalz und Sand, weil das Salz Feuchtigkeit aufsaugt". 

Tauwasser im Bauteilinneren

temperk.gifBei Tauwasser im Bauteilinnern lautet das Stichwort Wasserdampfdiffusion. Der Wasserdampfgehalt der Luft und die Temperatur der Luft bewirken einen bestimmten Dampfdruck. Da der Dampfdruck im Freien und im Gebäudeinnern meist unterschiedlich groß ist, hat er das Bestreben, sich zwischen drinnen und draußen anzugleichen. Der Dampfdruck wandert durch die Bauteile hindurch, meist von innen nach außen. Das Ganze nennt sich Wasserdampfdiffusion. Wenn Wohnraumtemperatur und Außentemperatur stark voneinander abweichen, nimmt die Temperatur in den einzelnen Schichten eines Bauteils ab, je nach deren Wärmedurchlasswiderstand von innen nach außen (siehe Abbildung). Nun kommen wir wieder zu dem Problem der Tauwasserbildung. Mit Abnahme der Temperatur nimmt die relative Luftfeuchte zu. Sind 100 Prozent erreicht, scheidet sich im Bauteil Tauwasser ab. Dauert der Vorgang länger, wird das Bauteil durchfeuchtet. Um Tauwasserbildung in Außenwänden zu vermeiden, darf von der warmen Seite nicht mehr Wasserdampf in das Bauteil eindringen, als auf der kalten Seite wieder zur Außenluft entweichen kann. 

Folgende Punkte sollten bei der Anordnung der einzelnen Baustoffe über den Querschnitt der Außenwand berücksichtigt werden: 

  • Auf der Innenseite der Wand sind Baustoffe mit einer hohen Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (dampfdicht) vorteilhaft, um den Wasserdampf von vornherein daran zu hindern, in größerem Umfang in die äußeren Schichten vorzudringen. 
  • Auf der Außenseite sollten möglichst Baustoffe mit einer niedrigen Wasserdampfdiffusionszahl (diffusionsoffen) gewählt werden. So wird im Winter der Wasserdampf nicht im Querschnitt gehalten, sondernn kann an die Außenluft gelangen. 
  • Insgesamt sollten die Schichten so angeordnet werden, dass die Wasserdampdiffusionswiderstandszahlen von innen nach außen abnehmen und dementsprechend die Wärmedurchlasswiderstände zunehmen. 

Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl

Wir haben im vergangenen Kapitel sehr oft von der Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl gesprochen. Diese Zahl wird zur Beurteilung einer Bauteilschicht benötigt. Eine Schicht kann diffusionsoffen, diffusionshemmend oder diffusionsdicht sein. Wird die Wasserdampfdiffusionswiderstandzahl mit der Bauteildicke multipliziert, ergibt sich die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke (der SdWert). 

Bauteile mit Sd sondz1.gif 0,5 m diffusionsoffene Schicht
Bauteile mit 0,5m ‹ Sd ‹ 1.500m diffusionshemmende Schicht
Bauteile mit Sd sondz.gif 1.500 diffusionsdichte Schicht
Sd = S* µ (S=Bauteildicke)

In der folgenden Tabelle finden Sie Richtwerte der Wasserdampfdiffusionswiderstandszahlen typischer Baustoffe. Häufig sind Wertebereiche angegeben (z.B. Leichthochlochziegel: µ = 5/10). Es sollen die im Anwendungsfall ungünstigeren Werte verwendet werden (im allgemeinen für die kalte Außenseite die größeren, für die warme Innenseite die kleineren Werte).

Baustoff Wasserdiffusionswiderstandszahl µ
Kalk-Zement-Mörtel 35
Kalk-Gips-Mörtel 10
Leichtmörtel 10/35
Normalbeton 70/150
Leichtbeton 70/150
Kalkputz 15/35
Zementputz 15/35
Kalkgipsputz 10
Gipsputz 10
Vollziegel, Lochziegel 5/10
Leichthochlochziegel 5/10
Kalksand-Vollsteine 5/25
Kalksand-Lochsteine 5/10
Leichtbeton-Vollsteine 5/10
Leichtbeton-Hohlblocksteine 5/10
Porenbetonsteine 5/10
Gipswandbauplatten 5/10
Gipskartonplatten 8
Holzwolleleichtbauplatten Dicke 15 mm 5
Holzwolleleichtbauplatten Dicke › 15 mm 2
Korkplatten 10
Holz (Eiche, Buche) 40
Holz (Fichte, Tanne, Kiefer) 40
Sperrholz 50/400
Poröse Holzfaserplatten 5
Harte Holzfaserplatten 70
Holzspanplatten V20 50
Holzspanplatten V100 100
Mineralische und pflanzliche Dämmstoffe 1
Polystyrol - Partikelschaum, je nach Rohdichte 25 bis 70
Polystyrol - extrudiert, je nach Rohdichte 100 bis 300
Polyurethan, je nach Rohdichte 50 bis 100
Bitumenpappe 2.000/20.000
Glasvlies-Bitumendachbahn 20.000/60.000
Dachpappe 10.000/80.000
PVC-Folie 20.000/50.000
Polyethylen-Folie 100.000
Alufolie mit einem Flächengewicht sondz.gif125 g/m²
Schaumglas mit Dicke 4 cm

Wasserdampfdurchlässigkeit verschiedener Baustoffe

Wie der Vergleich der Wasserdampfdurchlässigkeit verschiedener Baustoffe im Verhältnis zur Luft grafisch aussieht, können Sie auf den folgenden Abbildungen sehen. 

luft.jpg


Luft



daemstoff.jpg


Dämmstoff


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Beton


bitumen.jpg

Bitumen


metall.jpg 

Metall