Wie aus Bambusrohr Bambusparkett wird

bambus_1.jpg Bambus ist eine extrem schnell wachsende und damit nachwachsende Grasart, obwohl es allgemein als Gehölz verstanden wird. Es gibt mehrere hundert Arten und die für den industriellen Gebrauch verwendeten Bambuspflanzen sind hochwachsend, wobei deren rohrartiger Stamm verholzt und hart wird, so dass Bambus zur Herstellung von Parkett oder Möbeln bestens geeignet ist. Doch wie wird aus Bambusrohr ein absolut ebener Bodenbelag oder anders gefragt: Wie macht man die typischen Bambusknoten gerade?

„Unser“ Bambus kommt hauptsächlich aus China und hat dort große ökologische und industrielle Bedeutung. Das ist kein Widerspruch in sich, denn Bambus kann an einem Tag bis 30 cm (!) wachsen und in drei bis vier Monaten seine engültige Höhebambus_2.jpg erreichen. Jedoch wird der Bambus, wie ihn führende Hersteller verarbeiten, erst nach einer vier- bis fünfjährigen Reifezeit geerntet. Der Bambusstamm wird, damit aus ihm eine Landhausdiele oder Fertigparkett wird, zunächst in Längsrichtung in Lamellen gesägt. Die grüne „Schale“ wird auf einer speziellen Hobelbank entfernt, die Lamellen werden getrocknet. Nach dem Trocknen werden die Lamellen ein zweites Mal gehobelt und dabei auch die Knoten „glatt gebügelt“. Sie bleiben also optisch erhalten, was später den Reiz des Parketts ausmacht, sie bilden aber keine hervorspringenden Knoten mehr.

Nun werden die Bambuslamellen horizontal aneinander gepresst und unter hohem Druck miteinander verleimt. Es entsteht also eine Platte oder ein Brett in der charakteristischen Bambusstruktur mit gut sichtbaren Bambusknoten (Zeichnung links.) Allerdings können die Lamellen statt horizontal auch hochkant zusammengepresst und verleimt werden. Statt relativ breiter bambus_3.jpg bambus_4.jpg Lamellen besteht das Parkett dann aus rechteckigen Stäbchen, wobei das typische Stabparkett entsteht und die Knoten schwächer sichtbar sind (Zeichnung rechts).

Trotz der Reifezeit sind die Bambuslamellen natürlich nicht stark („dick“) genug, um so ohne weiteres verlegt werden zu können — ausgenommen bei den Hochkant-Lamellen. Für Landhausdielen werden drei Lamellenschichten übereinander verleimt, wobei die mittlere Schicht quer zu liegen kommt, um dem Parkett eine optimale Stabilität zu verleihen. Für Fertigparkett werden ebenfalls drei Schichten miteinander verleimt, allerdings besteht die mittlere Schicht, der sog. Gegenzug, aus Nadelholz. Das ist mit Fertigparkett aus Ahorn oder Buche ähnlich. Üblicherweise wird Bambusparkett schwimmend verlegt, wobei Bambusparkett auf Estrich nämlich auf Zementestrich oder Anhydritestrich, einen guten Untergrund findet — ebenso wie auf Spanverlegeplatten.

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Bambusparkett hat schon von Natur aus keine absolut einheitliche Farbe. Das ist bei anderen Holzarten auch nicht anders und macht Bambus zu einem interessanten, nicht langweiligen Bodenbelag. Dass Bambus auch nachträglich farbig behandelt werden kann, sollte ebenfalls nicht verwundern. Korkparkett in verschiedenen Einfärbungen ist ja ebenfalls auf dem Markt. Bliebe zu berichten, dass der hierzulande industriell verwendete Bambus, der in chinesischen Höhenlagen fernab der Panda-Waldungen wächst und Temperaturschwankungen bis 50° übersteht, natürlich auch ein idealer Belag für Terrassen ist.

Fotos: © Flickr.com - Nomad Within (Pete DeMarco)