Wenn Hochwasser Keller und Erdgeschoß überflutet

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Im Juni 2013 gab es in Mittel- und Ostdeutschland und in Teilen Bayern ein Hochwasser, wie seit Generationen nicht. Im Fernsehen und auf Facebook oder youtube konnten wir alle miterleben, welche Zerstörungskraft das Wasser besitzt. Zerstörte Häuser und Wohnungen, Menschen, die von einem Tag auf den anderen ihr ganzes Hab und Gut verloren gegangen oder unbrauchbar geworden ist. Da, wo Hochwasser jedes Jahr auftritt wie etwa in dicht an den Flussufern bebauten Orten und Städten, hat man sich auf das Naturereignis eingestellt. Aber oft kommt es so „knüppeldicke“, dass das Auslagern von Geräten und Vorräten aus dem Keller- ins Erdgeschoss als 1-Hilfe-Maßnahme auch nicht mehr hilft. Wenn Deiche überflutet werden oder aufbrechen und sonst harmlose Flüsschen auf einmal zu reißenden Gebirgsbächen werden, stellen sich viele die Frage, was sie persönlich bei sich zu Hause hätten tun können, um die Katastrophe abzuwenden oder zumindest abzumildern. Diese Frage haben wir aufgegriffen und versuchen einen kleinen Überblick zu geben über das, was getan werden kann, wenn das Hochwasser kommt.

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Maßnahmen zum Hochwasserschutz bei der Planung eines Hauses

Schon bei der Planung sollte darauf geachtet werden, das Gebäude außerhalb des Einwirkungsbereich des Hochwassers zu bauen. Das heißt nicht unbedingt, dass möglichst weit entfernt vom Wasser gebaut werden muss. Vielmehr muss das Haus so gebaut werden, dass die Flut keinen Schaden am Gebäude verursachen kann. Dazu zählt auch der Verzicht auf ein Kellergeschoß oder der Bau eines Kellers als „weiße Wanne“. Damit bei einem Hochwasserereignis die Fundamente nicht unterspült werden können, sollten sie tief genug im Boden verankert sein. Wie gesagt, sind das alles Maßnahmen, die schon beim Bau des Hauses berücksichtigt werden müssen. Ist das Hochwasser erst einmal da, stehen kurzfristige Maßnahmen im Vordergrund. Da heißt es vor allem: Wie verhindere ich, dass das Wasser in mein Haus eindringt.

Grundsätzlich gibt es mehrere Wege des Wassereintritts in ein Gebäude im Falle eines Hochwasserereignisses: Bei gut wasserdurchlässigen Bodenarten kommt es bei Hochwasser zu einem Ansteigen des Grundwasserspiegels. Dies kann auf Grund des Wasserdruckes zu einer Überbeanspruchung der Bauwerkssohle und -wände führen. Nicht allein durch Fenster und Türen kann das Wasser hinein fluten, sondern auch durch die Kanalisation, was besonders widerliche Folgen hat, die sich jeder selbst vorstellen kann.

Schutz vor Grundwasser

Die beiden Grundtypen der Bauwerksabdichtung gegen drückendes Grundwasser sind die "Schwarze Wanne" und die "Weiße Wanne". Bei der Schwarzen Wanne werden die betroffenen Gebäudebereiche allseitig mit Bitumen- oder Kunststoffbahnen umschlossen. Dies geschieht an der Außenseite des Gebäudes. Bei der Weißen Wanne werden Bodenplatte und Außenwände bereits als geschlossene Wanne aus wasserundurchlässigem Beton hergestellt. Dabei muss der Bauleiter darauf achten, dass kein Wasser durch die Arbeitsfugen gelangen kann, was beispielsweise durch spezielle Fugenbänder verhindert werden kann. Neben diesen Maßnahmen, die beim Bauen des Hauses ergriffen werden sollten, können nachträglich auch die Innenwände wasserdicht gemacht werden. Das ist technisch machbar, aber wesentlich teurer. Dazu wird nämlich ein zusätzlicher „Innentrog“ erforderlich, der die Wasserdrücke auf die Dichtung statisch abfängt

Wasser durch die Kanalisation

Bei Hochwasser steigt das Wasser in der Kanalisation an, da die Kanäle wegen der Überlastung zurück gestaut werden. Damit das Wasser dann nicht in Ihre Wohnung schießt, müssen in gefährdeten Häusern Rückstauklappen oder Abwasserhebeanlagen eingebaut werden. Haben Sie keine Rückstauklappe eingebaut, müssen Sie sich im Falle eines Hochwassers notgedrungen anders helfen. Ein Handtuch im Toilettenbecken sollte das letzte Mittel sein. Sehr viel besser ist es, die Toilettenschüssel vom Boden abzumontieren und das Abflussrohr mit einem Verschlussteller zu verschließen. Solche Verschlussteller gibt es in verschiedenen Größen im Fachhandel. Aber Achtung: Der Wasserdruck kann so stark sein, dass der Verschlussteller weggedrückt wird. Installateure fixieren die aus der Wand in das Haus führenden „Bogen“ deshalb mit einer Spannkette, die in der Wand verdübelt wird, was adäquat auch bei einem Verschlussteller geschehen sollte.

Oberflächenwasser

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Bei geringen Wasserständen (40-50 cm) können Sandsäcke genügen. Der Hausbesitzer sollte sie dann aber auch schon auf Vorrat im Keller oder in der Garage gestapelt haben. Die Sandsäcke werden entweder vor die Gebäudeöffnungen oder auch um das ganze Gebäude aufgeschichtet. Die klassischen stationären Maßnahmen wie das Aufhäufen von Erdwällen oder das Zusammensetzen von Mauersteinen zu Mauern sind wenig hilfreich — sie werden einfach weggespült oder unterspült. Teilmobile Systeme sind Dammbalken- oder Dammtafelsysteme (Foto: epr/RS Stepanek 009 01) in Kombination mit einer stählernen Halterungskonstruktion. Die können als alles umlaufende Hochwasserschutzbauwerke montiert werden, aber auch einzeln in Fensterlaibungen und Türöffnungen.

Für den "normalen" Hausbewohner eignen sich daher eher Maßnahmen, die direkt am Gebäude durchgeführt werden. Damit diese Abdichtungsmaßnahmen von Erfolg gekrönt sind, müssen die Außenwände ausreichend standsicher, wasserbeständig und wasserdicht sein. Diese Abdichtung wird mittels Sperrputz (beispielsweise Zementputz), Steinzeugfliesen oder Kunststoffmaterialien erreicht. Keinesfalls sollten stark wasseraufnahmefähige Materialien (Holz, Gipsplatten) verwendet werden.

Dammbalkensysteme

Für den Einsatz in einem Bereich über einem Meter Wasserstand werden Dammbalkensysteme angeboten (z.B. von den Firmen RS-StepanekNettekovenAqua-Stop). Das sind teilmobile Systeme in Kombination mit einer stählernen Konstruktion. aus fixen Befestigungsschienen. Sie können als alles umlaufende Hochwasserschutzbauwerke montiert, aber auch einzeln in Fensterlaibungen und Türöffnungen eingebaut werden. Speziell Schaufenster sollten auf diese Weise geschützt werden, denn sie können dem Druck von Hochwasser nicht standhalten. Auch eine Garageneinfahrt im Erdgeschoß sollte auf diese Weise gesichert werden, zumal dann, wenn in der Garage ein PKW steht. Das Einsetzen der Dammbalken oder -platten geht anschließend recht einfach und schnell. Ausreichend Platz für die Lagerung der Dammplatten muss natürlich vorhanden sein.

Türen und Fenster abschotten

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Selbst herzustellen sind Abschottungen für Fenster und Türen natürlich auch — und zwar aus Brettern, Dichtungsmassen und Schalstützen. Das Brett sollte ausreichend stabil (Sperrholz, mindestens 22 mm dick) und wasserfest (falls Zeit dazu noch ist: lackieren oder ölen) sein. Es wird von außen mit Mauerankern im Mauerwerk befestigt und die Fugen werden mit Bauschaum ausgefüllt. Eine weitere Variante sind Sperrholzbretter, die mit einer Dichtung (Schaumgummiband, das in Bitumen getränkt wurde) in den Tür- oder Fensterrahmen eingesetzt werden. Die Bretterlösung macht natürlich nur Sinn, wenn die Bretter bzw. die Holztafel von hinten mit Balken abgestützt wird, sonst drückt das Hochwasser die ganze Konstruktion ein. Die Löcher dieser Stützen müssen auf das Brett gerichtet sein. Durch die Löcher stecken wir Gewindestangen und schrauben von der Brettseite je eine Mutter auf, bis die Gewindestange das Brett berührt. Damit sich die Gewindestange nicht in das Brett bohrt, kann zwischen Brett und Gewindestange noch eine vielleicht 2 mm dicke Blechscheibe gelegt werden. Das Schottbrett wird mit Hilfe der Muttern in die Dichtung gedrückt.

Tür zumauern

Falls Sie Ihre Tür lieber zumauern wollen, sollten Sie einiges beachten: Wenn die Flut kommt, ist die Zeit knapp. Mörtel braucht jedoch einige Zeit, ehe er völlig trocken ist. Wir empfehlen deshalb einen Dünnbettmörtel, mit dem sie sehr viel schneller eine große Verbundfestigkeit erreichen. Dünnbettmörtel ist ein Klebemörtel für schwach und stark saugende Steine wie beispielsweise Kalksandsteine oder Porenbeton. Der Dünnbettmörtel wird zusammen mit Plansteinen verarbeitet. Um Ihre Tür zuzumauern, eignen sich sehr gut Plansteine aus Kalksandstein. Kalksandstein ist hochbelastbar, lässt sich schnell verarbeiten und ist zudem auch noch kostengünstig. Generell gilt: Je dicker das Mauerwerk, desto stärker kann die Belastung durch das Wasser sein. Sie sollten jedoch beachten, dass die größeren Steine auch schwerer sind und sich nicht mehr so leicht vermauern lassen. Wir denken daher, dass ein KS-R-Planstein 10 DF (150 mm stark) ausreichend sein sollte. Plansteine werden normalerweise ohne Stoßfuge mit Nut und Feder verlegt. Um die Mauer dicht zu bekommen, sollten Sie die Stoßfuge in diesem Fall jedoch auch vermörteln. Der Anschluss der Schutzmauer erfolgt mit Mauerankern bzw. Schrauben an der Türlaibung. Die Lücken zwischen Schutzmauer und Türlaibung füllen Sie am schnellsten wieder mit Bauschaum. Nach einer Stunde ist dieser bereits alles ausgehärtet. Falls genug Zeit besteht, können Sie dafür natürlich auch Mörtel nehmen. Die Methode „Zumauern“ ist natürlich Unsinn, wenn das Haus in einer Zone liegt, die jedes Jahr von Hochwasser heimgesucht wird. Dann kommt der Hausherr sozusagen aus dem mauren und wieder abreißen nicht heraus.

Wenn das Wasser im Haus ist

Trotz aller Maßnahmen lässt es sich nicht immer vermeiden, dass Wasser in das Haus gelangt. Deshalb müssen Sie auch für diesen Fall gewappnet sein. Sowohl Installationen und Heizungsanlagen, als auch die Inneneinrichtung brauchen den Schutz vor Hochwasser.

Installationen und Heizungsanlagen

Grundsätzlich sollte bei hochwassergefährdeten Häusern die Heizung in sicheren Räumlichkeiten (z.B. dem Speicher) untergebracht werden. Das Gleiche gilt auch für alle wichtigen elektrischen Installationen, wie beispielsweise Stromverteilerkästen. Untergeordnete elektrische Installationen in vom Hochwasser betroffenen Bereichen (Keller, Erdgeschoß) sollten möglichst hoch über dem Fußboden angebracht werden. Auf Ölheizungen sollte in hochwassergefährdeten Gebieten möglichst verzichtet werden. Ist das nicht möglich, muss der Tank zusammen mit allen Anschlüssen und Öffnungen so abzusichern, dass von außen kein Wasser eindringen kann. Zudem muss der Tank mit Halterungen gegen Aufschwimmen abgesichert werden. Im Ernstfall sollte der Öltank gefüllt werden, da ein voller Tank weniger Auftrieb hat. Vergessen Sie zudem nicht die Lüftungsrohre des Tanks zu verschließen. Weiterhin müssen der Brenner in Öl- und Gasheizungen (können Sie selber machen) und die Heizungselektronik (Fachmann fragen) ausgebaut werden.

Schutz der Inneneinrichtung

Hochwertige Einrichtungen, die das Hochwasser beschädigen könnte, sollten nur in den oberen Etagen verwendet werden. Gleiches gilt auch für große, sperrige und fest installierte Einbaumöbel und Einbauküchen, da im Ernstfall nicht in Sicherheit gebracht werden können. Es sollten in den unteren, hochwassergefährdeten Etagen nur wasserunempfindliche oder transportable Möbel und Einrichtungsgegenstände aufgestellt sein. Wasserunempfindlich sollten auch die Innenwandbekleidung und die Bodenbeläge sein. Verwenden Sie für die Innenwandbekleidung nichts Gipshaltiges ( Gipsputz oder Gipskartonplatten), keine Tapeten und keine Holz- bzw. Korkbekleidungen. Verwenden Sie stattdessen mineralische Putze auf Zementbasis, Wandfliesen oder Klinker oder irgend ein anderes wasserunempfindliches Material. Ungeeignete Bodenbeläge sind Parkett, Linoleum, Kork, Laminat sowie Teppich. Als Bodenbelag geeignet sind Fliesen, Beton, Estrich und Gussasphalt. Fensterrahmen sollten aus versiegeltem Holz, Kunststoff oder Aluminium bestehen und Türzargen und —blätter am besten aus Metall.

Pumpen

Zum Leerpumpen des Kellers besonders geeignet sind Tauchpumpen. Sie werden direkt in das Wasser gestellt und sind meist auch für stark verschmutztes Wasser geeignet. Die Pumpe wird an die tiefste Stelle des auszupumpenden Raumes gestellt. Da der Strom im Keller ausgeschaltet sein sollte, muss er mit einem Verlängerungskabel zur Pumpe gebracht werden. Verwenden Sie hierzu ein Gummikabel mit einem Gummistecker und halten Sie die Steckverbindung unbedingt aus dem Wasser heraus. Bevor Sie anzufangen zu pumpen, sollten Sie folgendes beachten: Dringt in Ihren Keller von außen Wasser ein, ist auch das Kellergeschoß von außen mit Wasser umgeben. Wasser hat eine unglaubliche Kraft und drückt von unten auf die Bodenplatte. Steht das Wasser beispielsweise zwei Meter über der Sohle der Bodenplatte, beträgt der aufwärts gerichtete Wasserdruck zwei Tonnen pro Quadratmeter. Bei leer gepumptem Keller wirkt dem Wasserdruck nur das Eigengewicht der Bodenplatte entgegen. Dann kann folgendes passieren: Ist die Auftriebskraft größer als die Summe aller Gebäudelasten, schwimmt das Gebäude auf und kann im Extremfall sogar einstürzen. Reicht die Auftriebskraft nicht zum Aufschwimmen, kann es auch "nur" zu Schäden am Fundament kommen. Daher ist es am sichersten, den leergeräumten Keller einfach mit Wasser volllaufen zu lassen und nur das Erdgeschoß von Wasser freizuhalten. Hat sich das Hochwasser verzogen, kann die Pumpe ein paar Tage laufen und der Keller abtrocknen, was durch Anmieten und Einsatz eines Bautrockners statt in Monaten in zwei Wochen erreicht werden kann.

Nach dem Hochwasser

Nach dem Hochwasser sollte man rasch mit den Aufräumungsarbeiten beginnen. Der abgelagerte Schlamm wird hart und kann dann nur mit erheblichem Kraftaufwand entfernt werden. Zudem besteht durch Tierkadaver, die auf Ihrem Grundstück liegen, die Gefahr, dass Seuchen entstehen. Wie im obigen Abschnitt beschrieben, sollte mit dem Auspumpen des Kellers erst begonnen werden, wenn keine Gefahr besteht, dass das Gebäude weiteren Schaden nimmt. Da das Trinkwasser verschmutzt sein könnte, sollte ein Wasservorrat im Haus vorhanden haben. Wenn das Mauerwerk nicht schnell genug getrocknet wird, besteht die Gefahr der Schimmelbildung. Der Trocknungsvorgang auf natürliche Art dauert bis zu acht Monate, was durch Anmieten und Einsatz eines Bautrockners in zwei Wochen erreicht werden.