Wenn Gaunerzinken in der Nachbarschaft auftauchen

Auch wenn im Allgemeinen die Urlaubszeit als Hochzeit der Einbrecher gilt, spricht die Statistik doch eine andere Sprache. Ihr zufolge sind Einbrecher im Herbst und Winter aktiver, wenn sie schon tagsüber im Schutz der Dunkelheit operieren können und in den Nachbargärten kein Trubel herrscht. Unabhängig davon steigt gerade in Großstädten die Zahl der Einbrüche an. Doch während Hausbesitzer aufrüsten und sich mit moderner Technik zu schützen versuchen, erlebt ein uraltes Kommunikationsmittel ein Comeback, wie die Polizei zu berichten weiß: Gaunerzinken.

Diese kleinen Zeichen sind leicht mit üblichen Schmierereien zu verwechseln. Die auf den ersten Blick nichtsagenden Kritzeleien geben Eingeweihten detaillierte Informationen. Die Symbole haben schon vor hunderten Jahren Bettler und Diebe und Vagabunden darüber unterrichtet, wo man mit welcher Masche am meisten erreichte und an welche Haustür man besser nicht klopfen sollte. Die krakeligen Symbole wurden in Gartentore oder Türrahmen geritzt oder mit Kreide aufgetragen. Auch heute bedienen sich zwielichtige Gestalten dieser Methode. Zwar ließ sich nicht immer eine Verbindung zu tatsächlich begangenen Straftaten herstellen, doch sind die Zeichen, die mit Kreide ein Indiz für kriminelle Aktivitäten. So lässt sich mit wechselnden Personen ein Wohngebiet unauffällig ausspähen. Die Polizei mahnt jedenfalls zu erhöhter Wachsamkeit und zuletzt hat die Polizei Essen ein Info-Bild mit typischen Gaunerzinken herausgegeben — denn auffallen müssen die Symbole nicht unbedingt.

Sogenannte Gaunerzinken sind oft mit Kreide aufgemalte Zeichen von organisierten Einbrechern oder Dieben, die damit...

Posted by Polizei NRW Essen on Sonntag, 26. Juli 2015

Auch wenn es heute nicht mehr im Interesse der Einbrecherbanden liegt, sich auf ein freies Bett zur Übernachtung hinzuweisen, sind Zeichen, die auf die bissige Hunde oder lohnende Beute hindeuten, noch sinnvoll. Denn nicht allein Gelegenheit macht Diebe. Gut 20 Prozent der Einbrüche werden von „Profis“ begangen, die mit äußerster Raffinesse vorgehen. Weil den Einbrechern für ihre Diebestour nicht viel Zeit bleibt, ist eine gute Vorbereitung entscheidend für den Erfolg. Ist das Objekt einmal ins Visier genommen, brauchen die geübten Einbrecher nur wenige Minuten, um Türen oder Fenster auszuhebeln und sich so Zugang zum Haus zu verschaffen. Dort wird dann in Windeseile alles auf dem Kopf gestellt und eingepackt, was sich problemlos transportieren lässt und einen gewissen Wert hat. Auch können die Zeichen variieren, weil heute einen Bande sich nur untereinander verständigen muss und ein Bettler keinem anderen mehr Tipps und Hinweise geben muss.

Die möglichen Tatorte werden zuvor ausgespäht

plastikmarkierungen-bei-einbruchstatorten.jpg

Eine weitere Methode, Gebäude auszukundschaften und zu kennzeichnen, ist die Verwendung von durchsichtigen Plastikstreifen — wie die Polizei Mainz aufdeckte. Die Kundschafter klemmen kleine, durchsichtige Plastikstreifen von gerade einmal vier Zentimetern Länge zwischen Türrahmen und Haustür oder am Gartentor fest. Sind diese beim nächsten Besuch entfernt, zeigt das den Kriminellen, dass diese Türen in der Zwischenzeit geöffnet wurden und dass es entsprechend unwahrscheinlich ist, unbemerkt einbrechen zu können. Sind die Streifen noch an Ort und Stelle, deutet das darauf hin, dass die Bewohner nicht zuhause sind und man sich für den Einbruch entsprechend Zeit lassen kann.

Selbst wenn sich der materielle Schaden in Grenzen hält — der psychologische Schaden ist häufig noch größer. Das Wissen darum, in seinem Zuhause nicht sicher vor ungewollten Einstiegen zu sein, beunruhigt viele Menschen noch lange nachdem die Versicherung die Wertgegenstände ersetzt hat.

Bauliche Maßnahmen verderben Einbrechern die Tour

pilzkopfzapfen.jpg

Außer dass man in Vorfeld die Augen offen hält und verdächtige Anzeichen der Polizei meldet, kann man den Einbrechern den Einstieg so schwer wie möglich gestalten. Denn wirksamer Einbruchsschutz ist immer eine Kombination aus baulichen Maßnahmen, Sicherheitstechnik und dem richtigen Verhalten.

Denn wenn sich Fenster und Türen nicht innerhalb weniger Minuten öffnen, lassen Einbrecher häufig von ihrem Vorhaben ab. Bisher bleibt es bei gut 40 Prozent der Einbrüche beim Versuch (auch diese fließen mit in die Statistik ein).

So sind häufig nur äußere Schäden zu beheben. Doch können diese leicht im vierstelligen Euro-Bereich liegen. Wichtig ist aber zunächst, dass der Einbrecher keinen Zugang zum Haus erhält. Eine zuverlässige Methode, Fenster vor dem Aufhebeln zu schützen, sind Pilzkopfzapfen in den Beschlägen von Fenstern und Terrassentüren. Im Gegensatz zu den üblichen Rollzapfen lassen sie sich viel schwerer aushebeln. Eine weitere bauliche Maßnahme ist z.B. der Einbau von abschließbaren Fenstern. Das ist zum Beispiel sinnvoll, weil viele Täter die Glasdichtung durchstechen, um den Hebel oder Türgriff zu erreichen. Das ist neben dem Aufhebeln von Fenstern und Türen die Methode, die am häufigsten angewandt wird. Sind Türen und Fenster abgeschlossen, lassen sich die Hebel nicht bewegen. Doch auch hier spielt das Verhalten der Bewohner wieder eine große Rolle. Lässt man den Schlüssel immer auf dem Schloss stecken, „weil das so praktisch ist“, kann man sich den Aufwand auch gleich sparen.

Auch eine am Gartenhaus eher schlecht versteckte Leiter erleichtert Einbrechern den Zugang zur ersten Etage. Die Einbrecher wissen, dass zahlreiche Immobilienbesitzer hier häufig sparen und günstigere Fenster einbauen, die sich leichter aufhebeln lassen.

Viele Polizeibehörden bieten eine Beratungen zum Einbruchschutz an. So erhält man eine kompetente und produktneutrale Empfehlung, welche Schutzmaßnahmen an der jeweiligen Immobilie sinnvoll sind und bei welchen es sich um pure Geldverschwendung handelt. Dennoch sind neue Fenster oder gar einen sichere Haustür keine Investition, die man sich mal eben aus dem Ärmel schüttelt. Bei der Finanzierung der Umbauten und Renovierungen gibt es bundesweit Fördermöglichkeiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Auch einige Bundesländer bieten über ihre Landesbanken gezielte Förderung der Einbruchsicherheit an.

Foto: (1) Polizeipräsidium Mainz; (2) www.zuhause-sicher.de