Wenn Efeu und Wilder Wein die Fassade überwuchern

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Wer hätte nicht gerne viel Grün rund um sein Haus? Die Eigenheimbesitzer tun meistens alles, damit es vor, neben und hinter dem Haus grünt und blüht. Bei Miethäusern mit Vorgärten oder rückseitigen Grünflächen ist die Frage der Gartenpflege oftmals heikel. Wer einen Balkon und ein Herz für Blumen, Kräuter und Gewächse hat, will um sich eine grüne Oase schaffen, was aber nur in bestimmten Grenzen möglich ist. Wie aber verhält es sich mit den Kletterpflanzen, wenn diese die Fassade überwuchern und die Zweige und Triebe die Fenster verdunkeln? Eine Radikalmaßnahme (siehe Foto) hinterlässt Spuren, die man als Kunstwerk betrachten kann oder auch nicht.

Der allseits bekannte Efeu und sein „romantischer“ Bruder, der Wilde Wein, sind die Reinhold Messners unter den Kletterpflanzen. Keine Fassade ist zu hoch oder zu breit, um nicht überwuchert zu werden. Allenfalls der Knöterich kann dem Efeu beim Wettrennen um den höchsten Wuchs Paroli bieten. Ein zartes Efeupflänzchen, an der Hauswand eingepflanzt, entwickelt sich in drei bis vier Jahren zu einem immergrünen Teppich, der das ganze Haus umhüllt. Und nicht nur das — der Efeu kriecht auch auf dem Boden weiter und jeden Baum hoch, der ihm in die Quere kommt. Der Wilde Wein ist da etwas zahmer und bietet auch im Herbst ein buntes Kleid, ehe die Blätter abfallen und nur noch ein Gerippe von Zweigen an der Hauswand übrig bleibt.

Anders der Efeu — er verfärbt sich nicht, ist immergrün (aber giftig) und von extrem robuster Natur. Hat man ihn da ausgerissen, schlängelt er sich dort wieder die Wände hoch. Der Hausbesitzer muss dann selbst entscheiden, ob er den Efeu bis unter die Dachsparren kriechen und alle Fenster überwuchern lässt. In letzterem Fall hilft alles nichts — einmal im Monat ist das Freischneiden der Fenster angesagt.

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Efeu, wie er bis unter die Dachsparren kriecht

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Aus lauter Verzweiflung Blümchen in all das Grün gesetzt

In gewisser Weise hält ein dichter Fassadenbewuchs mit Efeu die Fassade trocken und den Wind ab und dient damit der Wärmedämmung. Nicht nur das — ein „Efeupelz“ trägt auch dazu bei, im Hochsommer das Haus kühl zu halten. Das sind nicht zu unterschätzende Vorteile — zumal bei Altbauten. Nicht sehr oft, aber manchmal eben doch bauen Tauben ihr Nest in eine „Efeuwand“ und wecken die Bewohner morgens mit Gurren auf. Spinnen und andere Insekten haben auch nichts gegen Efeu, wohl aber Personen, die unter einer Spinnenphobie leiden. Der Hausbesitzer muss also entscheiden, ob er mit dem Efeu leben kann und will oder nicht. Stattdessen Blauregen, Kletterrosen oder die Trompetenblume an die Hauswand zu setzen, muss ebenfalls kritisch betrachtet werden. Blaue und rote Blüten sind sicherlich etwas Schönes, aber auch diese Pflanzen schlängeln sich locker am Fallrohr acht und mehr Meter hoch, kriechen unter die Dachziegel oder durchs geöffnete Fenster.

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Ganz anders ist die Situation bei Miethäusern. Efeu, aber auch der Wilde Wein, können eine breite und hohe Fassade problemlos umhüllen und die Fenster der Mietparteien überwuchern. Wer in der vierten Etage wohnt, ist keineswegs vor Efeu sicher. Diese Kletterpflanze hat auch keine Achtung vor Nachbargebäuden, die gleich mit zugedeckt werden.

Der Redaktion von baumarkt.de ist bisher kein Mietvertrag bekannt, in dem steht, dass der Mieter im „Verdunkelungsfall“ verpflichtet ist, die Kletterpflanzen rund um das Fenster zurück zu schneiden. Das wäre auch eine höchst gefährliche Arbeit, wenn er auf der Fensterbank herum turnt, um über Kopf mit der Gartenschere an den Zweigen herum zu schnippeln. Hier ist also der Vermieter in der Pflicht, denn der Mieter hat ja eine Wohnung und keinen Efeu-Wildwuchs gemietet.

Wenn die Mieter bei aller Liebe für eine grüne Umwelt rebellisch werden, wird der Vermieter den Efeu abreißen und ausgraben müssen. Das wird er ungern tun, denn an der verputzten Fassade bleibt ein Netz von schwarzen Streifen zurück. Um diese zu übertünchen, muss der Maler her und womöglich ein Gerüst gebaut werden, damit der Maler gefahrlos arbeiten kann.

Da kann man den Besitzern von Mehrfamilienhäusern nur raten, vor die Fassaden, aber in ausreichendem Abstand, Bäume zu pflanzen wie etwa den schnell wachsenden Ahorn. Dessen Krone kann zwar auch Fenster verdunkeln, aber kein Mieter wird mit Erfolg darauf dringen können, dass solche Bäume gefällt werden.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de