Wenn die Heckenhöhe den Nachbarn ärgert

Streit an der Gartenhecke gibt es in vielen Siedlungen. Manchmal ist genau diese Hecke der Auslöser dieses Streits. Denn wie hoch eine Hecke sein soll, welchen Abstand zu Grundstücksgrenze sie haben darf und wann diese zu schneiden ist - darüber gehen die Ansichten der Betroffenen oft weit auseinander. Dabei existiert dieser Streit sicherlich schon seit es Hecken gibt. Und so fehlt es auch nicht an gesetzlichen Regelungen. Weil es sich dabei um Ordnungsrecht handelt, fällt die Regelung in die Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer. Bis auf wenige Ausnahmen haben diese von ihrer Kompetenz regen Gebrauch. Im Juristendeutsch spricht man bei Grenzmarkierungen wie Sichtschutzzäunen, Mauern und auch Hecken von „Einfriedungen“. Die Nachbarrechtsgesetze der Länder enthalten sowohl allgemeine Vorschriften zu Einfriedung als auch detaillierte Angaben zur Hecken und weiterer Grenzbepflanzung.

Die Hecke auf der Grundstücksgrenze

heckenhoehe.jpgEigentlich klingt das logisch: Von einer Hecke haben beide Parteien etwas. Sichtschutz funktioniert ja in die eine Richtung ebenso wie in die andere. Folgerichtig darf man die Hecke auch genau auf der Grundstücksgrenze pflanzen. Richtig? Kommt drauf an!

Verständigen sich beide Parteien darauf, das Grundstück mit einer Hecke einzufrieden, kann man das durchaus so handhaben. Die Nachbarn tragen von nun an die gemeinsame Verantwortung für die Bepflanzung. Sie kümmern sich nun gemeinsam um die Pflege und opfern beide gleich viel Fläche von ihrem Grundstück und teilen sich die Kosten für Anschaffung und Bepflanzung. Soweit die Theorie. In der Praxis empfiehlt es sich, dies auch schriftlich festzuhalten und auch bei einem Eigentümerwechsel eine derartige Regelung zu vereinbaren. Einigt man sich nicht, greifen die gesetzlichen Regelungen. Im Brandenburg zum Beispiel wird die Einfriedung so geregelt, dass man immer von der Straße aus betrachtet seine rechte Grundstücksgrenze einzufrieden hat. Die Einfriedung darf dann maximal bis zur Grundstücksgrenze verlaufen und je nach Höhe sind bestimmte Abstandswerte einzuhalten.

Wenn der Nachbar im Schatten sitzt

Hecken dienen nicht nur der Kenntlichmachung der Grundstücksgrenze, sondern natürlich auch dem Sichtschutz. Dafür muss man natürlich die richtigen Heckensträucher auswählen. Wenn aber keine Blicke durch die Hecke dringen, findet auch das Sonnenlicht keinen Weg durch das dichte Blattwerk. Dieser Schattenwurf hat natürlich Einfluss auf die Gartenbepflanzung und die Lebensqualität des Nachbarn. Damit sein Garten nicht vollständig beschattet wird, haben die meisten Bundesländer den Abstand der Hecken zur Grundstücksgrenze in Relation zu Höhe gesetzt. Der Pflanzabstand zur Grundstücksgrenze bestimmt also die zulässige Höhe der Hecke. In den meisten Ländern ist bei einem Pflanzabstand von 50 Zentimetern eine Höhe von zwei Metern zulässig. Doch dies dient nur als grobe Orientierung. Denn je nach Bundesland können sich die Werte unterscheiden.

Bundesland Orientierungshöhe Abstand bis Orientierungshöhe Abstand ab Orientierungshöhe
Baden-Württemberg 1,80 m 0,50 m 0,50 m + die Zentimeter,
um die die Hecke höher ist
Bayern 2,00 m 0,50 m 2,00 m
Berlin 2,00 m 0,50 m 1,00 m
Brandenburg 2,00 m - ⅓ der Gesamthöhe
Bremen - - -
Hamburg - - -
Hessen 2,00 m 0,50 m 0,75 m
Mecklenburg-Vorpommern - - -
Niedersachsen 2,00 m 0,50 m 0,75 m
Nordrhein-Westfalen 2,00 m 0,50 m 1,00 m
Rheinland-Pfalz 2,00 m 0,75 m 0,75 m + die Zentimeter,
um die die Hecke höher ist
Saarland 1,50 m 0,50 m 0,75 m
Sachsen 2,00 m 0,50 m 2,00 m
Sachsen-Anhalt 1,50 m 0,50 m 1,00 m
Schleswig-Holstein 1,20 m - ⅓ der Gesamthöhe
Thüringen 2,00 m 0,75 m 0,75 m + die Zentimeter,
um die die Hecke höher ist

Grenzt das Grundstück an land- oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen, gelten andere Maße. Auskunft kann dann die Gemeinde, das Forstverwaltungsamt oder die zuständige Landwirtschaftskammer erteilen.

buchenhecke.jpg

Die in der Tabelle genannten Zahlen sind jedoch nur eine grobe Orientierung. Die rund zwei Meter hohe Hecke wurde als Orientierungspunkt gewählt, weil sie im Nachbarschaftsrecht fast aller Bundesländer vorkommt. Kleine Hecken können auch weniger Abstand benötigen, höhere deutlich mehr. Einige Bundesländer haben zudem differenzierte Regelungen für Obstgehölze, stark wachsende Sträucher und verschiedene Baumsorten festgelegt.

Dass Pflanzen wachsen, liegt nun einmal in ihrer Natur. Deswegen ist es schwer, sie immer konstant auf einer Höhe zu halten. Selbst wenn man jeden Monat die Hecke schneiden würde, ist dies nicht zu empfehlen. Denn Hecken sind auch Rückzugsräume für Tiere und bieten Vögeln Nistmöglichkeiten an. In Baden-Württemberg ist deswegen der Rückschnitt zwischen dem 1. März und dem 30. September ausdrücklich untersagt. Auch in den anderen Bundesländern sollte man vor der Brutzeit die Hecke so zurechtstutzen, dass der nächste Schnitt erst wieder fällig ist, wenn die jungen Vögel flügge sind. Wie man beim Heckenschnitt richtig vorgeht, erörtern wir in einem gesonderten Beitrag.

In Hamburg und Bremen fehlt es an konkreten Regelungen. Deswegen wird hier im Einzelfall entschieden, ob die Höhen und Abstände das Nachbargrundstück unzumutbar beeinträchtigen. Ein gesetzlicher Anspruch auf eine bestimmte Maximalhöhe existiert nicht.

Erstaunlich — aber mancherorts gibt es sogar eine Einfriedungspflicht

vorgarten-hecke.jpgMan kann natürlich auch einen Zaun oder eine Mauer errichten. Denn in vielen Bundesländern gibt es eine Einfriedungspflicht. In Baden-Württemberg muss man dieser nachkommen, wenn der Nachbar eine Einfriedung fordert. Wie bereits erwähnt, ist man in Brandenburg für die Einfriedung seiner rechten Grundstücksgrenze verantwortlich. Die Kosten hat immer derjenige zu tragen, auf dessen Grundstück die Einfriedung steht. Steht diese auf der Grenze, teilen sich beide Nachbarn die Kosten. Das ist im Bürgerliche Gesetzbuch bundesweit so geregelt. Die Art der Einfriedung muss dabei immer in das Straßenbild passen. Mitunter ist sie auch in den Bebauungsplänen vorgeschrieben. Auskunft über die örtlichen Bestimmungen gibt die untere Bauaufsichtsbehörde der Gemeinde oder des Kreises.

Von der Einfriedungspflicht ausgenommen kann man sein, wenn das Straßenbild dies nicht hergibt oder wenn man durch einen hohen Sichtschutz die Verkehrssicherheit gefährdet. Das kommt natürlich auf den Einzelfall an.

Was mache ich, wenn bereits Bepflanzung vorhanden ist?

gekappter-Baum.jpgIn den Gärten von Altbauten wachsen mitunter Bäume, die bedeutend älter sind als das Nachbarschaftsrecht der Länder. So stehen Bäume manchmal auch auf der Grundstücksgrenze oder sind mit der Zeit dorthin gewachsen. In diesen Fällen ist es unerheblich, auf wessen Grund der Großteil des Baumes steht, er gehört beiden Parteien — in guten wie in schlechten Zeiten.

In guten Zeiten bedeutet das, dass beide Nachbarn von den Früchten und dem Holz zu gleichen Teilen profitieren und nicht ein Nachbar beispielsweise zwei Drittel der Kirschen für sich beanspruchen kann, weil der Stamm zu zwei Dritteln auch auf seinem Grund steht.

In schlechten Zeiten bedeutet das, dass auch beide Parteien zu gleichen Teilen für entstehende Schäden haften, wenn beispielsweise der Baum nur mangelhaft bis gar nicht gepflegt wurde und infolge von Krankheiten Äste herabfallen. Soweit der Baum nicht unter den Schutz einer Baumschutzregelung fällt, darf der Baum von dem einen Nachbarn nur gefällt werden, wenn der andere Nachbar zustimmt. Allerdings muss er sehr gewichtige Gründe vorbringen, um diese Zustimmung zu verweigern. (OLG Oldenburg, Az. 13 U 107/01).

Weitere rechtliche Probleme einer Grenzbepflanzung

Wenn man in eine Baulücke baut, ist es nicht unwahrscheinlich, dass die Nachbarn bereits Hecken angelegt haben. Wenn man also theoretisch von der Einfriedungspflicht betroffen ist, kann der alte Nachbar von seinem neuen Nachbarn eine Kostenbeteiligung in Höhe des Zeitwertes verlangen.

Eigenmächtig entfernen darf man eine Einfriedung, die auf der Grenze verläuft, übrigens nicht. Entfernt man diese dennoch, kann der Nachbar verlangen, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen.

Reichen Wurzeln und Äste von der Grenzbepflanzung des Nachbarn auf das eigene Grundstück und beeinträchtigen diesen bei der Nutzung, kann man dem Nachbarn eine Frist setzen, innerhalb der er das Ärgernis zu beseitigen hat. Kommt er der Aufforderung nicht innerhalb der Frist nach, kann man die Wurzeln und Äste auch selber kappen. Hier ist wichtig zu beachten, dass die Beeinträchtigung erheblich sein muss und gegebenenfalls, siehe Baden-Württemberg, andere gesetzliche Regelungen dazu führen, dass man diesen Anspruch auf Beseitigung zwar hat, aber in einem gewissen Zeitraum nicht durchsetzen kann.

Um Streit von vornherein zu vermeiden, lautet unsere Empfehlung daher immer, sich mit dem Nachbarn abzustimmen. Das gilt ebenso für die Beseitigung wie auch für die Errichtung von Grundstücksbegrenzungen. So lassen sich auch Regelungen jenseits der gesetzlichen Vorschriften finden, mit denen beide Parteien glücklich sind.

Foto(s): www.fotoatelier-schumacher.de