Welche Farbe für welchen Untergrund?

Leimfarbe für Wände, Decken, Raufasertapeten

Leimfarbe besteht aus den natürlichen Rohstoffen Leim, Kreide und Wasser. Pflanzlicher Stärkeleim oder Zelluloseleim ist das Bindemittel. Da diese Bindemittel immer wasserlöslich bleiben, kann man die Farbe nicht in Kellern, Küchen oder Bädern verwenden. Die Farbe wird als Pulver gekauft und mit Wasser angerührt. Da der Anstrich nur wischfest ist, wird er vorwiegend für Decken, aber auch an Wände und auf Raufasertapeten verwendet. Nichtsaugende und nichtsandende mineralische Untergründe (Innenputz) sind geeignet für den Anstrich mit Leimfarbe, der in zwei Arbeitsgängen, als Grundierung und mit einer Schlussbeschichtung aufgetragen wird. Leimfarbe ist eine gesundheitlich unbedenkliche Farbe, die preiswert und gut deckend ist. Überstreichen läßt sie sich allerdings nicht. Bevor ein neuer Anstrich erfolgt, muss die alte Farbe restlos abgewaschen werden. Dazu reicht einfaches Wasser. 

Kalkfarbe für Decken und Wände in Küchen und Bädern

kalkfarbe_bad.jpgKalkfarbe setzt sich aus gelöschtem Kalk und Wasser ohne weitere Zusatzstoffe zusammen. Aus ökologischen und baubiologischen Aspekten ist die Farbe daher sehr empfehlenswert. Bei diesem wasserverdünnbaren Anstrich wirkt der Kalk gleichzeitig als Bindemittel und Pigment. Zum Abtönen sind nur kalkechte Buntpigmente geeignet. Starke Farbtöne sind bei Kalkfarben sind nicht möglich, weil Kalkfarben Pigmente nur bis maximal 5 % binden. Es sind daher mehrere Anstriche notwendig. Der Anstrich ist feuchtigkeitsunempfindlich und wirkt desinfizierend und fungizid. Für Decken und Wänden in Küchen und Bädern, Kellern und Lagerräumen kann die Kalkfarbe deshalb ohne Probleme verwendet werden. Im Außenbereich wird die Farbe wegen des sauren Regens heute nicht mehr verwendet. Aufgebracht wird der Anstrich auf Kalk-, Kalkzement- und Zementputzen, auf Schalungsbeton, gebrannten und ungebrannten Mauersteinen, Wänden und Decken. Nicht geeignet sind Kalkfarben für Sichtbeton und ebenso nicht für alle Holz- und Metalluntergründe. Beim Verarbeiten von Kalkfarbe sollten Schutzbrille und Arbeitshandschuhe getragen werden, da Kalk und Zement starke, ätzende Laugen bilden. 

Zementfarbe für feuchte Untergründe

Zementfarben bestehen aus Weißzement und hochhydraulischem Kalk. Hochhydraulisch bedeutet, daß das Bindemittel ohne Luftzufuhr erhärtet. Man kann Zementfarbanstriche daher für Unterwasserflächen oder ständig erdfeuchte Untergründe wie beispielsweise Schwimmbecken aus Beton verwenden. Die wetterbeständigen, wasserdampfdurchlässigen Zementfarben eignen sich für die gleichen Untergründe wie die Kalkfarbe. Für Holz und Metall sind die Farben allerdings generell nicht geeignet. Zudem sind sie gegenüber Kalkfarbe etwas spröder und können daher leichter reißen. Da Zementfarben sich wie Kalkfarben nur geringfügig abtönen lassen, benötigt man im allgemeinen zwei Anstriche. 

Waschfeste Dispersionsfarbe deckt gut bei Innenanstrichen

innenanstrich.jpgDispersionsfarben sind die heute am häufigsten verwendeten Farben. Ihre Bindemittel sind nicht wasserlöslich, sondern als relativ große feste Teilchen im Wasser fein verteilt (dispergiert). Die Farbe selbst dagegen ist wasserverdünnbar. Bindemittel sind Natur- und Kunstharze. Als Kunstharze werden Polyvinylacetat (PVAC), Polyvinylpropionat (PVP), Styrol-Butadien (Latexfarben) und Acrylate verwendet. Bindemittel aus Naturharzen sind beispielsweise Bienen- und Baumwachse, Pflanzengummis und Pflanzenleime. Die Qualität von Dispersionsfarben wird durch Gütebegriffe wie wisch-, wasch-, scheuer- oder wetterbeständig ausgedrückt. Mit steigendem Bindemittelanteil wird Dispersionsfarbe hochwertiger und beständiger.

Wischfeste Dispersion ist für Räume geeignet, an die keine hohen Ansprüche gestellt werden. In Kellerräumen oder Garagen ist die preiswerte wischfeste Farbe sicherlich die beste Wahl. Da die Farbe nicht sehr gut deckt, sind meist zwei Anstriche erforderlich. Die Farbe läßt sich durch Abwaschen leicht wieder entfernen. In Wohnräumen ist die waschfeste Dispersion daher eher geeignet. Sie ist hochdeckend, reflexionsfrei und gut mit Pinsel, Rolle oder Spritzpistole zu verarbeiten. Auf Rauhfaser oder Strukturtapeten reicht wegen der hohen Deckkraft meist ein Anstrich. Dispersionsfarben lassen sich immer wieder überstreichen. Daher sind sie gut für stark strapazierte Räume wie Flure oder Küchen. Geliefert werden Dispersionsfarben in der Regel nur weiß pigmentiert. Zum Abtönen gibt es die Volltonfarbe. 

Volltonfarbe für Innen- und Außenanstriche

Vollton- oder Abtönfarbe dient hauptsächlich der Farbgebung von weißer wasserverdünnbarer Farbe. Dies ist meist Dispersionsfarbe, wobei die Volltonfarbe in diesem Fall auch eine Dispersionsfarbe ist. Die Farbe kann aber auch direkt verarbeitet werden. Volltonfarben sind witterungs- und scheuerbeständig. Sie können daher innen wie außen eingesetzt werden. Trotz des hohen Pigmentanteils haben Volltonfarben keine umweltbelastenden Inhaltsstoffe. 

Latexfarbe für stark beanspruchte Räume

Eine spezielle Dispersionsfarbe ist die Latexfarbe. Dabei handelt es sich um Dispersionen besonders feiner Teilchen. Latexfarbe ist wasserdampfdurchlässig, sehr strapazierfähig, scheuerbeständig und unempfindlich gegenüber üblichen Reinigungsmitteln. Latexfarbe ist durch ihre Wetterbeständigkeit nicht nur für den Innenbereich, sondern auch für den Außenbereich geeignet. Darüber hinaus vergilbt die Farbe nicht und bleibt elastisch. Da sie robust und widerstandsfähig ist, bietet sich Latexfarbe in Räumen an, die stark beansprucht werden wie beispielsweise Treppenhäuser, Kinderzimmer oder Küchen und Bäder. Im Handel wird Latexfarbe in matter, seidenglänzender oder hochglänzender Form angeboten. 

Reinsilikatfarbe für den Anstrich von Mauerwerk

Reinsilikatfarbe wird auch Wasserglasfarbe oder, nach dem Erfinder A.W. Keim, Keimfarbe genannt. Wasserglas bzw. Kaliwasserglas ist eine dickflüssige, ölige, farblose Flüssigkeit, die eine wässrige kolloidale Lösung von Kieselsäure darstellt. Man gewinnt Kaliwasserglas durch Zusammenschmelzen von Quarzsand , Kalciumcarbonat und Kohle (alles fein pulverisiert). Wasserglas dient als Bindemittel bei Reinsilikatfarben. Die Farbverdünnung erfolgt mit Fixativ. Das farblose Fixativ kann für Grundierungen stark saugender Untergründe ausnahmsweise mit Wasser verdünnt werden. Zum Vorstreichen nimmt man eine Verdünnung der fertigen Farbe mit Fixativ. 

Gegenüber Dispersionsfarben hat die Farbe gesundheitliche und technische Vorteile, da keine Kunststoffe, Lösemittel oder Konservierer zugesetzt werden. Für den einfachen Heimwerker ist sie aber schwer zu verarbeiten, weshalb sie in Baumärkten praktisch nicht anzutreffen ist. Reinsilikatfarben sind stark ätzend und greifen die Haut an, weshalb Handschuhe getragen werden müssen. Zudem können Glas- und Keramikflächen durch Silikatspritzer nicht entfernbare Flecken bekommen. 

Reinsilikatfarbe ist vor allem für Anstriche auf Mauerwerk geeignet. Sie ist sehr hart, völlig wasserfest und hält einwandfrei und dauerhaft auf Kalkmörtel und zementhaltigem Mörtel. Mit diesem Untergrund geht Wasserglas eine feste Verbindung ein. Gips kann mit Wasserglasfarbe nicht überstrichen werden, da Wasserglasanstriche in kürzester Zeit abplatzen. Dies liegt daran, daß Gips und Wasserglas miteinander reagieren. Dabei wird die Spannung zu groß und die Farbe platzt ab. An der Unterseite der abgeplatzten Reinsilikatfarbe haftet dann eine weiße Schicht Kalziumsilikat. Auch auf Dispersionsfarben haftet Silikatfarbe nicht. 

Dispersionssilikatfarbe für Fassaden- und Innenputze

dispersionssilikatfarbe_fassade.jpgZur besseren Verarbeitung wird, im Gegensatz zur Reinsilikatfarbe, bei Dispersionssilikatfarbe neben Wasserglas noch Kunstharzdispersion als Bindemittel eingesetzt. Wie die Reinsilikatfarbe wird die Dispersionssilikatfarbe mit Fixativ verdünnt und ebenso verarbeitet. Anstriche mit Dispersionssilikatfarbe bilden keine Filme, sondern verbinden sich mit dem Untergrund. Sie sind gegen sauren Regen und Industrieabgase weniger empfindlich als Kalk- oder Zementfarben. Neben der Fassade wird Dispersionssilikatfarbe vor allem für Innenputze verwendet. Wer die Farbe nach baubiologischen Gesichtspunkten auswählt, sollte eine Reinsilikatfarbe wählen. In Dispersionssilikatfarben können Lösemittel oder Konservierer im erhöhten Maß enthalten sein. Auf gipshaltigen Bauteilen wie Gipskartonplatten oder Gipsputz hält die Farbe ebenfalls nicht. Verwendet werden kann die Farbe bei Kalkputzen, Leichtbeton, Ziegel, Kalksandstein, Naturstein und Rauhfasertapete. 


Foto(s): www.fotoatelier-schumacher.de, epr/Bembé Parkett