Welche Bauprodukte sind nachhaltig?

Die Redaktion von baumarkt.de hat sich ausführlich mit dem Thema der Nachhaltigkeit beschäftigt. An dieser Stelle wollen wir gerne darüber berichten, welche nachhaltigen — also natürlich nachwachsenden — Baumaterialen es gibt.

Holz als Mutter aller Baumaterialien

lattendach.jpg Holz ist ein idealer Baustoff — aber natürlich nicht jede Holzart. Holz wird nicht durch Fällen der Bäume zum Baustoff, sondern durch Ernten — wie die Fachleute sagen. Hafer oder Rüben, auf einem Feld geerntet, wachsen nach — Holz auch, aber in einem sehr langsamen Rhythmus. Relativ schnell wächst die Pappel, aber das Holz taugt nur für die Herstellung von Holzfaser­platten. Die deutsche Forstwirtschaft erntet nur so viel Holz, wie nachwächst. Für viele andere Länder gilt das nicht. Ohne Holz keine Holzhäuser, keine Fertighäuser und keine Fachwerk­häuser, wobei Fachwerkhäuser bekanntlich Jahrhunderte überdauern können. Ohne Holz aber auch kaum ein Dachstuhl oder ein Carport. Von den klassischen und immer noch trendigen Bodenbelägen wie Parkett bis zu den Paneelen im Innen- und Außenbereich eines Hauses — Holz ist aus dem Baubereich nicht wegzudenken.

Reet als klassisches Material für die Dachdeckung

Reet ist ein im Jahresturnus nachwachsendes Baumaterial. Reet dient als klassische Dachdeckung auf norddeutschen Bauernhöfen und Wohnhäusern. Reetdachdecker heißen die Handwerker, die fast ausschließlich in Deutschlands Norden ansässig sind. Dass mittlerweile Reet auch aus Kunststoff angeboten wird, ist natürlich eine Sünde für alle, die auf Nachhaltigkeit setzen.

Für Kork braucht kein Baum gefällt zu werden

Kork ist natürlich auch ein Holzprodukt. Bis 200 Jahre wird eine Korkeiche alt, die in einem Rhythmus von neun bis zehn Jahren von ihrer Rinde befreit, also sozusagen „entkorkt“ wird. Die Rinde wächst also nach, wobei Kork im Baubereich für die Herstellung von Korkparkett verwendet wird und - zu Granulat gemahlen — als Dämmstoff verwendbar ist. Aus ökologischer Sicht bedenklich ist das Einfärben von Korkparkett in zum Teil schreienden Farbe. Noch bedenklicher ist, dass ganze Korkeichenwälder bedroht sind, weil Kork als Flaschenverschluss immer mehr von Kunststoff“korken“ verdrängt wird.

Wolle als Dämmstoff - das Schaf unter nachhaltigen Gesichtspunkten

Schafwolle als Dämmstoff ist seit Jahrzehnten bekannt, sie wird jedoch hierzulande selten eingesetzt. Nicht jede Schafwolle eignet sich gut zum maschinellen Verspinnen und anschließender Weiterverabeitung zu Decken oder Pullovern. Schafwolle muss zuvor gewaschen, entfettet und von Fremdstoffen gereinigt werden. Die hierzulande üblichen Vliese aus Schafwolle können nur eingebaut werden zwischen Bauteile, die vor Dampfdiffusion abgeschirmt sind, sonst saugen sie sich über den Wasserdampf mit Wasser voll - was übrigen auch bei Polystyrol (Styropor) der Fall ist. Verarbeitet wird in der BRD vorzugsweise Schafwolle von heimischen oder irischen bzw. schottischen Schafen. Ganz ohne Chemie geht es bei Schafwolle nicht ab, denn sie muss vor Mottenbefall geschützt werden.

Hanf als Universal-Dämmstoff und „Zuschlag“ im Lehmbau

Hanf ist das seit tausenden von Jahren bekannte Cannabis, wobei der sog. „Nutzhanf“ zu Fasern verarbeitet wird, die in Form von Platten oder als Rollenware einen sehr guten Naturdämmstoff abgeben für die Dämmung des Dachgeschosses, der Innenwände oder hinter einer vorgehängten Fassade. Geshreddert zu Flocken, ist Hanf sehr gut einsetzbar als Schüttdämmung auf Geschossdecken. Auch Lehmbausteine werden hergestellt, die Hanf als Zuschlag enthalten. Da aus Hanf auch (wie allseits bekannt sein dürfte) ein Rauschmittel gewonnen werden kann, wurde der Anbau in Deutschland verboten. Der Anbau von Faserhanf ist seit 1996 aber wieder erlaubt. Hanf ist auch ein Ausgangsmaterial für Werg — siehe nächster Absatz.

Werg als klassisches Dichtmaterial

Fast jeder hat einmal gesehen, wie Installateure dünne Fasern um das Gewinde eines Rohres wickeln, ehe es mit einem Anschlussstück verschraubt wird. Die langen Fasern sehen aus wie graubraune Haare und werden aus Hanf oder Flachs gewonnen. Als Dichtmaterial wird Werg auch heute von vielen Handwerkern bevorzugt, denn Teflonband als Gewindedichtung wird beim Zurückschrauben zerstört — Werg nicht. Werg diente, vermischt mir Holzteer oder Pech, als Fugendichtung für die Planken von Segelschiffen und Yachten. Heute noch ist Werg ein gutes Dämm- und Dichtmaterial für die Fugen zwischen Fenster und Mauerwerk.

Strohballen als Material für den Wandaufbau

Wenn ein Produkt nachhaltig ist, dann ist es Stroh. Es fällte jedes Jahr bei der Ernte von Getreide an und wird direkt auf dem Feld zu Ballen gepresst. Aus solchen Ballen wurden in den nördlichen USA tatsächlich ganze Häuser gebaut — ein Ballen wurde auf den anderen geschichtet und fertig war die Wand. In der BRD und in Österreich stehen inzwischen auch einige Häuser aus Stroh, wobei die Ballen allerdings zwischen eine Konstruktion aus Holzständern eingebaut werden. Die Ballen werden dicht zusammengepresst und dann verkleidet — zum Beispiel mit Lehmputz.

Bambus — in Asien für den Gerüstbau, bei uns als Parkett

Wenn in Fernost Häuser gebaut werden — eingeschossig bis dreigeschossig — besteht das Baugerüst auch heute noch in den meisten Fällen aus Bambusrohren, die miteinander mit Seilen verflochten werden. Wenn mehrere Arbeiter darauf „herum turnen“ oder bei starkem Wind, gerät das Gerüst zwar ins Schwanken — aber es hält — und kein Mensch in Vietnam oder auf den Philippinen hält deswegen den Atem an. Bambus ist eben biegsam und widerstandsfähig. Die Hersteller von Parkett haben Bambus aber auch als Bodenbelag entdeckt. Was wir zu sehen bekommen, ist eine extrem strapazierfähige Deckschicht aus der Bambusrinde, das Trägermaterial bei 2- oder 3-Schicht-Parkett besteht hingegen u.a. aus Weichholz. Neben Parkett werden auch Holzplatten aus Bambus angeboten.

Der echte Gummi alias Kautschuk im Bauwesen

Der Gummibaum im Schaufenster einer Metzgerei gibt keinen Saft her, um daraus Gummi zu machen. Gummi wird aus Kautschukbäumen gewonnen, die den Latex (also Kautschuk in flüssiger Form) bis zu 40 Jahre lang abgeben. Das Latex fließt, nachdem die Rinde serpentinenartig angeschnitten und eingekerbt wurde, in Eimer. Der „echte Gummi“, also der Naturkautschuk, wurde längst vom synthetischen Kautschuk überholt. Dichtungslippen in Fenstern und Türen sind also heute fast ausschließlich aus synthetischem „Gummi“, Bodenbeläge in Feuchte belasteten Räumen ebenso. Fallschutzmatten, wie sie auf Kinderspielplätzen oder auf Sportplätzen ausliegen, werden fast immer aus 100 % recyceltem Gummi-Granulat hergestellt.

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