Waschbär unterm Dach — was tun?

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Christoph Kolumbus hat nicht nur Amerika entdeckt, sondern auch den Waschbären. Zumindest soll er der Erste gewesen sein, der den grauen Gesellen in einem Schriftstück erwähnt hat. Das ist lange her und heute ist der Waschbär nicht nur in den USA beheimatet, sondern auch in Deutschland. Die englische Bezeichnung „raccoon“ geht auf ein Wort der amerikanischen Ureinwohner zurück und bedeutet soviel wie „der mit den Händen kratzt“. Nun hat ein Waschbär keine Hände, sondern Pfoten, aber kratzen tut er gerne. Wer in Kassel wohnt, kann davon ein Lied singen, denn Kassel gilt als Waschbär-Hauptstadt Europas. Bis zu 150 Tiere leben dort auf einem Quadratkilometer; besonders die Wohngegenden in waldnahen Gebieten sind betroffen. Denn der Waschbär nächtigt gerne in Baumhöhlen, sagt aber auch zu menschlichen Behausungen nicht Nein. Hat sich solch ein pelziger Untermieter erst einmal auf dem Dachboden eingenistet, geht es schnell an die Bausubstanz.

Niedlich, aber nervig

Was tun, fragt sich der genervte Hausbesitzer, denn die knopfäugigen Tierchen sehen zwar ganz possierlich aus, haben es aber so faustdick hinter den Ohren, dass die Kosten für durch sie verursachte Schäden schnell mal in die Zehntausende gehen können. Da wird der Dämmfilz zerfetzt und bisweilen auch alles andere, was unter dem Dach Platz gefunden hat, von Kot- und Urinspuren mal ganz zu schweigen. Letztere verursachen nicht nur einen üblen Geruch, sondern können auch gesundheitsschädlich sein. Denn im Darm des Waschbären leben Parasiten, die selbst beim Menschen Infektionen hervorrufen können. Daher gilt beim Kontakt mit Waschbär-Exkrementen: Staubmaske aufsetzen und Einweghandschuhe benutzen, um keine unnötigen Risiken einzugehen.

Doch wie wird man den Eindringling mit der schwarzen Augenmaske wieder los? Das ist eine Frage, die sich nicht so leicht beantworten lässt. Zunächst einmal wäre zu sagen, dass Waschbären über hervorragend ausgeprägte Sinne verfügen. Alles, was sie finden, wird betastet und beschnuppert. Sie hören zwar nicht das Gras wachsen, dafür aber entgeht ihnen nicht die leiseste Bewegung der Regenwürmer im Boden. Die Augen spielen zwar eine eher untergeordnete Rolle, helfen jedoch auch bei der Orientierung. Manche Hausbesitzer versuchen nun, die nachtaktiven Räuber so lange zu nerven, bis diese von selbst die Flucht ergreifen. Sie legen Mottenkugeln aus, beleuchten den Dachboden oder spielen laute Musik ab. Doch selbst Lichtorgeln und Wagner-Opern erzielen mitunter nicht den gewünschten Effekt, so dass der Waschbär zum Dauergast wird. Dann muss der Fachmann ran und der kostet bares Geld.

Auf Nummer sicher gehen

Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, sollte man ein paar „goldene“ Regeln beachten. Der Waschbär braucht — wie die meisten anderen Lebewesen — Wasser und Nahrung. Nun muss man nicht gleich den Gartenteich zuschütten oder den Apfelbaum fällen, um zu verhindern, dass sich der Kleinbär im eigenen Garten heimisch fühlt. Es genügt schon, all jene Bäume zurückzuschneiden, die sich in unmittelbarer Nähe zum Haus befinden. Denn über das Geäst gelangen die Tiere erst aufs und dann unters Dach, etwa indem sie lose Ziegel beiseite schieben oder durch den Schornstein einsteigen. Übrigens: Auch Fallrohr und Fassadenbegrünung werden gerne als Kletterhilfen genutzt. Und dass eine Katzenklappe einer persönlichen Einladung gleichkommt, versteht sich wohl von selbst.

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Katzenfutter, das über Nacht im Garten bleibt, lockt neben Igeln auch Waschbären an. Die sind bekanntlich Allesfresser und tun sich nicht nur an Schnecken und Regenwürmern gütlich, sondern auch an allem anderen, was ihnen bei ihren nächtlichen Streifzügen zwischen die Vorderpfoten kommt. Da werden Mülltonnen und Komposthaufen durchstöbert und ganze Obstbäume geplündert. Am nächsten Morgen ist das Chaos groß, denn überall liegt verstreuter Abfall herum und der Rasen sieht aus wie umgepflügt. Um dem wilden Treiben einen Riegel vorzuschieben, ist es ratsam, Mülltonnen mit Ketten und Gurten zu sichern und verschließbare Schnellkomposter zu verwenden. Denn ist der Tisch nicht reich gedeckt, zieht der Waschbär weiter und man hat seine wohlverdiente Ruhe.

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