Was tun, wenn es heftig schneit?

Wer in der Bundesrepublik in einem „Tiefland“ lebt wie etwa in der norddeutschen Tiefebene, der macht sich über den Schneefall und dessen Folgen keine Gedanken. Das ist aber falsch, denn auch der Niederrhein oder Mecklenburg-Vorpommern können mächtig eingeschneit werden. Wer im eigenen Haus wohnt oder Mieter ist, sollte in unserem durch Gesetze und Verordnungen reichlich eingeengten bundesrepublikanischen Gemeinwesen einiges beachten.

Fangen wir bei den Schnee-Werkzeugen an

schneeschaufel.jpg

Solange der Schnee noch nicht festgetreten oder gefroren ist, können Sie ihn mit einer Schneeschaufel wegschippen oder, wenn Sie viel zu räumen haben, mit einem Schneeschieber zur Seite drücken. Diese Räumwerkzeuge sind alle aus leichtem Material, damit man nicht zu schnell ermüdet, denn Schneebatzen können ganz schön schwer sein. Die Schneeschaufel aus verleimtem Sperrholz kennt wahrscheinlich jedermann. Dieses Traditionsinstrument wird mehr und mehr von Kunststoff- und Stahlblechvarianten (Foto adlus.com) verdrängt. Jedenfalls sind diese beiden Räumwerkzeuge ideal bei losem Schnee. Ist dieser aber auf dem Gehweg „festgebacken“, muss härteres Gerät ran.

Um eisige Klumpen zu beseitigen, brauchen Sie einen Eisstoßer. Der sieht aus wie ein Besen, hat jedoch statt der Bürste eine unten angeschliffene Stahlplatte, mit der sich Eisklumpen kleinstoßen oder wegschieben lassen. Diese Arbeit geht wahrhaftig in die Knochen, wie man so schön sagt. Und weil das so ist, bieten sich Alternativen an.

streusalzsack.jpg

Die Alternativen stecken in Säcken oder Eimern

Es bieten sich aber Alternative an. Dazu gehört, Granulat zu streuen. Das gibt es als Sackware und im Eimer. Granulat taut den Schnee nicht weg, sondern macht glatte Flächen stumpf. Der Nachteil ist, dass Granulat weiße Flecken auf dem Pflaster oder den Natursteinplatten hinterlässt, wenn das Wetter umgeschlagen und es wieder warm geworden ist. Die Flecken verschwinden aber mit der Zeit, wobei bei Tauwetter das Granulat aber aufgefegt und entsorgt werden sollte.

Wer „Auftausalz“ (gemeinhin Streusalz genannt) streut, muss keine Flecken befürchten und braucht auch bei Tauwetter nichts weg zu fegen. Streusalz (Foto) wäre also geradezu ideal, wenn der Einsatz von Tausalz in manchen Gemeinden und Städten nicht verboten wäre. Selbst im hügeligen Freiburg darf Streusalz nicht zum Einsatz kommen. Da Freiburg von 23.000 Studenten bevölkert wird, nimmt die Stadtverwaltung wohl an, dass sich diese mit Schneeräumen ein Zubrot verdienen könnten. Doch Scherz beiseite: Die meisten Gemeinden lassen den Gebrauch von Streusalz zu, wenn auch mit mehr oder weniger starken Einschränkungen. Wer sich also keine Strafe wegen einer Ordnungswidrigkeit einhandeln will, sollte sich informieren, was in seinem Wohnort streusalzmäßig erlaubt oder verboten ist. Vor allem aber sollte er an seine Stauden und Sträucher im Vorgarten denken. Wenn das Salzwasser in den Vorgarten abläuft, können Pflanzen gravierende Schäden nehmen und sogar absterben.

schneefraese.jpg

Mit Maschinen dem Schnee an den weißen Kragen

In Kanada kommen Farmer nicht ohne eigene Schneefräsen aus, die Haus- oder Betriebseingänge oder Gehwege frei schleudern. Nun leben wir aber nicht in Kanada, wer jedoch im Alpenvorland ein Gehöft oder einen Betrieb besitzt, kommt am maschinellen Einsatz etwa einer Schneefräse (Foto: Rotopino) nicht vorbei. Gabelstapler können mit einem Schneeräumschild ausgehstattet werden, Traktoren sowieso. Wer ein großes Haus hat, das an einem Eckgrundstück liegt und wer zudem auch noch eine Doppelgarage besitzt mit breiter und langer Auffahrt, der wird vielleicht eine Motor-Kehrmaschine besitzen, an der die Bürste abgeschraubt und ein Schneeschieber angebaut werden kann. Bei Hotels in Schneegebieten sind derartige Maschinen häufig im Einsatz, wenn die Schiebeschilder nicht direkt an einen Unimog montiert worden sind. Mit dem kann man dann direkt den Schnee wegfahren — und da sind wir bei einem echten Problem.

Wohin denn mit dem „weggedrückten“ Schnee?

Schneit es stark und über mehrere Tage, häufen sich am Straßenrand wahre Schneeberge an. Da wurde dann der Schnee vom Gehweg oder von der Garagenzufahrt einfach an den Straßenrand geschaufelt oder „gedrückt“. Und das ist erstens ein echtes Problem und kann zweitens eine Frechheit und Anlass zum Nachbarschaftsstreit sein. Wo man früher in einer ruhigen Wohnstraße seinen PKW abstellen konnte, türmt sich am Straßenrand auf einmal ein Schnee-Gebirgszug, in dem ein normaler PKW stecken bleibt. Außerdem wird die Fahrbahn eingeengt, so dass stellenweise nur eine Fahrspur besteht und der Gegenverkehr in eine frei geschaufelte Garagenzufahrt ausweichen muss. Wohin also mit den Schneemassen? Falls ein Vorgarten vorhanden, dann ab damit in den Vorgarten. Falls das Haus am Waldrand liegt, ab mit dem Schnee an den Waldrand. Öffentliche Parkplätze zuzuschaufeln, ist natürlich nicht erlaubt — auch dann nicht, wenn man eine Parkscheibe in den Schnee steckt. In 95 % aller Fälle kommt nur ein Schaufeln oder Schieben des Schnees auf die Straße infrage.

Sollten Sie auf die Idee kommen, den Schnee auf ihren offenen PKW-Anhänger zu schaufeln und ihn dann zur öffentlichen Müllumladestelle zu bringen, so wird man Ihnen diesen „Müll“ nicht abnehmen. So bleibt die Feststellung, dass in Deutschland fast alles amtlich geregelt ist und eine Räum- und Streupflicht vorschreibt, ab wann (Uhrzeit) bis wann geräumt werden muss (nämlich regional unterschiedlich), aber keine „Schneeverbringeordnung“ besteht, so dass die Kommunen selbst nicht wissen, wohin mit dem Schnee. Die kippen den „öffentlichen Schnee“ im Rheinland einfach in den Rhein und stiften eine Kerze zu Ehren des heiligen Sabinus von Piacenza, dem Schutzpatron vor Hochwasser. Denn was als Schnee in den Rhein gelangt, kommt als Hochwasser in Holland an…