Wandheizungen - altes Prinzip, moderne Heizung

hypokausten.jpgWir befinden uns in einer Zeit, in der die Energiesparverordnung und andere mehr oder minder sinnvolle Gesetze den Bauherren und den Bauausführenden vor einige Rätsel stellen. Die Gebäude werden immer dichter, Feuchtigkeit kann nicht mehr entweichen. Die Folge sind Schimmel und andere unangenehme Begleiterscheinungen wie beispielsweise der Anstieg von Krankheiten und Allergien, unter Umständen ausgelöst durch die Luftverwirbelungen, die beim Heizen mit herkömmlichen Heizkörpern entstehen. Im Raum befindlicher Staub, Milben und Bakterien werden dabei permanent umhergewirbelt.

Dabei haben uns schon die Baumeister in der Antike vorgemacht, wie es auch anders geht - mit Wandheizungen. Heiße Luft wurde bei römischen Thermen durch Hohlziegel geleitet und so die Wände erwärmt. Dabei senden die Wände eine infrarote Strahlung aus, die dazu führt, daß vor allem der menschliche Körper erwärmt wird und weniger die Luft. Die unangenehmen Luftverwirbelungen werden dadurch ebenfalls verhindert. Nachdem diese Methode der alten Baumeister schon fast in Vergessenheit geraten war, sind Wandheizungen seit einigen Jahren wieder im Kommen. Das Foto zeigt eine Hypokausten-Heizung aus der Ausgrabungsstätte des antiken Ostia. Es wurde uns dankenswerterweise vom Architekten und Bausachverständigen Klaus Roggel zur Verfügung gestellt. Auf seiner Website finden Sie weitere Informationen zu Wärmestrahlungsheizungen.

Temperierung der Raumhülle


Wandheizungen machen sich ein ganz einfaches Prinzip zunutze. Je höher die Temperatur der Wandoberfläche, desto geringer kann die Raumlufttemperatur sein, bei der wir uns noch wohl fühlen. Hat die Wandoberfläche beispielsweise eine Temperatur von 22°C, wird eine Raumlufttemperatur von 15°C noch als behaglich empfunden. Hingegen kann eine Lufttemperatur von 20°C als kalt empfunden werden, wenn die Temperatur der Wandoberfläche lediglich 14°C beträgt. Diese Phänomene sind auch der Grund, weshalb man bei einer "wandbeheizten" Wohnung mit einer Lufttemperatur von 18°C auskommt, wo bei einer herkömmlichen Heizung 21°C nötig wären. Wandheizungen produzieren Strahlungswärme, die Raumluft wird kaum oder nur sekundär als Energieträger benutzt. Dies hat auch den Vorteil, daß nach dem Lüften weniger Energie nötig ist, um wieder den ursprünglichen Zustand herzustellen. So wie auch generell weniger Energie verbraucht wird, da die Lufttemperatur wie gesagt um einiges niedriger sein kann, als beim herkömmlichen Heizen. Last but not least nutzen Wandheizungen auch das Speichervermögen von Baumaterialien hervorragend aus. Schwere, dicke Konstruktionen aus Vollholz oder Ziegel haben daher Vorteile gegenüber dünnen, stark gedämmten Konstruktionen, da diese die Wärme nicht so gut halten können.

So funktioniert eine Wandheizung


Einfach gesagt, funktionieren Wandheizungen wie ein überdimensionaler Kachelofen. Durch ihre Größe haben Wandheizungen jedoch den Vorteil, daß sie mit einer wesentlich geringeren Vorlauftemperatur auskommen. Aus dem vorigen Kapitel stammt zudem die Erkenntnis: Strahlungswärme statt Warmluftströmung. Ein weiterer Vorteil von Wandheizungen ist, daß sie auch bei feuchten Wänden helfen und dadurch Schimmelbildung vermieden wird. Das hilftein Problem zu lösen, das durch luftdichte Gebäudehüllen überhaupt erst entstanden ist. Früher kannte man Schimmelbildung an Wänden so gut wie gar nicht. Experten für Wandheizungen setzen Wandheizungen sogar speziell zur Trockenlegung von feuchten Wänden ein. Lesen Sie hier, wie das funktioniert.
 
wandh2.jpg Wandheizungen eignen sich für jede Art von Wandaufbau, für massive Wände aus Ziegelsteinen genauso wie für die Holzständerwerke von Fertighäusern. Sie lassen sich beim Neubau einbauen, aber auch nachträglich bei einem Altbau. Dafür stehen verschiedene Varianten zur Verfügung wie beispielsweise eine Wandheizung für den Trockenbau und Nassputz, Heizleisten oder eine Hypokaustenheizung. Zudem kann die Wandheizung als Warmwasser-Wandheizung mit Heizrohren aus Kunststoff oder Kupfer und als elektrische Wandheizung mit elektrischen Heizleisten oder Flächenheizelementen betrieben werden. Die meisten Systeme können flexibel an bauliche Gegebenheiten angepasst werden und lassen sich auch mit einer Fußbodenheizung kombinieren.
 
wandh3.jpgWandflächenheizungen dürfen jedoch nicht mit schweren Möbelstücken, wie zum Beispiel Schränken, zugestellt werden. Beim Einbau der Heizung muss daher schon der Einrichtungsplan festgelegt sein. Späteres Möbelrücken ist in diesem Falle nicht empfehlenswert, da sonst die Heizleistung reduziert wird. Die Wand kann in der Regel mit den gleichen Putzen verputzt werden wie eine Wand, in der keine Heizung verlegt ist. Der Putz kann wahlweise mit den Bindemitteln Gips, Kalk, Zement oder sogar Lehm hergestellt werden. Als Wandbekleidung sind Gipskarton-, Holz-, Kunststoff-, Keramik- oder Metallplatten möglich.

Besonders für den nachträglichen Einbau in Altbauten sind die Sockelheizleisten geeignet. Mit Heizleisten werden nicht ganze Wandflächen erwärmt, sondern nur der Bereich entlang des Sockels. Die in der Heizleiste erwärmte Luft steigt als Luftschleier auf, legt sich an die Wand und erhöht deren Oberflächentemperatur. Dadurch strahlt die Wand ihrerseits zurück und die Wirkungsweise ist die Gleiche, wie bei den anderen Wandheizsystemen. Sockelheizleisten gibt es in vielen verschiedenen Ausführungsvarianten von "unauffällig" bis zum optischen Akzent aus Kupfer und Plexiglas.

Ideal für den Neubau ist die Hypokaustenheizung. Dies ist das Prinzip der aufsteigenden Warmluft in der Wand, wie es die alten Römer bereits gekannt haben. Früher mußten Sklaven im Untergeschoss ein Feuer im Gang halten, damit es die Herrschaften eine Etage höher angenehm warm hatten. Heute werden die Sklaven und das Feuer durch ein warmwasserbeheiztes Heizrohr ersetzt. Bei Beheizung wird die Luft im Bereich des Rohres erwärmt und steigt innerhalb der Installationsebene nach oben. Hierdurch erwärmt sich die Wandoberfläche. Nach Abkühlung sinkt die Luft wieder nach unten und der Vorgang wiederholt sich. Auch bei Hypokaustenheizungen gibt es mehrere Varianten für den Holzständerbau oder mit Kalksand-Luftkanalsteinen. Selbst Varianten für den nachträglichen Einbau mit einem Wandvorbau sind möglich.