Wandaufbau: Das steckt in einer Hauswand

Wenn Kinder ein Haus zeichnen, besteht dieses in der Regel aus einem Rechteckt mit einem Dreieck. An diesem einfachen Prinzip wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Jenseits des Zeichenpapiers ist ein Haus natürlich deutlich komplexer aufgebaut. Nur sieht man eben nicht, was sich hinter der Fassade abspielt. Doch wie ist eine Wand eigentlich aufgebaut? Was steckt hinter der Farbe und dem Putz? Außenwände von Häusern lassen sich grob in zwei Gruppen teilen: einschalige und zweischalige Außenwände. Beide Bauweisen müssen viele Funktionen erfüllen. Ihre primäre Aufgabe ist natürlich, dem Haus Stabilität zu geben, darüber hinaus sollen sie die Wärme im Haus halten, Sonnenenergie nach innen abgeben, Feuchtigkeit im Inneren regulieren, wind- und luftdicht sein, Schall dämmen, Belichtung und Lüftung gewährleisten und einem Feuer sollen sie auch widerstehen. Belichtung und Lüftung erfolgt bei Wohnhäusern in aller Regel durch die Fenster. Insofern ist das Mauerwerk nicht betroffen. Bei den weiteren Aufgaben kommt Ingenieurswissen und, man kann fast sagen, über Jahrtausende gesammeltes Know-How zusammen.

fassadenreihe.jpgBei einschaligen Außenwänden wird die Dämmung auf dem tragenden Mauerwerk befestigt und dieses in der Regel verputzt. Zweischalige Wände bestehen aus einer tragende Innenschale, die Last des Hauses in den Grund ableiten. Auf diesen ist die Dämmung angebracht. Zwischen dieser Innenschicht und der zweiten Schicht, der Verblendschale, befindet sich häufig eine dünne Luftschicht. In die Verblendschale, die von Glas über Holz bis Klinker aus ganz unterschiedlichen Materialen bestehen kann, sind am Fundament und zum Dachanschluss hin Belüftungsöffnungen angebracht. Die Luft zirkuliert hinter der Verblendschicht und transportiert Feuchtigkeit ab, die sowohl durch Schlagregen als auch durch Kondensation entstehen kann. Dieses Modell ist gemeint, wenn man von einer „hinterlüfteten Fassade“ spricht. So kann keine Feuchtigkeit, beispielsweise durch Schlagregen in das Mauerwerk eindringen. Auch Vorhangfassaden sind hinterlüftet. Befindet sich keine Luftschicht zwischen Dämmung und Verblendschale, spricht man einer zweischaligen Wand mit Kerndämmung. Zum Schutz vor eindringender Feuchtigkeit muss die Verblendschicht dann mindestens 11,5 cm dick sein und aus einem frostbeständigen Material bestehen.

Stein auf Stein: das Mauerwerk

fassadendaemmung_neubau.jpg Das Mauerwerk ist das Kernelement der Wand. Soweit keine Fertigbauteile aus Holzständerwerk oder Beton verwendet wurden, sind die Wände aus Steinen als Verbundmauerwerk gebaut. 85 Prozent aller Wohnhäuser werden so gebaut. Allerdings unterscheiden sich die Mauerwerke doch erheblich. Je nachdem, welcher Stein verwendet wird, hat das Einfluss auf die Schall- und Wärmedämm­eigenschaften und den Wohnkomfort.

Am häufigsten wird Kalksandstein verwendet. Der relativ schwere Stein ist sehr druckfest und bietet sehr gute Schall- und Brandschutzeigenschaften, weshalb er gerade für Mehrfamilienhäuser und bei Bauten in Straßennähe gerne gewählt wird. Auch für Verblendmauerwerk bei zweischaligen Außenwänden kommt er häufig zum Einsatz. Der Stein selbst hat eine vergleichsweise hohe Wärmeleitfähigkeit, weshalb zusätzliche Wärmedämmung zwingend notwendig ist.

Steine aus Porenbeton sind sehr leicht. Durch die zahlreichen kleinen Poren hat der Stein eine sehr hohe Dämmwirkung. Weitere Wärmedämmung ist häufig nicht nötig, jedoch schirmt Porenbeton Schall nicht so gut ab, weshalb es bei der Außendämmung besonders auf die schallisolierende Wirkung ankommt. Auch vor Wettereinflüssen muss der Stein geschützt werden. Die feinen Poren können wie ein Schwamm wirken und ziehen Feuchtigkeit geradezu an.

fassaden_rohbau.jpg Ziegelsteine sind seit Jahrtausenden im Einsatz. Schon die alten Römer setzten Lochziegel aus gebranntem Ton und Lehm ein. Während die Römer die Löcher noch nutzen, um durch sie warme Luft in beheizten Räumen zu leiten, weiß man heute vor allem die mit den Löchern zusammenhängende Gewichtsreduzierung und guten Schall- und Wärmedämmeigenschaften zu schätzen. Auch wirken Ziegel feuchtigkeitsregulierend, was wiederum den Wohnkomfort erhöht. Die Bruchgefahr bei Ziegeln ist allerdings sehr hoch, weshalb man nur vorsichtig Bohren sollte und spezielle Dübel verwenden muss.

Leichtbausteine gewinnen aufgrund ihrer sehr guten Schall- und Wärmedämmeigenschaften zunehmend an Bedeutung. Sie sind jedoch sehr witterungsanfällig, weshalb sie besonders gut vor Frost und Schlagregen geschützt werden müssen. Das richtige Mauerwerk gibt es letztendlich nicht. Welcher Stein geeignet ist, hängt letzten Endes von Lage und Standort des Hauses ab. Je nachdem wie die Wahl ausfällt, hat das Einfluss auf die Dämmung und die Gestaltung der Fassade.

Die Dämmung — strittig, aber notwendig

fassadendaemmung_hoch.jpg Beim Thema Dämmung scheiden sich die Geister. Denn Sinn und Zweck stellt niemand infrage, allein die Methode gibt zu denken. Nachträgliche Außendämmung gerät immer stärker in die Kritik. Statt Außendämmung können auch Wärmedämmputze verwendet werden.

Weitaus häufiger trifft man jedoch auf einschalige Wände mit Wärmeverbundsystemen. Auf das Mauerwerk wird einen Schicht Klebemörtel gebracht und auf diese wiederum die Dämmschicht geklebt. In dem meisten Fällen besteht diese Dämmschicht aus Polystyrol- oder Mineralfaserplatten.

Bei zweischaliger Bauweise mit hinterlüfteter Fassade müssen in jedem Fall dampfdurchlässige Dämmstoffe verwendet werden, um Feuchtigkeit aus dem Inneren, die auch zwischen Dämmung und tragender Innenwand entsteht, abzutransportieren. Weitaus seltener, da mit Problemen behaftet, ist Innendämmung. Auf sie greift man zurück, wenn eine Fassade, weil sie beispielsweise unter Denkmalschutz steht, keine Dämmung von außen zulässt.

So sieht‘s aus: Der Putz gibt dem Haus ein Gesicht

Auch wenn Putz bei weitem nicht die einzige Möglichkeit ist, eine Fassade zu gestalten, so ist es doch die, die man bei Wohnhäusern am häufigsten findet.

Über verschiedene sogenannte Zuschläge werden die Eigenschaften des Putzes entscheidend beeinflusst. So lässt sich durch die Zuschläge steuern, wie gut die Wärmedämmeigenschaften eines Putzes sind oder wie gut er mit den jeweiligen Witterungsbedingungen zurechtkommt. Entscheidend ist aber, dass der Putz auf den jeweiligen Untergrund abgestimmt ist und mit diesem harmoniert. Außenputz besteht in der Regel aus mehreren Schichten. Zunächst wird ein Unterputz angebracht. Fassaden werden in der Regel „nass in nass“ verputzt. Das heißt, dass zuerst eine etwa zehn Millimeter dicke Putzschicht aufgebracht wird, die 10 bis 20 Minuten antrocknet, bevor dann einen weitere Schicht von etwa fünf bis zehn Millimeter Stärke hinzukommt. So ist gewährleistet, dass der Unterputz sowohl Halt am Untergrund findet und zudem eine ebene Oberfläche entsteht.

fassaden_putzschaden.jpg Bei Mischuntergrund oder Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk besteht die Gefahr, dass Spannungen entstehen. Damit nicht schon nach kurzer Zeit Putzrissen entstehen, sollte unbedingt eine Schicht mit Armierungsputz aufgetragen werden, bevor die Fassade mit dem Oberputz ihr endgültiges Aussehen erhält. In den Armierungsputz wird einen spezielle Gewebeplane eingebracht, auf die die entstehenden Zugkräfte übertragen werden. Der Oberputz wird so vom Untergrund entkoppelt. Der Oberputz ist schließlich das, was Kinder zu Papier bringen, wenn sie ein Haus malen. Es kann sich dabei um grobkörnen Rauputz, Stuck oder fein geglätteten Putz handeln.

Als oberste Schicht kommt häufig noch Farbe an die Wand. Doch gibt es auch bereits eingefärbten Putz, der deutlich länger haltbar ist als Farbe, die nach einigen Jahr unter dem Einfluss von Wind und Wetter zwangsläufig abblättert.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de