Wärmeisolierung von denkmalgeschützten Gebäuden

waermeisolierung_1.jpg In Deutschland stehen zahlreiche Gebäude, die zu einer Zeit gebaut wurden, als die Ausdrücke „Energieeffizienz“ oder „energetische Sanierung“ weder zum aktiven Wortschatz gehörten oder überhaupt erfunden waren. Die Effizienz der Wohnbebauung richtete sich entweder nach der Anzahl der untergebrachten Personen oder der Repräsentanz der Fassade. Während viele Mietkasernen, die im Zuge der Industrialisierung in Deutschland entstanden, den Bombardements im zweiten Weltkrieg oder später der Abrissbirne zum Opfer fielen, findet man von den so genannten Patrizierhäusern noch zahlreiche in deutschen Großstädten. Diese Gründerzeithäuser mit ihren hohen Decken und aufwändigen Stuckfassaden sind auch heute noch beliebte Wohngebäude und werden stark nachgefragt. Die Eigentümer dieser Immobilien stehen aber zunehmend vor einem Dilemma.

Im Zuge der Energieeinsparverordnung und — damit zusammenhängend — der verpflichtenden Einführung von Energieausweisen, stellt sich den Hausbesitzern weniger die Frage nach dem „Ob“ einer energetischen Sanierung, sondern nach dem „Wie“.

Dämmung der Außenwände

waermeisolierung_2.jpgProblematisch ist vor allem die Dämmung. Eine Außendämmung kommt aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Zum einen stehen zahlreiche dieser Häuser unter Denkmalschutz und dürfen deswegen baulich nicht verändert werden. Die Fassaden sind zudem häufig für das Straßenbild prägend, weshalb auch in diesem Fall eine Außendämmung nicht infrage kommt. Von diesen rechtlichen Gesichtspunkten mal abgesehen, wollen viele Besitzer aus gutem Grund ihre schmucken Fassaden nicht mit Dämmplatten verkleiden. Das ist technisch nahezu unmöglich, wenn man die aufwändige Gestaltung nicht gefährden will. Auch ist die Wirtschaftlichkeit von Fassadendämmung umstritten. Eine neue Heizungsanlage ist schön und gut — und in vielen Fällen auch notwendig. Doch was hilft die modernste Heizungsanlage, wenn die Wärme innerhalb kürzester Zeit nach draußen zieht?

Ganz Ohne Dämmung geht es nicht.

waermeisolierung_3.jpgEs bleibt also nur, das Gebäude von innen zu dämmen. Die Dämmung des Dachbodens ist eine lohnenswerte Maßnahme. Die hohen Räume in den Gründerzeithäusern bewirken aber auch, dass die Räume entsprechend große Wandflächen haben, über die ebenfalls viel Energie nach draußen dringt. Diese Wände von innen zu dämmen, hat gewisse Vorteile gegenüber der sonst gängigen Dämmung von außen. Zum einen wird so das offensichtlichste aller Probleme umgangen: Der Ärger mit der Denkmalschutzbehörde. Unter Denkmalschutz stehende Fassaden bleiben so unangetastet. Zu anderen ist man unabhängig von den Jahreszeiten. Die Arbeiten lassen sich wie eine Renovierung ganzjährig ausführen und man spart sich den teuren Aufbau eines Gerüstes.

Trotzdem ist die Innendämmung nur die zweitbeste Lösung, weshalb man auf diese Variante nur zurückgreift, wenn die Fassade besonders erhaltenswert ist oder der Dachüberstand eine Außendämmung nicht zulässt. Denn — und das ist bei dem alten Gemäuer häufig ein Problem — die Wände müssen absolut trocken sein. Sind sie es nicht, besteht die Gefahr, dass sich zwischen Gemäuer und Dämmung Schwitzwasser und schließlich auch unbemerkt Schimmel bildet. Entweder lässt man eine Dampfsperre fachgerecht einbauen oder greift auf diffusionsoffene Dämmstoffe zurück. Diese Dämmstoffe speichern und regulieren die Feuchtigkeit.

Natürlich ist die Planung und Ausführung deutlich komplizierter. An Außenfassaden lässt sich die Fläche relativ schnell abdecken. Im Inneren machen zahlreiche Ecken und Winkel das Vorhaben kompliziert. Schon wenige Zentimeter Dämmung können bewirken, dass sich Fenster nach innen nicht mehr öffnen lassen. Dass wissen die Planer natürlich, weshalb sie entsprechend optimierte Lösungen anbieten. So lassen sich auch viele bisher unentdeckte Zugluftquellen schließen.

Innendämmung geht auf Kosten des Wohnraums

Dass Eigentümer nach einer energetischen Sanierung eine höhere Miete verlangen ist ärgerlich, aber nachvollziehbar. Einen Teil der Kosten sparen Mieter bei den Nebenkosten wieder ein. Ein Nachteil der Innendämmung ist, dass sie auf Kosten des Wohnraums geht. Weniger Quadratmeter in der Wohnung bedeuten auch eine geringere Miete. Jedoch kann man bekanntlich nur einen Tod sterben, so dass sich die Vor- und Nachteile für Mieter und Vermieter etwa in der Waage halten.

Sanierungsmaßnahmen werden öffentlich gefördert

waermeisolierung_4.jpgBei den häufig sehr aufwändigen Sanierungsmaßnahmen werden Eigentümer von Altbauten aber nicht alleine gelassen. Da die vom Gesetzgeber geforderte energetische Sanierung nicht mit den ebenfalls vom Gesetzgeber aufgestellten Denkmalschutzrichtlinien vereinbar ist, gibt es spezielle Förderprogramme, die auch die Sanierung von Altbauten und denkmalgeschützten Gebäuden zumindest finanziell erleichtert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW gewährt den Eigentümern einen erleichterten Zugang zu Fördermitteln. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt bietet einen kostenlosen Energiecheck für Altbauten an.

Gehört mein Haus zur „besonders erhaltenswerten Bausubstanz“?

waermeisolierung_5.jpgEigentümer und Bewohner von denkmalgeschützten Gebäuden wissen meist, dass ihre Immobilie diesen Status hat. In einigen Bundesländern weist zudem eine Plakette an der Fassade auf den Denkmalschutz hin. Im Zweifel gegeben die Unteren Denkmalbehörden Auskunft.

Mittlerweile können auch Häuser aus den 1950er oder 1960er Jahren unter Denkmalschutz stehen, wenn sie ein besonders anschauliches Beispiel der zeitgenössischen Architektur sind. Hier wäre eine Dämmung der Fassade möglich, da kein Stuck, oder sonstige Verzierungen vorhanden sind.

Ob das Haus eine „besonders erhaltenswerte Bausubstanz“ aufweist, ist hingegen nicht immer leicht ersichtlich. Der Begriff ist rechtlich unbestimmt und ob ein Haus dazu gehört, erschließt sich entweder aus der Geschichte oder der Nachbarschaft. Die Kommune kann einzelne Gebiete, Viertel oder Ensemble als besonders erhaltenswert einstufen. Auch kommunale Satzungen, wie Gestaltungssatzungen oder Altstadtsatzungen — die Namen variieren von Ort zu Ort — können eine entsprechende Schutzwirkung entfalten.

Foto: www.fotoatelier-schumacher.de