Wärmedämmwirkung verschiedener Baumaterialien

Spätestens seit Einführung der Energieeinsparverordnung (EnEV) werden an die Wärmedämmung des Gebäudes erhöhte Forderungen gestellt. Der Primärenergieverbrauch darf im Jahr einen bestimmten Betrag nicht übersteigen. Ob das durch eine effizientere Heizungsanlage, den Einbau neuer Fenster, eine bessere Dachdämmung oder eine bessere Dämmung der Außenwände erreicht wird, ist zunächst einmal egal. Entscheidend ist das Zusammenspiel aller Faktoren. Ein wichtiger Kennwert zur Beurteilung der Wärmedämmfähigkeit eines Baustoffes ist der sogenannte U-Wert. Dieser gibt an, wieviel Wärme pro Stunde durch einen Quadratmeter Wandfläche entweicht. Je größer er ist, um so mehr Energie geht durch das Bauteil verloren. Ein guter U-Wert für Außenwände liegt unter 0,25 W/(m²K), ein Passivhaus besitzt sogar einen U-Wert zwischen 0,10 W/(m²K) und 0,15 W/(m²K). 

Der U-Wert allein sollte jedoch nicht die Wahl des richtigen Baustoffes bestimmen. So ist es zum Beispiel wenig sinnvoll, KS-Steine hunderte von Kilometern durch die Gegend zu karren, wenn es ganz in der Nähe ein Ziegelwerk gibt. Darüber hinaus sollte man sich überlegen, dass es Baustoffe gibt, die Wärme besser speichern können als andere. Schwere Baustoffe wie Beton oder Vollklinker besitzen zwar einen schlechten U-Wert, doch dafür speichern sie Wärme ganz gut. Die Speicherfähigkeit ist aber für das Raumklima wichtig, da sie Temperaturspitzen ausgleichen kann und damit zu hohe Temperaturschwankungen vermeiden hilft (Stichwort "Barackenklima"). In der Energieeinsparverordnung wird die Wärmespeicherfähigkeit von Baustoffen jedoch wenig beachtet, die Wärmedämmfähigkeit steht im Vordergrund. Wir haben die Dämmwirkung von Wänden daher für Sie in einer Tabelle zusammengefasst. 

Viele Baustoffe sind in unterschiedlichen Rohdichten mit unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit erhältlich, wir haben daher die maximalen und minimalen U-Werte berechnet. Als Wanddicke haben wir 30 cm angenommen. Wie leicht ersichtlich ist, wird in den meisten Fällen zusätzlich noch eine Wärmedämmung benötigt, um auf einen U-Wert von 0,25 W/(m²K) oder besser zu kommen. Wobei es mittlerweile auch spezielle Dämmziegel gibt, die ohne zusätzliche Wärmedämmung auskommen. Der Ultra-Dämmziegel SX-Plus vom Ziegelwerk Bellenberg besitzt zum Beispiel eine Wärmeleitfähigkeit von 0,09 W/mK und ist laut DIN als Dämmstoff einzuordnen. Bei einer 30 cm dicken Wand kommt man mit dem SX-Plus auf einen U-Wert von 0,285 W/(m²K), bei einer 36,5 cm dicken Wand sogar auf einen U-Wert von 0,237 W/(m²K). Ausschlaggebend für die hohe Dämmung ist das ausgefeilte Lochbild: 220 luftgefüllte Wärmekammern pro Ziegel. 

Der U-Wert ist bei allen Herstellern von Bausteinen, Putzen und Dämmstoffen und bei allen, die ein Massiv- oder Fertighaus herstellen, ein Verkaufsargument. Jedoch wird der U-Wert gerne hochgerechnet. Angezeigt wird nicht - wie in unserer Tabelle - der "nackte" U-Wert des Baumaterials, sondern der U-Wert einer Kombination aus Stein, Dämmung und/oder Putz, so dass sich auch bei Wänden aus einem Baumaterial mit relativ hohem U-Wert sehr niedrige (also günstige) U-Werte ergeben können, wenn die gemauerte Wand z.B. mit Dämmlagen, Holzwerkstoff- oder Gipsfaserplatten, einer Hinterlüftung oder einem Wärmedämmputz kombiniert wird. 

Fertighäuser erreichen ihre teilweise enorm günstigen U-Werte aus der Kombination einer Holzrahmenkonstruktion mit Dämmlagen, die in die Konstruktion eingebracht worden sind und Beplankungen, die beidseitig auf die Rahmenkonstruktion aufgeschraubt sowie Putzen, Paneelen oder Verblendern, die auf die Fassade aufgebracht worden sind. 

Dies alles muss man berücksichtigen, um nicht zu voreiligen Fehlinterpretationen zu kommen.

Baustoff Wärmeleitfähigkeit [W/mK] Min. Max. U-Wert [W/(m²K)] bei Mauerdicke von 30 cm Min. Max.
Normalbeton 2,1 3,2
Mauerwerk einschl. Mörtelfuge
Vollklinker 0,81 1,85
Hochklinker 1,20 2,40
Vollziegel 0,50 1,30
Hochlochziegel 0,96 2,07
Leichthochlochziegel 0,30
0,45
0,85
1,20
KS-Steine 0,50
1,30
1,30
2,50
Porenbeton 0,09 0,29
Plansteine 0,21 0,63
Blähton 0,22
0,34
0,65
0,95
Naturbims 0,20
0,31
0,60
0,88
Holz
Fichte, Kiefer, Tanne 0,13 0,40
Buche, Eiche 0,20 0,60
Holzspandämmstein inkl. Styroporeinsatz 0,08 0,28

Um einmal zu verdeutlichen, wie dick eine Wärmedämmung bei einem Baustoff sein muss, um einen vernünftigen U-Wert zu bekommen, folgendes Beispiel. 

Ein 30 cm dickes Mauerwerk aus KS-Steinen besitzt einen U-Wert von 1,3 W/(m²/K). Wird das Mauerwerk noch zusätzlich mit einem 10 cm dicken Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 (Wärmeleitfähigkeit 0,04 W/mK) gedämmt, sinkt der U-Wert auf 0,29 W/(m²/K), also einen schon relativ guten Wert.