Wachsendes Interesse an temporären Bauten in Holzbauweise

weberhaus-holzbau.jpg Als Single ein eigenes kleines Haus, das sich später flexibel für ein Leben zu zweit oder gar zu dritt erweitern lässt. Und dies mit geringem Aufwand. Bei Häusern in Holzbauweise ist dies längst Realität. Sie lassen sich je nach Lebenssituation beliebig umbauen, erweitern oder verkleinern. Der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Mobilität und Flexibilität verändert auch die traditionellen Baukonzepte. Bauen für Lebensabschnitte statt für die Ewigkeit ist die Herausforderung an moderne Architekturen - nicht nur für große Sportereignisse wie die Fußballweltmeisterschaft oder die Olympischen Spiele, sondern auch beim Haus- und Wohnungsbau.

Das Interesse und der Bedarf an kleinen Gebäuden und Häusern aus Modulen, die miteinander verbunden werden können und gleichermaßen auch wieder "trennungsfähig" sind, wächst. Sie bestehen aus kostengünstigen Modultypen, die einzeln eingesetzt und so ideal auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten werden können. In Karlsruhe wurden beispielsweise auf einem ehemaligen Gelände der US-Armee statt herkömmlicher Reihenhäuser 13 Einfamilienhäuser in Holzbauweise gebaut. Die so genannten Würfelhäuser sind von außen alle gleich. Aber die Raumaufteilung im Innern wurde von jedem Bauherrn nach seinen persönlichen Vorstellungen geplant. Da nur die Außenwände und eine Mittelwand tragend ausgebildet sind, konnten die Grundrisse flexibel gestaltet werden. "Dies ist nur mit dem Baustoff Holz möglich. Der Holzbau ist wegen seiner kostengünstigen Veränderbarkeit ideal für wandelbare Gebäude", so Dipl.-Ing. Architekt Ludger Dederich, Leiter der Holzbaufachberatung beim Holzabsatzfonds. Hinzu kommt, dass bei Holzhäusern die Wärmedämmung in die Wände integriert ist. Dadurch sind die Wände dünner als herkömmliches Mauerwerk, was zu einem relativ großen Wohnflächenzugewinn führt. Ludger Dederich: "Dieses Plus an Wohnfläche gewinnt bei Kleinbauten überproportional an Bedeutung."

Schnelle Montage und hohe Flexibilität für jede Nutzungsart

Ob Wohnraum, Bürogebäude, Kindergarten, Sport- und Mehrzweckhalle oder Ausstellungsraum - neuer Raumbedarf muss in Zeiten zunehmender Mobilität und Flexibilität schnell und variabel verfügbar sein. In Fürth musste beispielsweise für einen bestimmten Zeitraum ein bestehender Kindergarten um eine zusätzliche Gruppe erweitert werden. An einer anderen Stelle in Fürth sollte zu einem späteren Zeitpunkt ein dreigruppiger Kindergarten neu entstehen. Die Architekten entwickelten ein versetzbares und erweiterbares Gebäude, das für beide Aufgabenstellungen verwendet werden kann. Es besteht aus modularen Raumzellen in Holzbauweise. Durch den hohen Vorfertigungsgrad im Werk, unter anderem von Wänden und Decke, konnte die Bauzeit auf zwei Monate reduziert werden. Vom Aufstellen des Gebäudes bis zur schlüsselfertigen Übergabe vergingen nur zwei Wochen. Aus konstruktiver und bauphysikalischer Sicht steht es Gebäuden in konventioneller Bauweise in nichts nach. Wird es am ersten Standort für die zusätzliche Kindergartengruppe nicht mehr benötigt, kann es binnen kurzer Zeit und für ca. 15 Prozent der Entstehungskosten versetzt werden.

Der Vorteil der temporären Holzbauweise liegt in ihrem geringen Aufwand, ihrer schnellen Montage und hohen Flexibilität, die das Gebäude bei Bedarf auch wieder verschwinden lässt. "Als kontrollierte Zwischennutzung können temporäre Bauten daher auch in der Stadtentwicklung eine wichtige Anschubfunktion übernehmen. Sie können helfen, neue Nutzungsmöglichkeiten zu erkunden, ohne große Investitionen vornehmen zu müssen", so Ludger Dederich.