Vordächer als Stiefkinder in der modernen Architektur

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Zwei höchst ärgerliche Situationen gibt es im Bereich des Bauens von Mietshäusern oder Eigenheimen. Einmal sind Balkone falsch positioniert oder zu klein oder zu hässlich. Zum anderen stehen sehr häufig die Besucher im Regen, wenn sie vor einer Hauseingangstür stehen und ein schützendes Vordach fehlt oder nur als schmales Beton»plättchen« vorhanden ist, das eine Fassade eher abwertet als aufwertet. Da hat dann gerade mal eine Person drunter Platz und wird trotzdem nass, denn der Wind oder gar Sturm bläst den Regen seitlich auf die Besucher.

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Mit dem Bau und den Formen von Dächern kennen sich die Bauingenieure und Architekten und natürlich die Zimmerleute aus. Aber das Planen eines Vordachs ist auf den Hochschulen für Bauwesen offenbar ein Stiefkind, mit dem sich ein Professor schon mal gar nicht beschäftigt. Dabei ist es kein Problem, die Hauseingangstür um 50 oder 60 cm in den Baukörper zurück­zulegen und dann zusätzlich noch ein Vordach einzuplanen. Oder das Dach ragt weitere 50 oder 60 cm über die Fassade hinaus und Besucher stehen dann relativ regen- und windgeschützt vor der Tür, siehe Foto oben.

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Kein Wunder, dass die Hausbesitzer zur Selbsthilfe greifen. Was dabei herauskommt, ist wenig attraktiv und passt meistens nicht zum Baukörper (Foto 3). Beim Beispiel Foto 4 sieht das Ganze zwar schon besser aus, warum aber das Vordach mit Schiefer ummantelt ist, während auf dem Dach normale Dachziegel liegen, mag der liebe Himmel wissen.

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Es geht auch anders. Sehr gekonnt hat der Architekt dieses komfortablen Hauses (5) geplant, als er das Dach in Form eines kurzen Schleppdachs über den Hauseingang gezogen hat. Gründlich misslungen ist der vorgesetzte Giebel in Fachwerkmanier. Die Besucher sind zwar regengeschützt, aber das „Bauwerk“ (6) passt nicht in dieses Reihenhaus-Ensemble.

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Die Patrizierhäuser, die sich in vielen historischen Straßenzügen aneinander reihen, haben fast ausnahmslos einen in den Baukörper zurückgebauten Eingangsbereich. Die Architekten zwischen 1880 und 1914 wussten also, dass man Besucher nicht so lange im Regen stehen lassen sollte, bis das Dienstmädchen aus der Küche im Hochparterre herbeigeeilt ist. Die Industrie der Jetztzeit hat das Problem erkannt und liefert Vordächer — vor allen Dingen solche aus Glas und Edelstahl oder Aluminium. Das Material Glas hat den Vorzug, dass es die Optik eines Hauses kaum beeinträchtigt. Auch dann nicht, wenn einseitig (7) oder beidseitig ein gläserner Windschutz angebaut worden ist. Im letzteren Fall (8) haben die Besucher die relative Sicherheit, vom Regen wenig abzubekommen.

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Letztendlich kann man ein Haus aus den 50-er oder 60-er Jahren auch aufwerten, wenn man großzügig an das Regenproblem herangeht. Hier hat sich der Hausbesitzer ein Vordach bauen lassen, das aufgrund seiner Größe abgestützt werden musste. Dafür wurde das Küchenfenster gleich mit überdacht und links vom Eingang auch noch ein überdachtes Plätzchen für die Mülleimer gefunden. So werden weder die Besucher nass noch die Hausbewohner, wenn sie den häuslichen Abfall entsorgen.

Mieter sollten darauf dringen, dass die Eingangs­tür eines Mietshauses großzügig überdacht wird. Die Miteigentümer eines Hauses mit Eigentums­wohnungen werden sicherlich das Problem durch Beschluss einer Eigentümerversammlung lösen können. Den Besitzern eines Eigenheims, bei dem noch nicht über der Haustür überdacht ist, hoffen wir mit dem Beitrag einige Anregungen gegeben zu haben.

Foto(s): www.megaglas.de (2) sowie www.fotoatelier-schumacher.de (6)