Unterschiedliche Dämmstoffe — wie sind sie einzuordnen?

waermebild.jpgDämmung gibt es seit die Menschen Häuser bauen. Denn bei einem Haus ging es nicht nur um das sprichwörtliche Dach über den Kopf, sondern vor allem um einen Ort, um sich wohl zu fühlen. Dämmung funktioniert dabei in zwei Richtungen: zum einen natürlich, um die Wärme im Haus zu halten, zum anderen, um Hitze nicht ins Haus kommen zu lassen. In Mittel- und Nordeuropa ist besonders der erste Aspekt von hoher Relevanz. Doch nie stand die Dämmung aber so im Fokus der Aufmerksamkeit, wie sie es heute tut. Die Politik macht mit der Energieeinsparverordnung und ihren Novellen für Neubauten und Bestandsimmobilien immer schärfere Vorschriften.

Erschwerend hinzukommt, dass der Mensch sich in einem ziemlich schmalen Korridor aus relativer Luftfeuchte und Temperatur wirklich wohlfühlt. Die Temperatur darf nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein. Gleichzeig muss die Temperatur mit der Luftfeuchtigkeit harmonieren. Feuchte Luft kühlt schneller aus, und zu trockene Luft führt zu Atembeschwerden. Gleichzeitig wird tropisch-schwüle Luft als unangenehm empfunden.

Zusammenspiel von Dämmung, Heizung und Belüftung

holzwolledammung.jpgUm das ideale Wohnklima zu finden, müssen Dämmung und Heizung ideal aufeinander abgestimmt sein. Die Temperatur sollte konstant bleiben, verbrauchte Luft und Feuchtigkeit müssen abgeführt werden, während unsere Häuser immer besser isoliert sind. Nachträgliche Fassadendämmung ist heute nahezu Standard. Doch gerade Wärmeverbundsysteme aus Polystyrol sind nicht unumstritten.

Dabei gibt es sowohl für den Neubau und als auch zum Nachrüsten bei Bestandsbauten Alternativen. Schon unseren urzeitlichen Vorfahren griffen zu Stroh, Wolle, Holz und Gräsern, um das Zuhause vor Wind, Feuchtigkeit und Regen zu schützen. Und gerade diese alten Dämmstoffe weisen ausgezeichnete Wärmedämmwerte auf und helfen zudem die Luftfeuchtigkeit im Inneren zu regulieren. Viele Fertighaushersteller setzen schon lange auf darauf und erreichen so standardmäßig Dämmwerte, die denen eines Niedrigenergiehauses entsprechen.

Bei herkömmlichen Massivbauten spielt bei der Entscheidung für alternative Dämmstoffe eine gewisse Portion Idealismus häufig die entscheidende Rolle. Aber auch, welche Möglichkeiten ein Bebauungsplan zulässt und ob man gegebenenfalls Abstriche bei der Wohnfläche in Kauf nimmt. Denn um auf einen vergleichbaren Dämmwert zu kommen, kann die Dicke von Dämmmaterialien ganz unterschiedlich ausfallen. Ebenso die Art der Verbauung. Dämmstoffe können Platten, Matten, Filze, Schütt- oder Einblasdämmung verbaut werden. Je nach Material und Dichte hat das Einfluss auf die Wärmeleit- und Schalldämmeigenschaften. Dämmstoffe aus Kokosfasern, Mineralwolle oder Cellulose eignen sich besonders zur Schalldämmung. Beides muss aber immer zusammen betrachtet werden, wenn man die Auswirkungen des Dämmstoffs auf die Wohnqualität bewertet.

Auf den Wärmedurchgangskoeffizienten kommt es an

zellulose.jpgDer Fokus liegt heute vor allem auf den Wärmedämmeigenschaften eines Dämmstoffes, denn gerade die Wohnbebauung ist ein entscheidender Faktor zur Erreichung der ehrgeizigen Klimaziele der Bundesregierung. Entscheidend und mit großem Einfluss auf die Energieklasse eines Hauses ist der U-Wert. Dieser Wärmedurchgangskoeffizient beschreibt die Wärmemenge (in kWh), die in einer Stunde transportiert wird, wenn zwischen Innen und Außen ein Temperaturunterschied von 10 Grad herrscht.

Natürlich spielt auch der gesamte Wandaufbau eine entscheidende Rolle. Eine 25 Zentimeter dicke Betonwand hat einen U-Wert von 3,3 während eine 24 Zentimeter dicke Wand aus Mauerziegeln U-Wert von etwa 1,5 aufweist. Wie diese Werte einzuordnen sind, haben wir in einem gesonderten Beitrag verständlich erörtert. Dämmstoffe sind in Wärmeleitgruppen eingeteilt. Je niedriger die Wärmeleitgruppe eines Dämmstoffes ist, desto besser sind seine Dämmeigenschaften.

Dämmung ist eine bauphysikalische Herausforderung

Die Dämmung stellt dabei hohe Anforderungen an die Bauphysik. Zum einen müssen die Gebäude so dicht sein, dass Wind nicht durch mögliche Fugen drückt und es im Inneren unangenehm zieht, zum anderen muss Luftfeuchtigkeit, die jeder Mensch zwangsläufig durch Kochen, Duschen und Körpertranspiration verursacht, ordentlich abtransportiert werden, damit sich nirgendwo Schwitzwasser bildet. Selbst bei Neubauten kann es sonst schnell zu Schimmelbildung kommen oder Bauteile wegfaulen. Naturdämmstoffe haben den Vorteil, dass sie kurzfristig Feuchtigkeit aufnehmen und abgeben können, ohne dass dies einen wesentlichen negativen Einfluss auf die Dämmwirkung hat. So lässt sich das Raumklima auf einem relativ konstanten Level halten. Dauerhaft hohe Feuchtigkeit ist aber auch hier schädlich. Die Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl (µ) gibt an, wie gut ein Dämmstoff mit Feuchtigkeit umgehen kann. Ein niedriger μ-Wert spricht dafür, dass Feuchtigkeit schnell abgeben wird.

Ob ein Dämmstoff auch ein guter Dämmstoff ist, hängt vom Einsatzort ebenso ab, wie von dem Zusammenspiel aus Wärmeleitfähigkeit (λ) in W/(m*K) der Rohdichte(ρ) in kg/m³ und spezifischen Wärmekapazität (c) in J/kg*K. Letztes gibt an, welche Energiemenge benötigt wird, um ein Kilogramm des Dämmstoffes zu erwärmen. Auch die Baustoffklasse ist höchst relevant, da diese angibt, wie leicht entflammbar ein Stoff ist. B1 steht für "schwer entflammbar", B2 steht für "normal entflammbar".

Diese Tabelle gibt einen Überblick:

Dämmstoff λ ρ μ c Baustoffklasse
Flachsmatten 0,036-0,040 30-60 1-2 1600 B2
Hanfmatten 0,040-0,050 30-42 1-2 1.600-1.700 B2
Hanf (lose) 0,048 40-80 1-2 1.600-2.200 B2
Hobelspäne 0,045 75 1-2 2.100 B2
Holzfaserdämmplatten 0,040-0,052 140-180 2-5; 2.100 B2
Holzfaserdämmplatten (flexibel) 0,040-0,052 40-55 2-5 2.100 B2
Holzfaser (lose) 0,040 30-40 1-2 2.100 B2
Holzwolleplatten, Holzwolle-Akustikplatten 0,090 330-500 2-5 2.100 B1
Korkschrot (expandiert) 0,050 160 1-5 1.800 B2
Korkplatte 0,040 100-220 5-15 1.800 B2
Schafwolle 0,0326-0,040 30-90 1-5 1.720 B2
Schilfrohr 0,055 190 6,5; k. A. B2
Baustrohballen 0,052-0,080 90-110 2 2.000 B2
Wiesengras 0,040 25-65 1-2 2.200 B2
Zelluloseflocken 0,040 30-55 1-2 2.100 B2
Zelluloseplatten 0,040 70 2-3 2.000 B2
Seegras 0,037-0,0428 70-130 1-2 k. A. B2
Konventionelle Dämmstoffe zum Vergleich
Polystyrol (exp.) 0,035-0,040 11-30 30-100 1.400 B1
Steinwolle 0,033-0,040 33-130 1 840-1.000 A1

Quelle: Fachagentur nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)

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