Unterschätzte Gefahr: Kohlenmonoxidvergiftung

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Tod durch Ersticken — diese Todesursache kommt in Deutschland häufiger vor, als man gemeinhin denkt. Todesursache ist seltener ein Totschlag oder eine verschluckte Fischgräte, als eine Kohlen­stoff­monoxid­vergiftung. Ab Herbst häufen sich derartige Meldungen in den Zeitungen und im Winter findet man nahezu wöchentlich weitere Berichte. Über 400 Menschen sterben allein in Deutschland jedes Jahr an Kohlenmonoxidvergiftung. Hinzu kommen etwa 3700 Verletzte durch Kohlenmonoxid. Die Quelle liegt häufigin den eigenen vier Wänden.

Die regelmäßigen Kontrollen der Gasheizung durch den Schornsteinfeger sind kein selbst aufgelegtes Beschäftigungsprogramm der Branche, sondern dienen der häuslichen Sicherheit. Der Schonsteinfeger misst dabei den Kohlen­monoxid­gehalt in den Abgasen und ob ausreichend Zuluft gewährleistet ist. Können die Abgase nicht abziehen, sammelt sich Kohlenmonoxid in der Wohnung oder im Keller an. Mangelt es an ausreichender Sauerstoffzufuhr, läuft die Verbrennung des Gases unvollständig ab. Statt Kohlendioxid wie bei einer sauberen Verbrennung kommt es zu einer vermehrten Kohlenmonoxidbildung. Chemisch bedeutet das, dass sich statt zwei Sauerstoffatomen nur eins an das Kohlenstoffatom anschließt.

Überprüfung und Messfristen von Gasfeuerungsanlagen

Betriebsweise Brennwertnutzung Besonderheit Kehr— und Überprüfungs-
ordnung
1. BImschV
Bis 12 Jahre alt 12 Jahre und älter
Raumluft-
abhängige Feuerstätte
ohne Brennwertnutzung - jährlich alle 3 Jahre alle 2 Jahre
selbstkalibrierende kontinuierliche Regelung des Verbrennungsprozesses jährlich alle 5 Jahre alle 5 Jahre
mit Brennwertnutzung Unterdruck-Gasanlagen jährlich - -
Überdruck-Gasanlagen alle 2 Jahre - -
Überdruck-Abgasanlage und selbstkalibrierende kontinuierliche Regelung des Verbrennungsprozesses alle 3 Jahre - -
Raumluft-
unabhängige Feuerstätte
ohne Brennwertnutzung - alle 2 Jahre alle 3 Jahre alle 2 Jahre
selbstkalibrierende kontinuierliche Regelung des Verbrennungsprozesses alle 3 Jahre alle 5 Jahre alle 5 Jahre
mit Brennwertnutzung - alle 2 Jahre - -
selbstkalibrierende kontinuierliche Regelung des Verbrennungsprozesses alle 3 Jahre - -

Kohlenmonoxid (CO) haftet sich stärker als Sauerstoff an die roten Blutkörperchen, weshalb eine solche Vergiftung auch über mehrere Stunden schleichend ablaufen kann. Normalerweise hat man eine Kohlenmonoxidkonzentration von etwa fünf Prozent im Blut (starke Raucher bis zu zehn Prozent). Atmet man stetig mehr Kohlenmonoxid ein, steigt der Anteil. Das Tückische ist, dass man Kohlenmonoxid, weder riechen, sehen noch schmecken kann. Die Konzentration wird in Partikeln pro Millionen Luftmolekülen (ppm) gemessen.

  • 35 ppm sind der Grenzwert für andauernde CO-Einwirkung über einen Zeitraum von 8 Stunden.
  • Ab einem Wert von 150 ppm über drei Stunden treten leichte Kopfschmerzen auf.
  • Ab 200 ppm treten nach zwei Stunden Ermüdungserscheinungen auf und Schwindel setzt ein. Das alles sind Symptome, für die man schnell andere Ursachen in Betracht zieht und nicht an eine Kohlenmonoxidvergiftung denkt.
  • Atmet man Luft mit einer Konzentration von 800 ppm über zwei Stunden ein, droht die Bewusstlosigkeit. Ab dann wird es lebensgefährlich.
  • Bei Konzentrationen von 12.800 ppm, wie sie häufig bei Hausbränden auftreten, droht der Tod innerhalb von ein bis drei Minuten.

Gefahr durch Holzpellets

co2_vergiftung_2.jpgDie kleinen Holzstifte hätte man wohl als letzte Gefahrenquelle auf dem Schirm. Die Hauptgefahr geht nicht von den modernen Holzpelletöfen aus, sondern von den Pellets selber. Sie werden häufig im Keller in einem gesonderten Raum neben dem Ofen gelagert. Während der Lagerung entweicht jedoch Kohlenmonoxid aus den Pellets und reichert sich in schlecht durch­lüf­tet­en Räumen an. Dadurch steigt die Konzen­tration leicht auf mehrere Tausend ppm an. Pelletheizung-Besitzer sind sich dieser Gefahr häufig nicht bewusst. Warnhinweise sind bisher nicht vorgeschrieben. Experten raten daher, die Räume konstant und nach Möglichkeit sogar elektrisch zu belüften, da kurzes Stoßlüften bevor man den Raum betritt nicht ausreicht.

Grill, Heizstrahler und Gaskocher - hausgemachte Probleme

Nicht immer ist die Technik schuld an einer Kohlenmonoxidvergiftung. Manche Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Jedes Jahr kommt es vor, dass Menschen einen Gas- oder Holzkohlegrill in der Wohnung befeuern. Sei es, dass sie auch im Winter grillen oder eine ausgefallenen Heizung ersetzen wollten — über die jeweilige Motivation kann in den meisten Fällen nur noch gerätselt werden. Auch im Campingurlaub kommt es immer wieder zu solchen Unfällen, wenn die Camper im Zelt ihren Gaskocher betreiben oder den noch nicht ausgebrannten Grill ins Vorzelt stellen. Ebenso sind schon Menschen auf die Idee gekommen, ihren Partykeller mit Flüssiggasstrahlern zu beheizen. Die Partygäste überlebten zwar, die mussten ihre Party jedoch im Krankenhaus fortführen.

In diesen Fällen hilft es, sich seines Verstandes zu bedienen, um Unfälle zu vermeiden. In den anderen Fällen hilft es, wenn man neben Rauchmeldern auch Kohlenmonoxidmelder installiert. Der zuständige Schornsteinfeger steht dabei beratend zur Seite.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de, © Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de