Unterschätzte Gefahr: Brand der Fassadendämmung

fassadenbrand_1.jpgFür die Außendämmung einer Fassade werden in der Regel Wärmeverbundsysteme aus Polystyrol verwendet. Im Handel ist dieser Stoff auch als EPS oder Styropor bekannt. Die guten Dämmeigenschaften des Leichtbaustoffes sind allgemein bekannt und ein beliebtes Mittel bei der energetischen Sanierung eines Hauses. Ebenso bekannt ist die Tatsache, dass Polystyrol leicht brennbar ist. Jedoch gibt es in Deutschland im internationalen Vergleich relativ strenge Sicherheitsvorschriften und die Menschen vertrauen auch darauf. Ein Test hat aber nun ergeben, dass die günstige Fassadendämmung deutlich leichter entflammbar ist, als man bisher angenommen hat.

Wirklich neu ist diese Erkenntnis nicht. Bereits 2011 hat der NDR nach eigenen Tests, die er bei der Materialprüfanstalt Braunschweig in Auftrag gab, auf die Gefahr hingewiesen. Von Behördenseite wurde dies aber abgetan und das gewählte Verfahren als nicht aussagekräftig eingestuft. So ganz losgelassen hat der Produkttest des NDR die Verantwortlichen aber nicht, weshalb die Bauministerkonferenz eine Arbeitsgruppe mit der Überprüfung der Ergebnisse beauftragte.

Standard-Brandschutz reicht nicht aus

fassadenbrand_2.jpgBisher ist es gängige Praxis, die leicht entflammbaren Dämmplatten durch einen Brandriegel aus nicht brennbarer Steinwolle gegen ein Feuer zu schützen. Als Sicherheitsstandard gilt, dass der Brandschutz einem Feuer bis zum Eintreffen der Feuerwehr Stand halten soll. Dabei geht man von einem Zeitraum von 20 Minuten aus. Grundlage der Zulassung war aber immer das Ausbreiten des Feuers bei einem Zimmerbrand. Man teste nicht, wie lange der Brandriegel einem Feuer standhalten kann, das an der Fassade beispielsweise durch eine brennende Mülltonne entsteht. Die Tests des NDR und der Arbeitsgruppe haben ergeben, dass der Sockel bereits nach elf Minuten anfing zu brennen. Nach zwei weiteren Minuten stand die Wärmedämmung vollständig in Flammen.

Gefährlich ist dies vor allem, weil sich bei der Verbrennung von Polystyrol starker Rauch und giftige Gase entwickeln. Besonders das enthaltene Flammschutzmittel HBCD ist hochgiftig, wenn es freigesetzt wird. Die Bauministerkonferenz hatte am 14. November angekündigt, die Zulassungsbestimmungen zu verschärfen und Änderungen in den Zulassungsbestimmungen vorzunehmen, was insbesondere Neubauten und die Erneuerung der nachträglichen Dämmungen von Bestandsbauten betrifft. Das bedeutet aber auch, dass an bisher durchgeführten Außendämmungen keine weiteren Arbeiten von Gesetz wegen anfallen.

Die von der Arbeitsgruppe durchgeführten Tests haben aber auch ergeben, dass zusätzliche Brandschutzvorkehrungen ein schnelles Übergreifen des Feuers verhindern können. Diese haben sich aber bisher noch nicht als Standard etabliert und angesichts der strenger werdenden Vorschriften zur Energieeffizienz gibt es bereits tausende Häuser, die mit mangelhafter Fassadendämmung aus Polystyrol versehen wurden. Es liegt also in der Hand der Hausbesitzer, ob sie nachträglich weitere Brandschutzvorkehrungen treffen wollen. Neben den Sicherheitsaspekten steht Fassadendämmung aber auch aus ökonomischen Gründen in der Kritik.

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