Unterm Steildach: Unterspannbahnen und Unterdeckbahnen

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Auch wenn Flachdächer bei Wohnhäusern zwischenzeitlich der Trend waren, haben Steildächer mittlerweile wieder Überhand gewonnen. Gedeckt werden solche Dächer meist mit Dachziegeln oder Betonpfannen. Diese werden in die Dachlattung eingehängt und schützen somit den Dachraum vor ablaufendem Regenwasser. Kommt Wind dazu, wird das Regenwasser unter die Dacheindeckung gedrückt. Auch Schnee kann unter die Dachhaut geblasen werden, der Fachmann nennt dies Flugschnee.

Damit der Dachraum dann trocken bleibt, werden Unterspannbahnen bzw. Unterdeckbahnen benötigt. An ihnen fließt das Regenwasser entlang zur Dachrinne und verschwindet dann in der Kanalisation. Zudem schützen die Bahnen den ausgebauten Dachraum auch vor Staub. Sie dürfen daher unter keiner Dacheindeckung fehlen. Die Unterspann- und Unterdeckbahnen werden über den Sparren angeordnet und mit Tackerklammern oder Breitkopfstiften befestigt. Da über den Bahnen auch noch die Konterlattung kommt, ist ein dauerhafter Halt gewährleistet.

Früher kamen in der Regel nur Unterspannbahnen zum Einsatz, die findet man heute fast nur noch bei unausgebauten Dachgeschossen. Bei den gedämmten Dächern von heute werden meist Unterdeckbahnen verwendet. Unterspannbahnen müssen nicht diffusionsoffen sein, ein Sd-Wert von 3m reicht vollkommen aus. Beim Sd-Wert handelt es sich um die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke. Diese gibt an, wie lange Wasserdampf für seine Wanderung durch ein luftdichtes Bauteil benötigt. Und bei Unterspannbahnen mit einem Sd-Wert von 3m braucht der Wasserdampf so lange, wie durch eine drei Meter dicke Luftschicht.

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Soll ein Dach, das mit einer Unterspannbahn versehen ist, nachträglich ausgebaut werden, darf die Dämmung jedoch nicht direkt an die Folie herangeführt werden. Es ist ein Abstand von mindestens zwei Zentimetern zwischen Folie und Dämmstoff einzuhalten. Unterspannbahnen sollten zwischen den Sparren leicht durchhängen, damit Regenwasser und anfallende Feuchtigkeit besser ablaufen können. Auf eine Überlappung der Bahnen ist zu achten. Zudem müssen die Unterspannbahnen miteinander verklebt werden, so dass danach eine geschlossene Fläche vorhanden ist.

Unterdeckbahnen hängen nicht durch, das würde auch nicht funktionieren, da sie auf einer festen Fläche aufliegen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um die Zwischensparrendämmung, Aufsparrendämmung oder eine Dachschalung. Eine Unterdeckbahn muss daher auf jeden Fall diffusionsoffen sein und der Sd-Wert muss möglichst klein gewählt werden. Ein typischer Sd-Wert für eine Unterdeckbahn beträgt 0,02 m. Je kleiner der Wert, desto schneller wird die Feuchtigkeit von innen durch die Folie nach draußen transportiert werden. Die Feuchtigkeit hat somit nur wenige Möglichkeiten, Schaden anzurichten. Die Unterdeckbahn ist jedoch kein Ersatz zur Dampf- bzw. Luftsperre. Die wird trotzdem noch auf der warmen Seite benötigt, damit keine Feuchtigkeit in die Dämmung gelangen kann. Auf eine luftdichte Ausbildung der Stöße und Anschlüsse ist hierbei zu achten.

Die Anforderungen an die Schlagregensicherheit sind bei Unterdeckbahnen höher als bei Unterspannbahnen. Durch die feste Unterdeckung wird der Regendruck bei Unterdeckbahnen nicht abgefedert, so dass die Regentropfen mit unverminderter Härte auftreffen. Somit können Unterdeckbahnen auch vorübergehend als Behelfsdeckung verwendet werden. Hierfür muss allerdings unter der Konterlattung ein Nageldichtband angeordnet werden. So ausgerüstet, kann sich der Dachdecker etwas mehr Zeit lassen mit der Eindeckung des Daches.

Foto oben: Braas Monier
Foto unten: Bauder