Treppenkauf im Internet: Stufen online bestellen?

Eine Treppe kostet Geld und Bauherren wollen sparen. Was liegt da näher, als sich seine Treppe im Internet zum Selbsteinbau zu bestellen. Doch: Stopp vor dem finalen Bestellklick! Die Treppe ist eine komplexe Konstruktion und für den Treppenbau gelten Regeln, die zwingend eingehalten werden müssen.

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Die Auswahl liest sich gut und die Versuchung, an eine "billige" Treppe zu kommen, ist groß: Spindeltreppen, Systemtreppen, Raumspartreppen usw. lassen sich da scheinbar ganz einfach übers Internet auswählen und bestellen. Der Käufer muss sich nur vertraut machen mit dem wichtigsten Treppenvokabular, seine Wunschtreppe aussuchen, die Räumlichkeiten ausmessen und die Maße in ein Bestellblatt eintragen. Dann bekommt er auf Wunsch einen Bausatz geliefert, den er selbst einbauen kann. Schön, wenn dann alles passt und die Konstruktion auf Dauer hält.

Notwendige Mindestmaße

Bevor man voller Vorfreude und Tatendrang seine Bestellung abschickt, sollte man sich das Treppenangebot des Internetkaufhauses unter den nachfolgenden Aspekten etwas näher anschauen. Mit Treppen werden Räume erschlossen. Wenn sich dort Menschen aufhalten (Aufenthaltsräume), dann müssen diese Räume im Gefahrenfall sicher verlassen werden können. Das heißt, bei einem Brand und starker Rauchentwicklung muss die Treppe als Flucht- und Rettungsweg sicher begehbar sein. Aus diesem Grund dürfen Aufenthaltsräume nur über richtige (notwendige) Treppen erschlossen werden. Für diese Treppen gelten gesetzlich vorgegebene Mindestmaße. Aufenthaltsräume sind: Wohn- und Schlafräume, Wohndielen, Wohn- und Kochküchen, Arbeitsräume. Sofern eine Treppe zu diesen Räumen der einzige Zugang ist, gilt sie baurechtlich als "notwendige Treppe". Nur eine zusätzliche, zweite Treppe zu den oben genannten Räumen kann kleiner sein. Aber auch für diese "nicht notwendige Treppe" gelten Mindestanforderungen (siehe Grafik). Steiltreppen, die häufig im Internet oder Baumarkt angeboten werden, dürfen nur zu nicht ausgebauten Dachräumen führen.

Fachfirmen haben Beratungspflicht

Ein Treppenbau-Fachbetrieb ist gesetzlich verpflichtet, seine Kunden über die oben genannten Mindestanforderungen für Treppen und Geländer und die geltenden Baugesetze (Landesbauordnungen, DIN 18065) zu informieren, auch wenn er seine Treppen im Internet anbietet. Außerdem muss er bei seiner fachlichen Beratung sowohl die persönlichen Anforderungen des Bauherren als auch die baulichen Gegebenheiten berücksichtigen. Denn nur so kann beurteilt werden, in welcher Weise sich die favorisierte Treppenkonstruktion verwirklichen lässt. Bequemlichkeit, Begehbarkeit, Nutzbarkeit und Langlebigkeit sind wichtige Faktoren für eine professionelle Treppenplanung.

Volles Risiko

Der Treppenkauf im Internet ist Kundenrisiko, ebenso wie der Kauf im Baumarkt. Hat der Käufer sich vermessen und dadurch falsch bestellt, ist das allein seine Sache. Die Garantie gilt nur für den Lieferumfang, also die gelieferten Teile. Sie gilt nicht für Maßfehler, Beschädigungen beim Aufbau oder einen unsachgemäßen Einbau der Treppe. Beispiel: Wird eine Treppe fehlerhaft am Baukörper befestigt und stürzt ein, besteht für den Hersteller keine Gewährleistungspflicht. Für Schäden, auch für Personenschäden, haftet dann allein der Bauherr.

Heikle Montage

Als meist genutztes Bauteil eines Hauses muss die Treppe mitsamt dem Geländer fest mit dem Bauwerk verbunden werden. Eine heikle Sache für den "Laien", auch wenn er über handwerkliches Geschick verfügt. Denn hier geht es um die Nutzungssicherheit. Damit diese garantiert ist, lassen Treppenbau-Fachbetriebe ihre Treppen nur von geschulten Monteuren einbauen. Diese wissen genau, wie sich die Lasten auf einer Treppe verteilen und worauf sie beim Einbau achten müssen. Im Gegensatz zum Internet- oder auch Baumarktkauf ist die vom Fachbetrieb gefertigte Treppe ein individuell gefertigtes Einzelstück, das aufgrund professioneller Planung optimal in die baulichen Begebenheiten eingepasst werden kann.

Auf CE-Zeichen achten

Treppen sind tragende Bauteile, deshalb muss für ihre Belastungsfähigkeit eine statische Berechnung als Standsicherheitsnachweis vorliegen. Wenn es also schon eine Treppe zum Selbermontieren aus dem Internet oder Baumarkt sein soll, dann sollte der Käufer in jedem Fall auf das CE-Zeichen achten. Nur dann kann er sicher sein, dass Produkt, Montagebeschreibung usw. in Ordnung sind, denn Hersteller dieser Treppen mit CE-Zeichen werden jährlich fremdüberwacht und haben eine Statik für die angebotene Bauweise und das dazugehörige Material. Der Bauherr darf erwarten, dass diese Konstruktion die ihr zugesicherten Trageigenschaften erfüllt.

Fazit: Bei all den Feinheiten, die für den fachgerechten Bau und Einbau einer Treppe berücksichtigt werden müssen, sollte die Frage nach dem "billigen" Online-Kauf hinfällig sein. Denn der Treppenkauf im Internet ist für den Käufer mit einem viel zu hohen Risiko behaftet. Bei einem guten Treppenbau-Fachbetrieb hingegen kann sich der Bauherr seine Wunschtreppe beim Probegehen im Treppenstudio selbst aussuchen und individuell gestalten. Außerdem kann er sich darauf verlassen, dass die Mitarbeiter in den Bereichen Standsicherheit, Baurecht, Treppen- und Materialkunde sowie Gehkomfort geschult sind. Der Treppenbau-Fachmann ist sich seiner Verantwortung bewusst und übernimmt die Gewährleistung für eine von ihm sorgfältig nach Maß gefertigte und eingebaute Treppe. Der Treppenkunde hat bei auftretenden Mängeln somit einen konkreten Ansprechpartner vor Ort.

Weitere Informationen unter www.treppenmeister.com