Testurteile über Fertighäuser - gibt es das?

Jede Woche wird die Redaktion von "fertighaus.de" angemailt, weil User wissen wollen, ob es Testberichte über Fertighäuser gibt. Was jedoch in einschlägigen Magazinen als "Wohntest" oder "Test" daherkommt, sind Gefälligkeitsschreibereien oder etwas vornehmer ausgedrückt: Gefälligkeitsgutachten.

Das läuft nach diesem Strickmuster ab: Der Verlagsvertreter bietet einem Fertighausanbieter an, über ein Haus - sagen wir mal den Haustyp "Wonnegau" - zu berichten im Rahmen eines "Tests". Der Hersteller bezahlt für die Doppelseite (oder für drei oder vier Seiten, nämlich eine sog. "Anzeigen- oder Promotionstrecke") 8.000, 12.000 oder 17.000 Euro. Nun kommt ein Redakteur, sieht sich das Haus an, läßt fotografieren - oder verwendet gleich die vom Hersteller gelieferten Fotos. Und dann wird ein wonniger "Testbericht" über das Haus "Wonnegau" geschrieben. So verfahren viele Branchen, nicht zuletzt die Auto- oder die Uhrenindustrie. Und wenn es sich um gute Produkte handelt, haben wir auch keine Bedenken - wen n.

Viele Fertighäuser und Ausbauhäuser weisen Prüfsiegel auf. Auch dagegen ist nichts zu sagen, denn die einschlägigen Prüfinstitute verstehen schon ihr Handwerk. Andererseits sind diese Prüfungen aufwendig und  enor m  teuer. Nicht jeder Fertighaushersteller will Geld dafür ausgeben, baut dennoch aber erstklassige Häuser.

Wollte man die Baustoffe testen (die ja sowieso alle bauamtlich zugelassen sein müssen) oder die Fenster oder die Türen, kommt man nie auf einen gemeinsamen Nenner, denn die Hersteller verwenden unterschiedliche Produkte.

Geht es an die technische Details, kommen sich die Tester sowieso im Wortsinne in die Wolle. Der eine bietet eine Dämmung aus Wolle an und der Prüfer findet das aus ökologischem Aspekt hervorragend - und vergibt drei Pluspunkte.

Der andere Tester hat was gegen Wolle, denn er betrachtet die Dämmung auch aus Sicherheitsaspekten. Und siehe da: Wolle brennt "schön" (im Gegensatz etwa zu Mineralwolle) und zieht auch noch wunderbar Wasser (und verklumpt) bei einem Wasserschaden im Gegensatz etwa zu Polystyrol.

Wer von den beiden hat nun recht? Sie sehen, vergleichbare Tests kann es nur mit vielen "wenn" und "aber" geben und dadurch wird der Käufer mehr verunsichert, als sachgerecht informiert.

Wollte man die U-Werte (früher: k-Wert) testen, so sind das sehr theoretische Werte. Der eine fühlt sich im Haus wohl trotz eines etwas höheren (also etwas schlechteren) U-Werts, weil er einen Kachelofen eingebaut hat, der andere fühlt sich unwohl, weil ihm der Keramikfußboden als zu kalt erscheint - usw., usf.

Da es etwa 4.000 bis 10.000 Fertighaus-Typen auf dem Markt gibt, stellt sich die Frage: Wer soll das erstens testen und zweitens bezahlen? Richtige Tests gibt es übrigens auch für Massivhäuser nicht.

Und die Fertighaushersteller selbst von den Bauherren testen lassen? Wie soll das denn vonstatten gehen? Da erscheint einem Hersteller Glückspilzhaus als idealer Partner, weil der Baubetreuer immer so schön lächelt und Hersteller Loftyhaus als weniger guter Partner, weil er sich nicht schnell genug darum gekümmert hat, daß die bronzenen Türgriffe gegen rotlackierte ausgetauscht werden. Womit gesagt werden soll, daß nur wenige Mitmenschen in der Lage sind, sich objektiv zu äußern. Einmal, weil ihnen die baufachlichen Grundkenntnisse fehlen (ein Käufer ist nun mal nicht grundsätzlich auch ein Bauingenieur oder gar Bauphysiker), zum anderen, weil sich der eine in schwäbischer Pingeligkeit über eine klemmende Tür aufregen kann, der andere in rheinischer Gelassenheit sagt: Soll se doch klemme, muss ma ävvens mieh däue odder de Türbänder mieh rinndriehe (übersetzt: muss man eben mehr drücken oder die Türbänder mehr reindrehen.)

Fragen Sie die Bauherren, sind Eheleute Meier im Haus Appenzell der Firma Stabilhaus glücklich (weil sie nette Nachbarn und ein schönes Grundstück haben), Familie Müller aber nicht, weil sie sich das falsche Grundstück ausgesucht und zänkische Nachbarn eingehandelt haben. Frau Meier findet die offene Küche wunderschön, Frau Müller erst auch, aber im Nachhinein wieder nicht, weil sie sich von Ihrem Mann beobachtet fühlt. Und auf einmal gefällt ihr das Haus nicht mehr...

Unsere Website "traumbad.de" wurde in einer Internet-Zeitschrift getestet und als dürftig abgetan. Und eine andere Internet-Zeitschrift überschlug sich und gab dieser Website das Prädikat "traumhaft"!