Stroh-Rahmenbau - Häuser aus Holz und Stroh

strohrahmenbau01.jpgViele, die selbst bauen wollen, fragen sich immer häufiger, wie sie noch wärmedämmender, noch ökologischer und dennoch auch preisgünstiger bauen können. Aus einer solchen Anfrage heraus entstand die Idee, Trockenbau mit Nassbau zu verbinden. In einen konventionellen beplankten Holzrahmenbau, werden innendrin Strohballen und nasser Lehmputz eingebracht. Diese Stroh-Rahmenkonstruktion kommt ohne jegliche luftdichte Folie oder Beplankung im inneren sowie auch ohne eine erforderliche Installationsebene aus. Dadurch stellt sie die derzeit übliche, weitaus aufwendigere Konstruktion des Holzrahmenbaus in Frage, erklärt der Autor unseres Beitrags. Holzrahmenbau? Das ist jene Bauweise, die typisch für Fertighäuser und weltweit bewährt ist.

Hausbau mit Strohballen

Die Verwendung von Strohballen im Baugewerbe begann mit dem Einsatz der ersten Strohballenpressen in den USA zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Stroh stand als Abfallprodukt der Landwirtschaft in großer Menge zur Verfügung und so konnte man sich auf einfache und schnelle Weise ein Haus bauen. Die ersten überlieferten Strohballenhäuser stammen aus Nebraska. Erst in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckten auch Australier, Neuseeländer und Russen diesen nachwachsenden Rohstoff als Baumaterial. Später schwappte die Begeisterung für das Bauen mit Stroh auch zu uns, so gab es im Jahr 2001 etwa 400 Strohballenbauten in Europa. Auch in Deutschland steigt ihre Zahl.

strohrahmenbau02.jpgStroh ist ein jährlich nachwachsender Rohstoff, der fast überall verfügbar ist und am Ende seiner Nutzung ohne Kosten wieder in den Kreislauf der Natur gebracht werden kann und dort entsorgt wird. Zur Herstellung und zum Transport von Strohballen wird im Vergleich zu anderen Baustoffen sehr wenig Energie benötigt (Primärenergiegehalt: 14MJ/m³). Im Vergleich dazu liegt der Primärenergiegehalt von Mineralwolldämmung (1077MJ/m³) etwa 77-mal höher. Durch die chemische Bindung von CO² während des Getreidewachstums wird die Umwelt sogar wesentlich mehr entlastet als sie durch Herstellung und Transport belastet wird. Der Baustoff Stroh erfüllt damit alle Anforderungen an einen "nachhaltigen" Baustoff.

Holzrahmen-Konstruktion gibt Sabilität

strohrahmenbau03.jpgDas Bauen mit Strohballen wurde nun durch die Kombination mit dem Holzrahmenbau perfektioniert. Eine bereits vorgefertigte Holzrahmenkonstruktion mit 6/12er Stielen und eine aussteifenden Scheibe mit Formline-DHF-Plattenbilden das Gerüst für den Stroh-Rahmenbau. Dabei entsprechen der Abstand der Stiele in der Wand der Länge der einzubauenden Strohballen. Sobald die Fenster eingebaut sind, ist das Gebäude bedingt regensicher und der Ausbau mit Stroh kann beginnen. Die DHF-Platte wird von Innen mit einer saugfähigen Schicht verkleidet. Nun werden die Ballen liegend oder stehend zwischen den Stielen eingebracht. Wobei der Bauherr, der ja nun kein Fachmann für Holzbauwerke ist, wissen muss, dass der „Stiel“ eine allgemeine Bezeichnung für Rähme und Ständer im Zimmererhandwerk ist.
In jeder dritten Lage werden die Strohballen mit Dachlatten und langen Spaxschrauben gegen die Stiele gezogen. Um später Befestigungsmöglichkeiten für Wandschränke, Regale oder Bilder zu haben, werden die Latten an potentiellen Stellen durch Bohlen ersetzt. Die innere Wandoberfläche und die Unterseite der Dachschrägen bildet ein 3cm starker Lehmputz. Dieser wird schichtweise mit einer Putzmaschine auf das Stroh aufgetragen und mit Gewebe armiert. Elektroleitungen in den Außenwänden sind kein Problem, da sie mit ausreichend Lehmputz ummantelt werden. Mit einem abschließenden Anstrich aus Kalk-Kaseinfarbe wird die feuchteregulierende Wirkung des Lehmputzes erhalten.

Gepresster Stroh brennt schlecht

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass im Gegensatz zu losem Stroh, gepresstes Stroh nur schlecht brennt (Baustoffklasse B2, normalentflammbar). Hier wird oft der Vergleich mit einem Telefonbuch herangezogen. Fehlender Sauerstoff verhindert auch hier die Entzündung. Die oben beschriebene Konstruktion besitzt mit der DHF-Platte auf der Außenseite (Rohdichte >= 600kg/m³, Dicke >= 13mm) einen Holzwerkstoff der nach DIN 4108 die Feuerwiderstandsklasse F30 erfüllt. Der innen aufgebrachte Lehmputz (d=3cm) weist nach ÖNorm eine Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten auf.
Wohl der wichtigste Vorteil des Strohes als Baustoff ist seine Wärmedämmwirkung. Eine Wärmeleitfähigkeit von ?=0,045 W/mK (entgegen der Halmrichtung) und ?=0,055 W/mK (in Halmrichtung) bringt die Vorraussetzung für eine Außenwandkonstruktion im Passivhausstandard. Der U-Wert der Stroh-Rahmenbauwand (liegenden Halmen, 46cm dicke Strohballen) beträgt 0,12 W/m²K. Bedingt durch die hohe Rohdichte des Dämmstoffes Stroh sind auch der Schallschutz und der Sommerliche Wärmeschutz der Konstruktion tendenziell besser als beim herkömmlichen Holzrahmenbau.
Die saugfähige Schicht in der Tauzone ist in der Lage das anfallende Tauwasser aufzunehmen. Die Verdunstungsmenge liegt 2,5-mal höher als das anfallende Tauwasser. Auch der Grenzwert von 1.000 g/m², der für tauwasseranfällige Konstruktionen eingeführt wurde, wird dabei unterschritten.

Strohballenwände für Nagetiere und Insekten uninteressant

Geäußerte Bedenken im Zusammenhang mit Strohballenwänden betreffen oft die Beständigkeit gegen Nagetiere und Insekten. Untersuchungen an alten und neuen Strohballenhäusern haben jedoch keine Hinweise auf Schäden durch Nagetiere gezeigt. Stroh besteht aus Zellulose und kann lediglich von Termiten verdaut werden. Durch moderne Erntemethoden ist der Restgehalt an Korn, welches eventuell Schädlinge anziehen könnte, nahezu null. Dennoch ist auf die Vermeidung von Hohlräumen im Wandaufbau zu achten. Das Einbauen üblicher Insektenschutzgitter ist auch beim Stroh-Rahmenbau unumgänglich.

strohrahmenbau04.jpgDie gute Kombinierbarkeit mit Lehm ist ein weiterer Vorteil des Einsatzes von Stroh im modernen Bauwesen. Besonders durch die feuchteregulierende Wirkung von Lehm auf das Raumklima kann der Einsatz von Lehm als Innenputz nur empfohlen werden. Das auf diese Weise verbesserte sich das Raumklima und wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Bewohner aus. Außerdem haben Lehmputze bei Fachwerkhäusern das Holz über eine lange Zeit so sehr ausgetrocknet und damit haltbar gemacht, dass weder Schädlinge noch Schimmelpilze der Holzkonstruktion schaden konnten.
Nicht nur die niedrigen Materialkosten für die Strohballen reduzieren die Baukosten bei dieser Bauweise. Die einfache und schnell zu erlernende Verarbeitung von Lehm und Stroh ermöglicht gerade dem Selbstbauer eine nicht unbeträchtliche Reduzierung der Lohnkosten.
Dieser Beitrag wurde uns von Dipl.-Ing. (FH) Architekt Joerg Scherb vom Planungsbüro Scherb zur Verfügung gestellt.