Steildach - belüftet oder unbelüftet, das ist hier die Frage!

Ein Dach ist zahlreichen Einflüssen ausgesetzt. Im Herbst bläst der Wind, im Winter fällt Schnee, Regen fällt sowieso das ganze Jahr. Das alles muss die Dachhaut aushalten. Doch es kommt noch schlimmer: Wasserdampf wandert von innen durch Decke und Wärmedämmung zur kalten Dachhaut und kondensiert dort als Tauwasser, wenn er nicht vorher davon abgehalten wird. Dies muss auch geschehen, da sonst die Dämmung durchfeuchtet und die Holzkonstruktion geschädigt wird. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann man den Wasserdampf vor Erreichen der Dachhaut ins Freie geleiten. Zum anderen kann man die Wasserdampfdiffusion auch unterbinden. Die Feuchtigkeit muss in diesem Falle durch Lüften aus dem Dachraum gelangen. Im ersten Fall spricht man von einem belüfteten Dach oder auch von einem Kaltdach, da die Dachkonstruktion im kalten Bereich bleibt. Beim anderen Fall ist das Dach unbelüftet und die Dachkonstruktion im warmen Bereich, deshalb der Name Warmdach. Wie bei vielem im Bauwesen, besonders wenn es um Wärmedämmung geht, streiten sich die Experten, welche der beiden Möglichkeiten die bessere ist. Wir halten uns aus diesem Streit heraus und bringen Ihnen lediglich beide Systeme mit ihren Vor- und Nachteilen näher.

Das belüftete Steildach



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Kaltdächer haben über der Wärmedämmung eine Lüftung. Bei nicht ausgebauten Dächern kann der ganze Dachraum als Lüftung dienen. In diesem Fall liegt die Wärmedämmung auf dem Dachfußboden. Soll der Dachraum bewohnbar gemacht werden, ist eine zweite Lüftungsebene notwendig. Neben der Dachdeckung muss zusätzlich noch beispielsweise ein Unterdach angeordnet werden. Die eine Lüftungsebene muss zwischen Wärmedämmung und Unterdach sein, die zweite ergibt sich durch eine Konterlattung oberhalb der Zusatzmaßnahme. Sie wird benötigt, um bei Schlagregen die Feuchtigkeit abzuleiten.

Bei der ersten Lüftungsebene wird der durch die Wärmedämmung diffundierte Wasserdampf abgeführt. Voraussetzung ist jedoch ein ausreichend großer Belüftungsquerschnitt und ein hindernisfreier Belüftungsweg. Die Luftzirkulation wird gewährleistet durch Öffnungen an First und Traufe. An der Traufe erfolgt der Luftaustauch durch Abstandsfugen zwischen den Brettern des Traufgesimses oder durch einen Abstand des Gesimses von der Außenwand. Der Luftaustritt am First erfolgt durch eine besondere Firstabdeckung oder durch Lüftungsziegel bzw. Lüftungssteine.

Damit die Hinterlüftung überhaupt funktioniert, muss sehr sorgfältig und korrekt gearbeitet werden, insbesondere im Bereich von Schornstein, Dachfenster und Gaube. Zudem wird die Belüftung häufig von Wechseln unterbrochen und funktioniert in diesen Feldern nicht. Auch im Brandfall hat eine Hinterlüftung einen Nachteil, da sie wie ein Kamin wirkt und das Feuer zusätzlich anfacht. Der große Vorteil eines belüfteten Steildachs ist jedoch, dass die Ausführung und Art der Dampfsperre und der Unterspannbahn nicht von so großer Bedeutung ist. Genauer gesagt, braucht raumseitig keine Dampfbremse eingebaut zu werden. Die Feuchtigkeit kann ungehindert bis zur Lüftungsebene gelangen und abgeführt werden. Aber wie gesagt nur, wenn der freie Abzug gewährleistet ist.

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Das unbelüftete Steildach



Beim Warmdach entfällt die Lüftungsebene. Dies ist in Zeiten der Energieeinsparverordnung natürlich von Vorteil, da mehr Platz für die Wärmedämmung vorhanden ist. Meist muss die ganze Sparrenhöhe, oder sogar mehr, mit Dämmstoffen ausgefüllt werden. Diese Art zu Dämmen nennt man im übrigen Sparrenvolldämmung. Bei dieser Dämmung ist kein Platz mehr für eine Entlüftung vorhanden. Die Feuchtigkeit darf in diesem Fall aus dem Dachraum nicht in die Dämmung gelangen. Damit keine Feuchteschäden im Dachtragwerk und keine Minderung der Wärmedämmung durch Tauwasser auftritt, muss daher raumseitig eine Dampfsperre bzw. Dampfbremse angebracht werden. Diese bewirkt außerdem die ebenfalls erforderliche Luftdichtigkeit des Daches.

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Ob eine Dampfsperre anzubringen ist, also eine Folie, die den Wasserdampf garantiert nicht durchläßt, oder ob nicht eine Dampfbremse genügt, hängt von der Dämmung im Deckenbereich ab. Die Dampfbremse läßt Wasserdampf durch, wenn auch nur in "gebremstem" Umfang. Das muss nicht schädlich sein, wenn die Dämmung selbst kein Wasser anzieht und auch so aufgebaut ist, dass geringe Feuchtebelastungen diffundieren können.

Natürlich muss beim Anbringen der Folie sorgfältig darauf geachtet werden, dass keine Lücken, Risse oder sonstige undichte Stellen vorhanden sind. Insbesondere auch die Anschlüsse an Dachdurchdringungen wie beispielsweise durch Schornsteine oder Dachflächenfenster müssen fachgerecht ausgeführt werden. Da keine Feuchtigkeit aus dem Dachraum in die Dachkonstruktion gelangen kann, bedeutet dies im Umkehrschluss auch, dass auf dem umgekehrten Weg ebenfalls keine Feuchtigkeit "wandern" kann. Dies ist schlecht, denn meist ist noch eine erhöhte Anfangsfeuchte im Dachkonstruktionsholz vorhanden, oder die Feuchtigkeit ist, wie auch immer, auf andere Weise in die Konstruktion gelangt. Die Feuchtigkeit muss daher nach außen abwandern können. Dies erreicht man beispielsweise durch diffusionsoffene Unterspannbahnen oder diffusionsoffene Unterdeckungen.

Neben der Vollsparrendämmung ist die Aufsparrendämmung (Vollflächendämmung) die wichtigste Form des Warmdachs. Bei der Aufsparrendämmung wird die gesamte Dämmung auf der Sichtschalung aufgebracht. Dies hat den Vorteil, dass die Sparrenhöhe allein nach statischen Erfordernissen bemessen werden kann und nicht nach der Dicke der Dämmschicht. Zudem ist die Aufsparrendämmung einfacher und ohne größeren Wärmeverluste herzustellen. Allerdings ist diese Ausführungsart für den Laien nicht zu empfehlen, da alle Arbeiten vom Dach aus ausgeführt werden müssen und nicht, wie bei der Sparrenvolldämmung, vom Dachraum aus. Ansonsten ist der Dachaufbau jedoch der gleiche, wie bei der Sparrenvolldämmung: Auf die Sichtschalung kommt eine diffusiondichte Dampfsperre, danach die Wärmedämmung und darauf die diffusionsoffene Abdeckung. Wollen Sie mehr über die Vollflächendämmung mit verschiedenen Dämmstoffen erfahren, so klicken Sie hier.