Starke Rissbildung bei Gipskartonplatten

Werner: "Wir haben letztes Jahr ein Haus in Holz-Ständerbauweise gebaut. Den Innenausbau (Gipskartonplatten) haben wir in Eigenregie (unter Anleitung eines Fachmannes) durchgeführt (Verlegen und Verschrauben der Platten). Die Spachtelarbeiten haben wir an eine Firma vergeben. Später wurden dann auf die Flächen noch Spezial-Edelputz aufgebracht. Nun zeigen sich, insbesondere in den Raumecken, fast überall Längsrisse. Die Spachtelfirma hat keine Fugengewebe verlegt. Woher kommen die Risse und hätte das Gewebe das Reißen verhindert? Gibt es Reparaturmöglichkeiten?" 


Antwort von Hugo: "Woher kommen die Risse? Kann auch mit dem Holzständerwerk zu tun haben - das Holz kann sich durch Trocknung verdreht haben. In jedem Fall muss eine Fuge armiert werden. Dazu gibt es Fugmassen, die in sich schon Armierungs"mischungen" enthalten (z.B. KNAUF Uniflott) oder man nimmt Glasfaser-Armierungsgewebe oder Papierstreifen. Letzteres wird von einigen Plattenherstellern bevorzugt, weil Papier eine enorme Zähigkeit hat. Ziehen Sie mal 135 g-Papier zwischen den Händen auseinander und Sie werden feststellen, daß man es so fast nicht zerreißen kann. Hat also Ihr Spachtelmensch weder armiert, noch eine spezielle Fugmasse genommen, dann hat er einen Verarbeitungsfehler begangen. Was den Putz betrifft, so scheint auch noch nicht einmal eine Putzgrundierung aufgetragen worden zu sein. Diese hat, jedenfalls bei KNAUF Putzgrund, eine Quarzsand-Beimischung, die ihrerseits armierend wirkt. Auf eine Gipskartonplatte einen Dünnputz auftragen ohne vorherige Grundierung, ist ebenfalls ein Verarbeitungsfehler. Die Risse können nun nicht mit Acrylmassen verschlossen werden, dies wird man immer sehen (es kommt mindestens zu Verschattungen). Die einzige Möglichkeit ist: a) abwarten, ob sich die Risse noch vergrößern (ob also das Holz weiter arbeitet)und b) dann die Fugen auskratzen, neu verspachteln, beiputzen (vorher grundieren) und schließlich überstreichen."