Sommerlicher Wärmeschutz - so bleibt die Hitze draußen

Dass ein Haus nicht nur für den Winter gegen Kälte gut gedämmt sein muss, sondern auch für den Sommer gegen die Hitze, wissen zumindest alle, die schon einmal unter dem Dach gewohnt haben. Der Hausbewohner würde daher gerne etwas gegen diesen Backofen tun, aber er weiß nicht was. Eine Klimaanlage wäre zwar möglich, doch sehr energieaufwendig. Wir versuchen Ihnen daher zu vermitteln, welche Faktoren den sommerlichen Wärmeschutz beeinflussen und wie Sie durch Sonnenschutzvorrichtungen einen optimalen Schutz bekommen können.

daemm6.jpg Häuser werden immer nach Süden hin ausgerichtet. Das ist zwar im Winter mit gewünschten Wärmegewinnen verbunden, aber im Sommer und insbesondere in den Übergangsmonaten mit zum Teil noch tief stehender Sonne führt das auch zu deutlicher Überhitzung. Hinzu kommt, dass sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung in den vergangenen Jahren immer größere Glasflächen eingesetzt werden. Dahinter steckt der Wunsch nach mehr Tageslicht und Transparenz sowie mehr Verbindung zur Außenumgebung. Dass sommerlicher Wärmeschutz sehr ernst genommen wird zeigt, daß in der seit Februar 2002 gültigen Energieeinsparverordnung (EnEV) ein verbindlicher Nachweis des sommerlichen Wärmeschutzes für Gebäude mit einem Fensterflächenanteil von mehr als 30 Prozent gefordert wird.

Woher kommt die Hitze?



Den größten Einfluss auf das sommerliche Raumklima hat die Sonneneinstrahlung. Die Sonneneinstrahlung gelangt durch das Fenster und durch Wärmeleitung durch die Gebäudehülle (Wand bzw. Dach) in den Innenraum. Die Raumluft wird erwärmt. Ein kleinerer Teil der Strahlungswärme wird durch die Speichermasse des Innenraums und die im Raum befindlichen Gegenstände absorbiert.

Für die Beurteilung des Wärmeschutzes wird auch der regionale Standort des Gebäudes mit herangezogen. Um an heißen Hochsommertagen in nichtklimatisierten Gebäuden für ein erträgliches Raumklima zu sorgen, wurde eine "Grenz-Raumtemperatur" für die drei Klima-Regionen sommerkühl (Mittelgebirgslagen, Küstenregionen der Nordsee, Grenz-Raumtemperatur 25 Grad ), sommerheiß (Flussniederungen z.B. Oberrheingraben, 27 Grad) und durchschnittlich/gemäßigt (überwiegende Teil Deutschlands, 26 Grad) festgelegt. Die Temperatur wurde so gewählt, dass die Einhaltung behaglicher Verhältnisse ohne Klimaanlage erreichbar ist.

Auch die Speicherfähigkeit der Bauteile beeinflusst den Wärmeschutz. Dabei wird zwischen extrem leichter (Außenwand = 100 kg/m²), leichter(= 600 kg/m²) und schwerer Bauart (> 600 kg/m²) unterschieden. Je schwerer Bauteile sind, desto geringer ist die Erwärmung der Räume durch solaren Wärmeeintrag. Im Umkehrschluß bedeutet dies: Je leichter eine Baukonstruktion, desto wichtiger ist aufgrund der geringen Wärmespeicherfähigkeit der sommerliche Sonnenschutz durch spezielle Sonnenschutzvorrichtungen wie etwa Markisen, Rollos, Rolläden und so weiter.

Was tun gegen die Hitze?



Die erste Sonnenschutzmaßnahme sind die Fenster. Das Raumklima wird sehr stark von der Art der Fenster, vom Sonnenschutz und vom Fensterflächenanteil beeinflusst. Insbesondere bei ausgebauten Dachgeschosse mit schrägen Dachfenstern ist der Wärmeschutz in erheblichem Umfang von den Fensterflächen abhängig. Da Verglasungen für kurzwellige Lichtstrahlung durchlässig sind, müssen Sonnenschutzmaßnahmen vor allem an Glasbauteilen vorgenommen werden. Durch den Einbau einer Sonnenschutzverglasung kann der Energiedurchlass beispielsweise in etwa halbiert werden. Bei Neubauten sollte bei der Planung des Fensterflächenanteils der Nutzen der Transparenz und der solaren Gewinne im Winterhalbjahr gegen die Risiken einer Überwärmung im Sommerhalbjahr abgewogen werden. Weiter muss die Verteilung der Fensterflächen auf die Himmelsrichtungen beachtet werden. Besonders kritisch ist im Sommer der Bereich Süd bis West, weil hier die höchsten Wärmeeinträge zu erwarten sind.

Um das Eindringen von Sonnenenergie weiter zu verringern, sollte man Sonnenschutzvorrichtungen (Jalousien/ Markisen) anbringen. Bezüglich des Sonnenschutzes ist wichtig, daß außenliegende Vorrichtungen wesentlich effizienter sind als innenliegende. Bis zu 75 Prozent kann bei außenliegenden hinterlüfteten Jalousien mit drehbaren Lamellen der solare Wärmeeintrag vermindert werden. Das liegt unter anderem daran, daß die direkte Strahlung im Wesentlichen außerhalb des Raumes reflektiert wird. Wird der Sonnenschutz innen angebracht, gelangt die Sonnenstrahlung in den Raum und trägt zur Erhöhung der Raumtemperatur bei. Bei innenliegendem Sonnenschutz kann der solare Wärmeeintrag daher nur um zirka 10 bis 20 Prozent vermindert werden. Eine Reduzierung der Wärmeerzeugung von bis zu 80 Prozent versprechen Hersteller reflektierender Sonnenschutzfolien. Diese metallbedampften Folien sind selbstklebend und hervorragend zur nachträglichen Anbringung auf Verglasungen und Fenstern geeignet.

Während der Sommermonate kann durch gute nächtliche Lüftung, die in den Wänden, im Fußboden und in Decken tagsüber gespeicherte Wärme wieder abgeführt werden. Dadurch werden die "Speichermassen" wieder in die Lage versetzt, tagsüber überschüssige Sonnenenergie aufzunehmen. Natürlich wird gleichzeitig auch die Raumtemperatur verringert. Die nächtliche oder frühmorgendliche Lüftung sollte mindestens zwei Stunden betragen. Bei Wohngebäuden ist dies in der Regel gegeben, bei Bürogebäuden und Schulen kann dies nutzungsbedingt nicht unbedingt vorausgesetzt werden.

Sehr wichtig ist natürlich eine fachgerechte Dämmung Dämmstoffe sorgen dafür, dass die Wärme im Winter nichts so schnell "abfließt". Gute Dämmung soll im Sommer aber auch dafür sorgen, dass die Hitze nichts so schnell von außen nach innen wandert. Wie so oft gibt es über die Auswahl des richtigen Dämmstoffs verschieden Ansichten. Die einen Untersuchungen sagen, dass die Speicherfähigkeit von Wärmedämmstoffen für den sommerlichen Wärmeschutz "vernachlässigbar" ist. Der Temperaturverlauf in einem Dachgeschoss sei über den Tag verteilt bei der Verwendung von wärmespeicherfähigen Holzfaserdämmplatten oder nicht-wärmespeicherfähigen PUR-Hartschaumdämmplatte nahezu gleich. Andere Untersuchungen sollen belegen, dass Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen ( z.B. Holzfaserdämmstoffe) für den sommerlichen Wärmeschutz besser geeignet sind. Hier wird argumentiert, dass wärmespeicherfähige Dämmstoffe die Hitze "abpuffern" und mit geringerer Temperatur in einer zeitlichen Verzögerung an den Wohnraum abgeben. Die angestrebten Werte dieser "Zeitverschiebung" betragen 10 bis 14 Stunden. Das würde bedeuten, daß zum Beispiel die Mittagshitze, die zwischen 13 und 15 Uhr auf das Dach scheint, erst 10-14 Stunden später ( 23 bis 5 Uhr) an die Räume abgegeben würde. Zu diesem Zeitpunkt ist die Außentemperatur normalerweise aber bereits so abgekühlt, dass man die Wärme nach außen "weglüften" kann.

Was auch immer die richtige Ansicht ist, eines aber ist sicher: Eine "richtig ausgeführte" Wärmedämmung, egal mit welchem Dämmstoff, ist auf jeden Fall notwendig für den sommerlichen Wärmeschutz. Dazu gehört beispielsweise auch die Luft- und Winddichtigkeit. Die luftdichte Ausführung des Dämmstoff-Einbaus ist Voraussetzung dafür, dass keine heiße Luft in das Gebäude herein kann. Schon eine ein Millimeter breite Fuge in einem ein Quadratmeter großen Bauteil sorgt dafür, dass fünfmal so viel Wärme in den Raum eindringen kann. Deshalb der Rat für Selbstbauer: Den Wärmeschutz unbedingt fachgerecht verlegen und sich vorher sorgfältig informieren und beraten lassen.