Solnhofer Platten und Jura Marmor -Kalkstein für Bodenbeläge und mehr

Kalkstein findet man fast überall auf der Welt und in vielen verschiedenen Farben. Das Farbspektrum reicht von schwarz über rot bis braun und gelb. Die große Masse der auf der Erde vorhandenen Kalksteine ist auf dem Meeresboden abgelagert worden und erst durch gebirgsbildende Vorgänge an die Oberfläche gekommen. Zwei sehr bekannte heimische Kalksteinarten sind Solnhofer Platten und Jura Marmor. Beide gibt es im Altmühltal, wobei die Solnhofer Platten sogar den Namen ihres Abbauorts tragen. Viele regionale Natursteinbetriebe sind seit jeher mit der Gewinnung und/oder Verarbeitung beider Kalksteine beschäftigt.

Solnhofer Platten
kalkstein01.jpg Der Solnhofer bzw. Solnhofener Plattenkalk ist ein extrem
dichter, sehr feinkörniger und homogener, cremefarbener bis blaßockergelber Kalkstein mit plattiger Absonderung. Wegen seiner ausgezeichneten ebenen Spaltbarkeit wird er daher auch als Solnhofer Schiefer bezeichnet. Das Gestein lagert in 7 mm bis 27 mm dicken Schichten, den "Flinzen". Die Flinze werden mit der Hand mittels Meißel und Brechwerkzeug abgehoben. Wegen der gleichmäßigen Dicke können die Solnhofer Platten problemlos verarbeitet werden. Zudem gelten sie als der härteste Kalkstein der Erde.

kalkstein02.jpg Entstanden sind die Solnhofer Natursteine vor etwa 150 Mio. Jahren in der Jurazeit. Damals war Europa weitgehend mit Wasser bedeckt. Senken und Wannen in der Landschaft um Solnhofen füllten sich Schicht um Schicht mit feinstem Kalksediment. Dazwischen gerieten Lebewesen wie Fische, Krebse oder Ammoniten, die in dem sauerstoffarmen und salzreichen Wasser nicht überleben konnten. Daher finden sich zwischen zwei Schichten häufig Fossilien, darunter auch der erste Archaeopteryx (Urvogel). Die Spaltflächen sind häufig mit farnähnlichen "Dendriten" gezeichnet. Diese feinen Verästelungen sind durch eingesickerte Eisen- und Manganlösungen entstanden, die sich in den feinen Rissen zwischen den waagerechten Schichten ausgebreitet haben.

kalkstein03.jpg Solnhofer Platten sind schon seit der Antike ein beliebtes Baumaterial. Die Römer verwendeten den Naturstein beispielsweise zum Auskleiden von Badebecken. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass Solnhofer Plattenkalk aufgrund seiner besonderen Dichte keine weitere Behandlung mehr benötigt. Das Material gelangt im bruchrauhen Zustand quasi direkt vom Steinbruch ins Badezimmer. Bei bruchrauher Oberfläche werden Solnhofer Platten als rutschhemmender Bodenbelag eingestuft und sind somit sehr gut für das Bad geeignet. Auch als Belag über einer Fußbodenheizung sind die Platten sehr gut geeignet. Bearbeitet sind Solnhofer Platten mit angeschliffener, feingeschliffener und polierter Oberfläche zu erhalten. Weitere Anwendungsbereiche neben Bodenplatten sind Wand- und Kaminverkleidungen, Setz- und Trittstufen, Treppensockel oder Fensterbänke.

Jura Marmor
kalkstein04.jpg Der sicherlich bekannteste deutsche Naturstein ist der Jura Marmor. Der Name ist allerdings mißverständlich, denn Jura Marmor ist kein Marmor, sondern ein Sedimentgestein, ein Kalkstein. Das Material wird in großen Blöcken in etwa 30 Steinbrüchen in Franken abgebaut. Nach dem Abspalten der Blöcke werden sie nach Größe und geologischer Gegebenheit aufgeteilt und im Werk zu 1 bis 4 Zentimeter dicken Rohplatten zersägt. Danach werden die Platten noch geschliffen und poliert. Es gibt Jura Marmor in verschiedenen Sortierungen wie Jura gelb, Jura grau-blau oder Jura grau-gelb-bunt, wobei die Übergänge fließend sind.

kalkstein05.jpg Entstanden ist Jura Marmor vor etwa 140 Millionen Jahren durch die Ablagerung von Kalkschlamm und Tonmineralen. Die einzelnen Lagen sind allerdings um einiges mächtiger als bei den Solnhofer Platten. Zudem erreicht der Naturstein auch nicht die Härte seines Nachbarn vom Altmühltal. Jura Marmor wird in der Innenarchitektur hauptsächlich mit polierter oder geschliffener, neuerdings auch mit "antiker" Oberfläche als Bodenbelag, Wand­bekleidung, Treppen­stufe oder Fensterbank verwendet. Im Außenbereich findet das Material als Fassaden­bekleidung für Massivbauten und als Dekora­tions­steine Verwendung. Die Oberfläche kann zudem durch Sandstrahlen, Stocken, Riffeln und Scharrieren bearbeitet werden.

Fotos:Stiegler-Natursteine