Selbstreinigende Oberflächen - wie geht das?

Es ist schon ärgerlich: Alles, was ständig der Atmosphäre mit Luft, Staub und Ruß ausgesetzt ist, wird langsam aber sicher schmutzig – egal, ob es sich um eine Palme, Gartenmöbel oder eine Hausfassade handelt. Wirklich alles? Nicht ganz: In der Natur beispielsweise gilt die Lotusblume als Saubermann: Kleine Wassertropfen reichen aus, um Schmutzpartikel aller Art von ihren Blättern abzuwaschen.

Eine faszinierende Fähigkeit. Die Bonner Biologen Wilhelm Bathlott und Christoph Neinhuis waren weltweit die ersten Wissenschaftler, die den sogenannten Lotus-Effekt sorgfältig studierten. Die Forschungen der beiden ergaben, daß in erster Linie eine besondere Mikrostruktur der Blattoberfläche dafür sorgt, daß Wasser und Schmutz keinen Halt auf den Blättern finden. 

Die Blattoberfläche ist dabei übrigens keineswegs besonders glatt oder rutschig: Vielmehr ist die Oberfläche mit mikroskopisch kleinen, palisaden-, spaghetti- oder bürstenförmig angeordneten Wachskristalloiden übersät. Schmutzpartikel aus der Luft kommen daher nur ganz selten in Kontakt mit der eigentlichen Blattoberfläche und bleiben daher nicht richtig haften. Ein Wassertropfen kann daher mühelos das Staubkörnchen oder die Pilzspore wieder abwaschen. Neben der Lotuspflanze bilden in der Natur übrigens vor allem kurzlebige Kräuter diese Schutzschicht gegen Schmutz, Pilze und Bakterien.

ispo1.jpgDer Lotus-Effekt: Wasser perlt an der beschichteten Fassade ab und nimmt Schmutzpartikel mit.

ispo2.jpgSo funktioniert's im Detail: Der Schmutz findet keinen Halt und wird vom Wassertropfen abgespült.

Nachdem der Lotusblume das Geheimnis entlockt wurde, ging es den Forschern darum, das Prinzip auch auf Farben und Lacke zu übertragen. Das ist erfolgreich geschehen; die Farbindustrie bietet inzwischen verschiedene Fassadenbeschichtungen mit Lotus-Effekt an, wobei Silikonharz ein wesentliches Additiv dieser Farben ist. Versuche mit Dachziegeln haben noch keine befriedigende Lösung erfahren. Bei Keramik-Badewannen und Waschtischen ist aber schon ein weitgehender Selbstreinigungseffekt erzielt worden; im Fachgroßhandel kann diese Sanitärkeramik bestellt werden.