Schornsteinfeger - vom schwarzen Mann zum Energiecoach

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Das Bild vom Schornsteinfeger als Glücksbringer muss inzwischen modifiziert werden. Wurde der Schornstein früher, als die Menschen mit Holz oder Kohle heizten und nicht selten Funken aus dem Kamin flogen, regelmäßig gefegt, so brachte das den Hausbesitzern Glück — die Gefahr, dass ein Haus abbrannte, war geringer, als wenn nicht gekehrt worden wäre. Die Sache stellt sich inzwischen anders dar. Stellen Sie sich vor, Sie müssten bei jedem Tanken noch die Autowäsche mitbezahlen, obwohl nichts gemacht wurde! Genauso geht es vielen Hausbesitzern jedes Jahr beim Besuch des Schornsteinfegers. Die Zeiten, in denen der Kaminkehrer nach dem Reinigen des Schornsteins rußgeschwärzt vom Dach hinabkletterte, sind vorbei. Denn moderne Heizungsanlagen dürfen nicht mehr rußen und dementsprechend fällt auch kein Ruß mehr an. Heute wird also weniger gekehrt, als vielmehr kontrolliert, und zwar der freie Querschnitt des Schornsteins, damit ein sicherer Abzug der Abgase gewährleistet bleibt.

Wie oft im Jahr welche Anlagen überprüft werden müssen und wie oft der Schornstein „gekehrt“ werden muss, legt die sogenannte Kehr- und Überprüfungsordnung (KÜO) fest, die seit Anfang 2010 für das gesamte Bundesgebiet gilt. Hat man beispielsweise einen offenen Kamin oder Kaminofen, der konventionell mit Holz befeuert und nur gelegentlich genutzt wird, muss der Schornsteinfeger nur einmal im Jahr kommen. Wird die Feuerstätte häufiger benutzt, ist auch der „schwarze Mann“ häufiger gefragt. Im Zweifelsfall hilft ein Blick in die Vorschrift, um genaue Informationen zu den Kehrintervallen zu bekommen.

Der Schornsteinfeger darf jetzt frei gewählt werden

Seit Anfang 2013 ist das sogenannte „Kehrmonopol“, das im „Dritten Reich“ erlassen worden war, Geschichte: War bis dato der Bezirksschornsteinfegermeister (BSFM) in der Pflicht, kann der Kaminkehrer jetzt frei gewählt und sogar aus dem Ausland anheuert werden. Mit der Konkurrenz fallen auch die Preise, und Verbraucher zahlen für Überprüfungs-, Kehr- und Messarbeiten schätzungsweise bis zu 30 Prozent weniger. Denn diese Tätigkeiten sind nicht mehr an eine feste Gebührenordnung gebunden.

Ganz auf den BSFM verzichten kann man jedoch nicht: Für alle „hoheitlichen“ Pflichten ist er nach wie vor zuständig. Darunter fallen z. B. die Abnahme von neu errichteten Feuerstätten und Schornsteinen sowie das Ausstellen eines Feuerstättenbescheides, in dem alles aufgelistet wird, was rund um den jeweiligen Kamin an Reinigungs- und Wartungsarbeiten vorzunehmen ist — auch wenn diese Tätigkeiten letzten Endes von einem anderen eingetragenen Schornsteinfegerbetrieb erledigt werden.

Weiterbildung zum Energiecoach

Der Wettbewerb stellt die Branche trotz alledem vor neue Herausforderungen: Rund 20.000 deutsche Schornsteinfeger erschließen sich derzeit neue Betätigungsfelder. Um in einem der 7.800 Kehrbezirke nicht den Anschluss zu verlieren, dürfen Schornsteinfeger laut neuem Gesetz zusätzliche Aufgaben wie etwa die Installation und Wartung von Heizungsanlagen wahrnehmen. Damit kommen sie natürlich mit den Heizungsbauern in Konflikt. Die Zunft hofft, die Zukunft des „schwarzen Mannes“ durch Energieberatung zu retten. Nach einer Weiterbildung darf der Kaminkehrer Vor-Ort-Beratungen anbieten, Heizungs-Checks durchführen und Modernisierungsempfehlungen geben. Ob der Hausbesitzer das jedoch goutiert, ist die Frage, haben sich doch schon zehntausende Elektriker, Heizungsbauer und sonstige Personen vom Fach zu Energieberatern ausbilden lassen. Man darf deshalb gespannt sein, wie sich die Dinge für die Männer mit den Zylindern entwickeln.