Schornsteinabdeckung - notwendig oder reine Zierde?

Schornsteinabdeckung Lässt man die Blicke über die Dächer schweifen, so fällt auf, dass einige Häuser eine Schornsteinabdeckung besitzen, die meisten Häuser jedoch nicht. Sind diejenigen Hausbesitzer ohne Haube auf dem Schornstein nun einfach leichtsinnig? Finden die Hausbesitzer mit Schornsteinabdeckung so eine Mütze einfach nur schick? Oder ist die Schornsteinabdeckung unbedingt notwendig? Aus Sicht der "Haubenfabrikanten" bestehen da natürlich keine Zweifel. Doch was sagen die Schornsteinfeger dazu? Wir haben beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks nachgefragt.
Die Hersteller von Schornsteinabdeckungen argumentieren damit, dass der Schornstein wie kein anderes Gebäudeteil von allen Seiten und zu jeder Zeit den zerstörenden Einflüssen von Wind und Wetter ausgesetzt sei. Wenn es dann in den Schornstein regne, sei der Versottung und damit der Zerstörung des Schornsteins Tür und Tor geöffnet. Hinzu komme, dass die Abgastemperaturen im Schornstein durch die modernen Heizanlagen immer niedriger würden. Dadurch könnten die Schornsteine nicht mehr abtrocknen, was durch das Wasser von oben natürlich noch verstärkt werde. Eine Schornsteinabdeckung würde die Lebensdauer eines Schornsteins daher um viele Jahre erhöhen.
So pauschal kann dies jedoch nicht beantwortet werden, so der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Ob eine Abdeckung benötigt werde, hänge von verschiedenen Faktoren ab, wie Material des Schornsteins oder der Lage des Schornsteins im Gelände, ferner von der Feuerungsanlage sowie von den klimatischen Verhältnissen. Eine Schornsteinabdeckung ist laut Verband dort sinnvoll, wo ungünstige Zugverhältnisse herrschen und der Einfall von Fallwinden die Zugverhältnisse beeinflussen oder sehr große Niederschlagsmengen in große Querschnitte einfallen und damit den Keller unter Wasser setzen können. Entbehrlich seien die Abdeckungen, wenn es allein darum gehe, die Lebensdauer des Schornsteins von 80 auf 120 Jahre zu erhöhen. Der Verband empfiehlt daher, erst den Bezirkschornsteinfeger zu fragen, ob überhaupt eine Schornsteinabdeckung benötigt wird. Nicht umsonst wird sie unter den Schornsteinfegern auch als "Wohlstandshaube" bezeichnet.

schornsteinabdeckung02.jpg Sollte ein Schornsteinabdeckung notwendig sein, so gibt es sie in unterschiedlichen Formen und aus verschiedenen Materialien. Besonders beliebt sind Abdeckungen aus Edelstahl oder auch Kupfer, denn die Materialien sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch sehr langlebig und wetterbeständig. Wie das in der Toskana aufgenommene Foto zeigt, gibt es aber auch sehr individuelle Schornsteinabdeckungen aus Keramik. Je nach Bedarf kann man die Abdeckungen entweder direkt auf den Schornstein anbringen oder man nimmt eine Kaminhaube.

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Dass unsere Nachbarn ebenfalls eher zögerlich eine Haube auf ihre Schornsteine setzen, kann man in Paris und anderen Großstädten besichtigen. Die Schornsteinrohre stehen in Reih und Glied, oft acht und mehr nebeneinander - aber nur gelegentlich findet man eine "Baskenmütze" aus Blech, die in Frankreich ringförmig um das Schornsteinrohr geklemmt wird. Bleibt bei alledem das Fazit zu ziehen: Wer seinen Schornstein unter die Haube bringen will, der richtet damit zumindest keinen Schaden an.