Schneechaos auf den Dächern, was kann man tun?

enormen Schneemassen Einstürzende Hallen, Hausbesitzer, die um ihre Dächer fürchten. Wohl noch nie hat Schnee die Menschen so in Angst und Schrecken versetzt, wie im Winter 2006. Die enormen Schneemassen sorgten dafür, dass zum Beispiel in Bad Reichenhall eine Eishalle, in Kattowitz eine Messehalle oder in Moskau eine Markthalle einstürzten. Und das sind nur die spektakulärsten Fälle, viele weitere kleinere Hallen sind eingestürzt. Auch viele Wohndächer drohten unter der Schneelast einzustürzen und mussten vom Schnee befreit werden. Nun stellt sich die Frage, wer oder was für die Einstürze verantwortlich ist. Ist es der Statiker, der die Dächer nicht richtig dimensioniert hat, sind es Materialfehler oder wurde die Wartung vernachlässigt? Gleichzeitig stellt sich die Frage, was getan werden kann, um solche Katastrophen oder Beinahe-Katastrophen von vornherein auszuschließen.

Unterscheidung zwischen Wohndächern und Hallendächern



Grundsätzlich muss man zwischen den Dächern von Wohnhäusern und von Hallen unterscheiden. Wohnhäuser haben meist Steildächer, auf denen sich der Schnee normalerweise nicht so hoch auftürmt, sondern eher als Dachlawine abrutscht. So waren Einfamilienhäuser bisher kaum von Einstürzen betroffen. Gleichwohl geht die Schneelast teilweise bis an die Belastungsgrenze oder darüber hinaus. Angeknackste Dachbalken und damit teure Sanierungsarbeiten sind die Folge. Nun sagen Sie sicherlich, dass es ja auch früher viel geschneit hat und es trotzdem nicht zu solchen Problemen gekommen ist. Ein Grund sind sicherlich die heute supergedämmten Dachflächen, die ein Abschmelzen des Schnees auf dem Dach durch Erwärmung vom Dachraum her unmöglich machen. Die Wärme wird einfach im Haus behalten, was aus energetischer Sicht durchaus wünschenswert ist, aber bei zunehmender Auflast durch den Schnee dramatische Folgen haben kann. So bleibt vielen Hausbesitzern nichts anderes übrig, als mit der Schneeschaufel bewaffnet aufs Dach zu steigen und den Schnee runter zu schippen.

Dachheizung als Lösung gegen Schnee auf dem Dach



Hier stellt sich die Frage, wie solche Aktionen verhindert werden können, denn der Normalbürger ist kaum in der Lage, solche halsbrecherischen Arbeiten zu verrichten. Ein Möglichkeit besteht sicherlich darin, die Dachbalken zu verstärken und damit tragfähiger zu machen. Das bedingt allerdings auch, dass die Außenmauern und das Fundament verstärkt werden müssen, um die zusätzlichen Lasten aufnehmen zu können. Alles in allem ist dies daher eine aufwendige und mit viel Materialeinsatz verbundene Angelegenheit. Die zweite Möglichkeit besteht darin, die Dachflächen zu beheizen. Die Firma Domoteck aus Österreich hat hierfür seit langem eine Lösung. Die Akzeptanz dafür war bisher allerdings nicht sehr hoch, da mit solchen Schneelasten nicht gerechnet wurde.

schneechaos02.jpg Durch eine entsprechende Regelung mit Feuchte und Temperatursensor kann es bei diesem System gar nicht zu Schneelasten kommen.

Da bereits während des Schneefalls die Heizung in Betrieb geht und den Schnee wegtaut.

Weiterhin müssen auch die Dachrinnen sowie sämtliche Fallrohre beheizt werden, um auch diesen Bereich frostfrei zu halten.

Auf der nebenstehenden Abbildung sehen Sie die Wirkungsweise einer solchen Dachheizung.
Die weitaus größeren Probleme gibt es allerdings mit Hallenbauten, die geradezu reihenweise einstürzten mit zum Teil katastrophalen Folgen und zahlreichen Toten. Grund für den Einsturz der Hallen war in den meisten Fällen nicht die Überschreitung der zulässigen Belastung. Gleichwohl kam es zum Konstruktionsversagen. Da die Hallen ähnliche Schneelasten bereits problemlos standgehalten haben, ist der Fehler nicht in der Statik zu suchen, zumal in Deutschland die Sicherheitsvorschriften sehr streng sind. Es gibt sehr detaillierte Normen und Aussagen zu den Fragen, wie viel Schneelast und Windbelastung das Dach einer Halle aushalten muss. Die Berechnungen berücksichtigen ungünstigste Lastkombinationen, wie sie in der Realität kaum je auftreten könnten: sehr viel Schnee plus sehr viel Wind und ähnliches. Und zusätzlich wird zu diesen Grenzwerten noch ein Sicherheitsfaktor berücksichtigt.

Leimbinder als Schwachstelle



Auffällig ist, dass viele eingestürzte Hallendächer von sogenannten Leimbinderträgern getragen wurden. Und obwohl die Verleimung dieser Träger haltbarer als die Holzstruktur sein sollte, hat sie versagt. Dies zeigten Untersuchungen an den eingestürzten Hallen ganz deutlich. Gründe für das Leimversagen dürften neben den wechselnden Belastungen auch die großen Temperaturwechsel an den Dächern im Jahresrythmus und vor allem die Feuchte durch Kondensat darstellen. Die Feuchtigkeit spielt in vielen Hallen wie Eis-, Schwimm- und Reithallen eine große Bedeutung. Findet keine entsprechende Belüftung statt, sind die Voraussetzungen für einen Feuchteangriff auf Holz, Stahl und Leim natürlich bestens.

Es muss daher eine viel kritischere Bauwerksinspektion als bisher erfolgen, sagt der Architekt und bundesweit anerkannte Spezialist für die Sanierung und Modernisierung alter Bauwerke Dipl.-Ing. Konrad Fischer. "Dabei kommt es vor allem auf die Durchfeuchtungsmerkmale und das Ermüden der bisher als sicher angenommenen Konstruktionen und Verbindungsmittel in allen Dachsystemen an, es sind ja sogar reine Stahldächer wie bei Kattowitz eingestürzt. Dabei dürfen auch die Zusatzbelastungen in mit Kondensat abgesoffenen Dachdämmungen nicht vergessen werden", so Fischer weiter in einem Interview mit der Zeitschrift "Bayerns Pferde".

Auslöser der Halleneinstürze war in allen Fällen die hohe Schneelast. Es stellt sich daher die Frage, warum es in öffentlichen Gebäuden nicht zur Bedingung gemacht wird, eine Dachflächenheizung einzubauen. Die Anschaffung und Verbrauchskosten stehen in keiner Relation zu den Räumungskosten. Wobei man von den Schäden an Menschen und Material gar nicht zu sprechen braucht.