Schnee auf dem Dach - Schäden erkennen, Gefahren beseitigen

schnee01.jpgDas Wetter schlägt in Deutschland Kapriolen. Aus den wärmer gewordenen Wintern darf man aber nicht folgern, dass der Schnee generell ausbleibt und unsere Hausdächer bald keine Schneelasten mehr tragen müssen. In Bayern sind Dachlawinen immer noch eine Gefahr und unter Schneelasten können ganze Hallendächer zusammenbrechen. Hat es stark geschneit und ist der Schnee 50 cm hoch (und mehr) auf dem Dach liegen geblieben, sollte der Hausbesitzer schauen, ob Schäden bei der Konstruktion und Statik des Dachstuhls, der Unterkonstruktion, der Dacheindeckung und der Dachentwässerung eingetreten sind. Nicht zu vergessen Schäden an Gauben und Solaranlagen, wobei es sinnvoll ist, sich auch einmal alle Dachbegriffe anzusehen, damit Hausherr und Dachdecker oder Zimmermann sich in derselben Terminologie bewegen.

Schneelasten bleiben heute länger auf den Dächern liegen, als noch vor zwanzig Jahren. Die Energieeinsparverordnung hat dafür gesorgt, dass die Dächer bestens wärmegedämmt sind und keine warme Luft aus dem beheizten Haus über das Dach entweichen kann. Solche Wärmeverluste trugen ehemals dazu bei, dass der Schnee auf den Dächern schmelzen konnte, ohne dass die Sonne und mildere Temperaturen zu Hilfe kommen mussten. Ein Grund mehr, nach heftigen Schneefällen das Dach zu inspizieren — aber als Hausherr auf keinen Fall auf dem Dach „herum turnen“.

Die Erkundung des Daches

Wer sich vergewissern möchte, ob sein Dach Schäden davon getragen hat, sollte kontrollieren lassen, ob es noch ein gleichmäßiges Bild abgibt oder Verformungen auftreten. Das betrifft nicht nur den Dachstuhl, sondern auch die Eindeckung. Liegen beispielsweise bei Ziegeldächern  noch alle Ziegel richtig oder gibt es Verschiebungen? Lücken erkennt man bei einem nicht verkleideten Dachstuhl besser, da die Dachkonstruktion innen einsehbar ist und das Tageslicht die beschädigte Stelle verrät. Dr. Thomas Oberst, Pressereferent vom TÜV Süd, rät Hausbesitzern zu überprüfen, ob in der Konstruktion Absplitterungen beim Holz oder gar Verdrehungen zu sehen sind. Einer Prüfung unterzogen werden sollten auch alle metallischen An- und Abschlüsse z.B. an Kaminen, Kehlen und Ortgängen. Wenn vorhanden, sollten auch Schraubverbindungen getestet werden, ob diese fest sitzen. Der Dachboden gibt noch weitere Hinweise auf eine Beschädigung. Wasserflecken oder -pfützen auf dem Boden können ebenfalls auf eine mögliche Beschädigung der Konstruktion hindeuten. Man sollte in einem solchen Fall jedoch mit Ruhe vorgehen und sich darüber vergewissern, ob nicht nur ein Leck in der Eindeckung die Ursache ist. Ist "nur" die Dacheindeckung oder die Dichtungsschicht beschädigt, ist eine Ausbesserung in der Regel mit wenig Aufwand zu bewerkstelligen. Auch die Entwässerung kann in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Die Halterung der Dachrinnen und Fallrohre kann durch herunter stürzende Schneemassen aus der Verankerung gerissen worden sein. Selbst eine beschädigte Rinne birgt eine Gefahr. Deshalb sollte auch darauf Augenmerk gelegt werden. Dr. Oberst rät, den Lauf des Regenwassers zu beobachten, ob es den beabsichtigten Weg nimmt oder ob wegen einer Beschädigung des Entwässerungssystems das Wasser an der Hausfassade herunter läuft.

Diskussion um risikobehaftete Dachformen

In den Medien werden neben Schadensbilanzen und Chaosbildern nach heftigen Schneefall auch grundsätzliche Fragen zu Dachkonstruktionen diskutiert, die häufig Verwirrung stifteten. Welche Dachtypen sind am ehesten von Schäden betroffen - wie sieht ein sicheres Dach aus? In den Schneeregionen war jede Dachform schwersten Lasten ausgesetzt. Die Extremwetterlage forderte die Dächer bis zur Belastungsgrenze heraus. Einige Lagerhallen oder Scheunen "erlagen" dem Druck von nassem Schnee und Eis. Einfamilienhäuser waren jedoch kaum von Einstürzen betroffen. Für den Fachmann vom TÜV Süd gibt es keinen Grund zur Panik: "Erst sollte der Hausbesitzer gründlich prüfen, ob er einen Schaden oder auffällige Hinweise erkennen kann. Dann sind passende Maßnahmen zu ergreifen."
Was machen, wenn ein Schaden besteht?
Die Experten von dach.de raten bei kleineren Beschädigungen zuerst die entsprechenden Fachhandwerker oder Planer des Objektes zu kontaktieren. Wenn sogar der Architekt, der das Haus geplant hat, kontaktiert werden kann, ergibt sich rasch ein klares Bild, da er anhand seiner Baupläne die Statik am besten beurteilen kann. Die Kosten für eine Überprüfung sind in vielen Fällen auch nicht allzu teuer, beziehen sich natürlich auf das jeweilige Objekt.

Was aber machen, wenn die Hinweise bei der Überprüfung des Daches einen größeren Schaden vermuten lassen? Dr. Oberst: "Wenn äußere Anzeichen auf eine Beschädigung der Dachkonstruktion hindeuten, sollte auf jeden Fall ein Statiker oder ein Sachverständiger - beispielsweise vom TÜV - hinzugezogen werden." Die Experten können in kurzer Zeit entscheiden, wie kritisch die Beschädigung ist und welche Schritte einzuleiten sind. Die Kosten für eine fachbetreute Begehung liegen bei etwa 500 bis 600 Euro je nach Gebäudegröße und Anfahrtsweg.

Weitere Informationen sind im Internet unter www.dach.de zu finden.