Schmutzige Fugen zwischen Fliesen und Naturstein

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Wahrscheinlich kennt jeder das Problem. Die neuen Fliesen im Bad wurden verlegt oder im Wohnraum Platten aus Estremoz-Marmor. Die Frage, welche Farbe die Fugmasse haben soll, entscheidet der Hausherr meist selbst. Ton in Ton oder hell bzw. dunkel kontrastierend, das ist hier die Frage. Ist das geklärt und die Fliesen bzw. Platten sind verfugt, herrscht eitel Sonnenschein. Aber nicht lange. Denn die Fugen werden schmutzig oder sogar bröselig, sofern Fugenmörtel auf Zementbasis verwendet worden ist — und das ist meistens der Fall. Bei Verwendung von Reaktionsharz-Fugenmörtel sieht die Sache zwar anders aus, aber diese haben andere, gravierende Nachteile, auf die wir noch zu sprechen kommen.

Beschäftigen wir uns zunächst mit dem ganz normalen „zementären“ Fugenmörtel. Mörtel enthält als Bindemittel Zement und Zement enthält u.a. fein gemahlenen Kalkstein, also Kalk. Neben weiß wird Fugenmörtel durch Beigabe von Farbpigmenten in unterschiedlichen Farbnuancen angeboten. Ärgster Feind des zementären Fugenmörtels sind flüssige Badreinigungsmittel, die auf den ersten Blick als ökologisch ideal erscheinen, denn sie enthalten Zitronen- oder Essigsäure. Das macht sie zu wunderbaren Kalklösern, mit denen Kalkablagerungen auf den Badarmaturen beseitigt werden können.

Bei der Reinigung von Fliesen oder Naturstein greifen die Säuren jedenfalls aggressiv den kalkhaltigen zementären Fugenmörtel an. Es kann zu Kalkausblühungen, Auswaschungen und kleinen Löchern kommen, die Fugen können bröselig werden. Im Klartext: Die Zementfugen bauen sich chemisch ab. Das Foto oben zeigt die Problematik: einige Stellen in der Fuge sind schwarz geworden, andere noch relativ hell, aber man sieht auch bröselige Strukturen. Wenn denn schon die Fugen gereinigt werden, dann bearbeiten Hausfrauen aus Unkenntnis den Marmor ebenfalls mit „Bioreinigern“, die die schon erwähnten kalklösenden Säuren enthalten. Damit schaden sie nicht nur den zementären Fugen, sondern auch dem Marmor selbst, denn dieser ist ein Kalkgestein.

Es gibt Produkte bekannter Hersteller, die ihren Bad-Reiniger bewerben mit „Entkalkt und entfettet“, die aber vergessen, auf die Flasche zu drucken „…und greift die Fliesenfugen an.“ Man kann auch in der Werbung für Reiniger z. B. auf einer Sprayflache lesen: „Alle …..Produkte wirken kraftvoll gegen Kalk und Schmutz und sorgen für strahlenden Glanz und ein rundum sauberes Badezimmer.“ Vergessen wurde hinzu zufügen „Führt bei längerer Anwendung zum Zerbröckeln der Fugen.

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Um sich den Ärger zu ersparen, sollte man also keine kalklösenden Reiniger über zementäre Fugenmörtel verreiben oder sprayen. Wenn die Fugen aber schon grau oder schwarz geworden sind, gibt es einige Verfahren, um die schlechte Optik zu verbessern. Kleine Stellen können mit einem Schmutzradierer bearbeitet werden.

Es werden auch Fugenreiniger angeboten und sog. Fugenfärber, die mit dem Pinsel oder der Spraydose auf die gereinigten Fugen aufgetragen werden, wobei die Farbe mit einem Schwamm in die Fuge eingearbeitet wird. Farbe, die auf die glasierte Oberfläche der Fliese gelangt ist (was sich ja nicht vermeiden lässt), kann abgewaschen werden. Nach Herstellerangaben sollen damit die Fugen bis zu 15 Jahre geschützt werden.

Statt Fugen irgendwann zu „renovieren“, ist es natürlich besser, von vornherein eine Fugmasse zu wählen, die problemlos mit allen Reinigern gereinigt werden kann, also chemikalienbeständig ist. Hersteller ARDEX hat hier (nach eigenen Angaben) die weltweit erste „Hybridfuge“ auf den Markt gebracht, die die positiven Eigenschaften eines zementären Mörtels und eines Epoxzidharz-Fugenmörtels miteinander vereint. Das Produkt ARDEX EG 8 ist bisher in sechs Farben lieferbar und für innen und außen und für Wand- und Bodenverfliesung geeignet.

Kommen wir nun zu dem eingangs schon erwähnten Reaktionsharz-Fugenmörtel, meistens Epoxidharz-Fugenmörtel genannt. Diese Produkte haben sich seit Jahren bewährt und werden nicht zuletzt im Außenbereich eingesetzt, da sie eine Durchwurzelung durch Unkraut etwa in einer gepflasterten Terrasse oder Garagenzufahrt unterbinden.

Im Innenbereich wird Epoxidharz-Fugenmörtel vor allem im gewerblichen Bereich eingesetzt wie z.B. für Schwimmbecken oder die Produktionshallen der Getränke- oder der chemischen Industrie. Dieses Fugmaterial dringt aber auch verstärkt in den Innenbereich von Wohnbauten ein, weil es mühelos gereinigt werden kann und alle Schäden, die durch unsachgemäße Behandlung von zementären Fugenmörteln entstehen können, von vornherein ausgeschlossen sind.

Der Nachteil ist aber, dass Epoxidharz-Fugenmörtel auf keinen Fall vom Heimwerker selbst in die Fugen eingespachtelt werden sollte. Denn das Material ist zum Zeitpunkt der Verarbeitung und auch noch bis zu sechs Tagen danach gesundheitsgefährdend. Der Körper des Verarbeites muss völlig geschützt werden, ganz besonders Augen, Arme und Hände. Und weil die flüchtigen Bestandteile des Harzes die Atemwege belasten, muss nicht nur für eine gute Belüftung gesorgt, sondern die Fliesenleger bei Großbaustellen auch nach drei Tagen ausgetauscht werden, um die Belastungen des einzelnen zu reduzieren.

Die Verarbeitung von Reaktionsharz-Fliesenmörteln ist wesentlich aufwändiger und anstrengender, als von zementären Fliesenmörteln. Auch der Heimwerker, der schon mehrere Räume auf herkömmliche Weise verfliest und verfugt hat, wäre mit der Handhabung und insbesondere der Entfernung des Epoxidharzschleiers, der sich mit dem Verfugen sozusagen automatisch auf den Fliesen einstellt, ganz erheblich überfordert.

Fotos: fotoatelier-schumacher.de / karldahm.com