Schimmelpilz - Wie anfällig sind Fertighäuser?

Susanne H.: Wir wollen bauen und überlegen die Vor- und Nachteile eines Fertighauses. Wir haben leider niemanden befragen können, der Langzeiterfahrung mit Fertighäusern hat (speziell von Firma N.N.) Wie ist das mit Schimmelpilz? Verziehen sich die Häuser mit der Zeit? Ziehen die Wände Wasser bei Rohrbruch usw.? Es wird immer nur geschwärmt, wie toll des mit dem Bauen ist, aber wie ist es nach 10 oder 20 Jahren? Was ist zu beachten?

Antwort von fertighaus.de: Der von Ihnen benannte Hersteller gehört zu den führenden in Deutschland - und das seit Jahrzehnten. Er wird Ihnen auch Kunden nennen können, die schon 10 oder 20 Jahre ein N.N.-Haus bewohnen. Bedenken Sie aber bitte, daß Fertighäuser heute mit anderen Materialien und zum Teil auch nach anderen, geänderten Auflagen und Normen gebaut werden. Sie können also ein 10 oder gar 20 Jahre altes Haus nicht mit einem vergleichen, das heute errichtet wird - obwohl die Konstruktionsweise weitgehend unverändert geblieben ist. Sie können auch ein 20 Jahre altes Massivhaus nicht mit einem vergleichen, daß heute mit ganz anderen Materialien gebaut wird.

Ihre Bedenken lassen darauf schließen, daß Ihnen der Berater einer Bauträgergesellschaft die Vorzüge des Massivbaus dergestalt schmackhaft gemacht hat, daß er auf angebliche Nachteile des Fertigbaus verwiesen hat. Die Mär vom Schimmelpilzbefall hält sich hartnäckig, ist aber barer Unsinn. Argumentiert wird, daß die Wände eines "Massivhauses" atmen. Die feuchte Raumluft könne also nach draußen entweichen, in einem Fertighaus jedoch nicht, was zu Schimmelbildung führe.

Nun,  kein e  Wand kann atmen - sie darf es auch nicht, denn sonst würde der Wind durch das Gemäuer fegen. Vorschrift ist inzwischen ja auch das winddichte Haus! Was mit "atmenden Wänden" gemeint ist, ist die Fähigkeit bestimmter Bausteine oder Putze, Wasserdampf aufzunehmen, der durch den Werkstoff "diffundiert". Für sich allein genommen, mag der eine oder andere Baustoff dazu in der Lage sein.

Uns ist aber noch  kein e  Massivwand benannt worden, bei der Wasserdampf diese verschiedenen Schichten (und ein Wandaufbau besteht aus vielen Schichten) von innen nach außen durchdringt:

a) Tapete, ev. moderne Steinchenbeschichtung
b) Tapetenkleber
c) Innenputz
d) Putzgrundierung
e) Mauerwerk (z.B. KS-Stein, Blähtonstein, Ziegelstein)
f) Kerndämmung (z.B. Styropor, Hartschaum)
g) Mauerwerk (z.B. Porenbetonsteine, -elemente)
h) Putzgrundierung
i) Außenputz
j) Fassadenbeschichtung (z.B. gegen Fassadendurchfeuchtung)

Der Wasserdampf müßte also zehn (oder auch "nur" acht) verschiedene Schichten "durchatmen", um dann aus dem Innenraum in die freie Landschaft zu geraten. Und gleichzeitig müßte das Mauerwerk so beschaffen sein, daß auf dem  umgekehrte n  Weg, also von außen nach innen,  kei n   Wasserdampf transportiert wird. Denn "merkwürdigerweise" hat auch die Außenatmosphäre die Angewohnheit, Wasserdampf zu bilden.

Sie haben recht, wenn Sie zu der Schlußfolgerung kommen: Da stimmt doch in der ganzen Argumentation etwas nicht!

Und wir sagen Ihnen, was nicht stimmt: Das Kondensat aus der feuchten Raumluft kann sich irgendwo niederlassen (bevorzugt hinter Schränken und in toten Ecken) und dort zu Schimmelbildung führen,  wei l  falsch oder zu wenig belüftet wird. Schimmelpilzbildung ist  kei n   typisches Problem des Fertighauses, sondern ein typisches Problem bei  alle n   Bauten, in denen zu wenig oder falsch gelüftet wird. Das wissen gerade die Fertighaushersteller und statten deshalb ihre Häuser mit einer ausgeklügelten Lüftungstechnik aus.

Im übrigen möchten wir einmal die ketzerische Frage stellen, was denn eigentlich mit einer Massivwand passiert, wenn der Wasserdampf von innen weiterwandert und dann statt auf Styropor auf die viel gelobten Naturdämmstoffe stößt, also auf Flachs, Zellulose oder Wolle. Falls der Dampf tatsächlich bis dorthin vordringt, was geschieht dann? Richtig! Der Naturdämmstoff wird feucht, er verklumpt, fällt zusammen oder verrottet und außerdem bildet sich Schimmel -  i n   der Wand.

Nun zum Thema "Verziehen sich die Häuser"? Fertighäuser werden in einer Holzrahmenkonstruktion gebaut, bei der die Hölzer bestimmte Standards hinsichtlich Qualität und gleicher Holzfeuchte erfüllen müssen. Kein Hersteller eines Qualitätshauses (schon gar nicht die Firma N.N.) verbaut frisch geschlagenes oder wochenlang im Regen liegendes Holz oder kombiniert solches Holz mit Hölzern, die nach strengen Kriterien gleichmäßig getrocknet worden sind. Es kann sich also gar nichts verziehen - es sei denn, die Erde bebt. Und dann haben Sie in einem Fertighaus die besseren Karten.

Bei einem Wasserrohrbruch läuft das Wasser (ob Fertighaus oder Massivhaus) in den Keller. Der ist üblicherweise allenthalben aus Beton. Sollte sich das Wasser aus irgendeinem Grund in einem Wohnraum stauen, kommt es zu einem Bauschaden - auch beim Massivhaus. Und je nach Dämm-Material, das bei einem Massivhaus ja dasselbe sein kann wie bei einem Fertighaus, saugt sich dieses mit Wasser voll. Dann muss saniert werden. Wie auch das Auto saniert werden muss, das in einen Kanal fällt.

Rechnen Sie nicht mit dem "GAU", dem größten anzunehmenden Unfall. Rechnen Sie damit, in ein schönes, trockenes Haus einzuziehen und im Reklamationsfall  eine n   Ansprechaprtner zu haben und nicht sechs oder dreizehn (Handwerker), die sich gegenseitig die Schuld zuschieben.