Schallminderung in einem Galeriehaus

Frage von Holger D.: In unserem Haus, E+1 Vollgeschoss, befindet sich im Wohnzimmer ein Deckendurchbruch (Galerie). In diesem Bereich haben wir ein starkes Nachhall- bzw. Schallproblem, bedingt durch die Raumhöhe von ca. 5,40 m. Da Schall durch Masse gemindert wird haben wir überlegt, ob das Aufhängen von schweren Bilderrahmen etc. (mit Stahlseilen von der Decke abgehängt und somit als Vorsatzschale entkoppelt) etwas zur Schallminderung beiträgt. Bilderrahmen mit Noppenschaumfüllung und Jutebespannung brachten nicht das gewünschte Ergebnis. Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Antwort von Philipp: Es geht hier nicht um eine Schalldämmung aufgrund von störendem Lärm "von irgendwoher", sondern es geht um ein Problem der Raumakustik. Jeder hier erteilte Rat kann gut und kann falsch sein. Man kann mit Akustikplatten, Tüchern und was weiß ich experimentieren, das bringt nur Stress und sicherlich kaum ein Ergebnis. Sie müssen einen Raumakustiker hinzuziehen.

Antwort von Fritz: In einem finnischen Konzertsaal wurden bewegliche Holzlamellen eingebaut und an strategischen Flächen an den Wänden und an der Decke befestigt. Das wurde natürlich vorher peinlich genau berechnet. Je nach Stärke des Orchesters und Art der Musik, die in dem Saal gespielt wird und der Instrumente, die eingesetzt werden, können die Holzlamellen verstellt werden, so dass die Zuhörer von einem Blasorchester genau so optimal beschallt werden, wie von einem Sinfonieorchester. Ich berichte das nur, damit Sie sehen, dass Eigenleistungen zur Lösung des Problems mutmaßlich nicht ausreichen werden. Ich kann Ihnen natürlich raten, in dem Saal eine Art Zeltdach, also ein überdimensionales Himmelbett aus Stoff einzubauen. Das wird den Nachhall dämmen oder verhindern, aber wie sieht der Raum dann aus und wer will die riesigen Staubfänger reinigen?

Antwort von Martin: Hier tritt nicht das Problem der Schallminderung auf (das hätten Sie, wenn der Schall über die Wände in die Nachbarzimmer weitergegeben wird). Hier haben Sie das Problem der Schallreflexion ("Hall", "Echo"). Dieses können Sie nicht durch Masse entkräften, sondern einzig durch SchallBRECHUNG. Tonstudios benutzen dazu die Schaumstoffkegel oder -pyramiden an den Wänden. Ihr Problem ist also: die glatten Wände (bzw Decke) reflektiert die Schallwellen zurück. Hier hilft Ihnen keine Vorsatzschale, sondern nur eine Oberfläche, die nicht glatt, großflächig und hart ist. Also helfen zum Beispiel Wandbespannungen, Vorhänge, aber auch "kleinformatigere" Gegenstände (womit auch bullige Kleiderschränge, Antiquitäten usw. gelten, denn "kleinfomatig" bezieht sich auf m2-Fläche senkrechte Wand). Teppiche (und auch Wandbilder, die ruhig an der Wand befestigt sein dürfen!) sind ebenfalls eine Möglichkeit, wenn auch mit erheblich geringerem Umfang. Mit diesem Anregungen sollten Sie das Problem gelöst bekommen. Philiip hat insofern recht, dass Akustikprobleme in großen Konzerthallen und -sälen schwer in Griff zu bekommen sind. Aber auch Raumakustiker blamieren sich dort gerne, da es sich dort um die Problemzonen "Tonüberlagerungen" handelt, bei denen die tatsächliche Akustik sich bislang den theroretischen Berechnungen noch entzieht. Dies Problem haben Sie nicht. Für Ihre Galerie tut's auch zum Beispiel ein großer Wandteppich (die Microsorber Teflonfolie von Kaefer funktioniert übrigens genau nach diesem Prinzip) um die großen Wandflächen zu dämpfen. Wie wäre es mit einem großen Bildteppich für die Wand (kann in jeder Behindertenwerkstatt mit Weberei beauftragt werden)?