Regenwasserspeicher für Haus und Garten lohnt sich

regenwasser2.jpg

Die Wasserpreise steigen unaufhaltsam, das Grundwasser sinkt und alle paar Jahre spricht man von einem neuen Jahrhunderthochwasser. Dies sind einige der Gründe, sich intensiver mit der Nutzung von Regenwasser zu beschäftigen. Zunächst stellt sich die Frage, wie Grundwasser und Hochwasser mit der Regenwassernutzung zusammenhängen. Prinzipiell gibt es den Zusammenhang auch nicht oder zumindest gab es ihn früher nicht. Früher versickerte das Regenwasser problemlos in der Erde und der Grundwasserpegel blieb konstant. Heutzutage kann das Regenwasser nicht mehr so einfach versickern, da es immer mehr versiegelte Flächen gibt. Möchten Sie mehr die Entsiegelung von Flächen erfahren, sind Sie in unserem Portal an der richtigen Quelle. Gebäude, Straßen und Plätze versperren dem Wasser den Weg nach unten.

Das Regenwasser gelangt daher direkt in die Kanalisation und wird gegebenenfalls (bei einer Mischkanalisation) mit dem Abwasser gemischt. Bei starkem Regen ist die Kanalisation überlastet. Auch Regenüberlauf- oder Regenrückhaltebecken, die normalerweise als Puffer zwischen Kanalisation und Kläranlage dienen, sind überfordert. Das Mischwasser wird somit ungeklärt direkt in die Flüsse geleitet, deren Pegel in ungeahnte Höhen klettern. Die Auswirkungen sind in immer kürzeren Abständen zu beobachten. Ein weiterer "Nebeneffekt" ist der gleichzeitig sinkende Grundwasserpegel. Dies ist schlecht, denn je mehr der Grundwasserpegel sinkt, desto knapper wird das Trinkwasser und um so teurer wird die Bereitstellung.

Trinkwasser sparen

Trinkwasser sparen sollte aus den zuvor genannten Gründen die Devise lauten. Dies kann auf verschiedene Weise geschehen. Ein tropfender Wasserhahn kann bis zu 5.000 Liter im Jahr verschwenden. Eine neue Dichtung bewirkt da Wunder. Moderne Spülkästen brauchen pro Spülgang etwa 5 Liter weniger Wasser als ältere Modelle. Ist der Spülkasten undicht, können bis zu 20 Liter bestes Trinkwasser in einer Stunde ins Abwasser gelangen. Wieviel das in einem Jahr ist, kann sich jeder selbst ausrechnen. Durch den Einsatz von Durchflussbegrenzern lassen sich in einem 4-Personen Haushalt täglich bis zu 15 Liter Wasser sparen. Beim Zähneputzen oder beim Einseifen unter der Dusche muss der Wasserhahn nicht permanent laufen. Für ein Vollbad benötigt man dreimal soviel Wasser wie bei einer Dusche. Und wird der Garten während der größten Hitze gegossen, verdunstet das Wasser, bevor die Pflanzen etwas davon haben.

Es stellt sich die Frage, warum Pflanzen überhaupt Trinkwasser benötigen. Mit Regenwasser wachsen sie mindestens ebenso gut. Die Gartenbewässerung mit Grauwasser ist auch eine sinnvolle Alternative. Auch die Wäsche wird mit Regenwasser porentief sauber. Zudem ist in Regenwasser wesentlich weniger Kalk enthalten. Das freut die Maschine und ärgert die Hersteller von Produkten, die Kalkablagerungen verhindern sollen. Weiterhin lässt sich Regenwasser für die Toilettenspülung verwenden. Den Fäkalien ist es egal, wie sie in die Kanalisation gelangen. Selbst das Auto, von vielen sorgsamer gepflegt als sich selbst, wird mit Regenwasser blitzblank. Nur zum Kochen, Duschen, Zähneputzen usw., also überall, wo man direkt mit dem Wasser in Kontakt kommt und wo Dinge hygienisch sauber sein müssen, muss Trinkwasser verwendet werden.

Nutzung von Regenwasser - lohnt sich das?

Durchschnittlich verbraucht jeder Bundesbürger etwa 125 Liter Wasser pro Tag. Davon sind etwa 50 Liter durch Regenwasser zu ersetzen. Bei einem Hausbesitzer mit großem Garten, und nur für den ist die Nutzung von Regenwasser wirklich interessant, ist der pro-Kopf-Verbrauch sicherlich höher. Geht man dort von 60 Litern Regenwasser pro Person und Tag aus, sind das bei einer vierköpfigen Familie 87.600 Liter pro Jahr, die durch Regenwasser ersetzt werden können. 87.600 Liter entsprechen 87.6 m³. Bei einem Preis von etwa 2 Euro für einen Kubikmeter, kommt man auf eine Einsparung von etwa 175 Euro im Jahr. Die Kosten für den Bau eines Regenspeichers inklusive Technik betragen je nach Eigenleistung zwischen 2.500 und 5.000 Euro. Hinzu kommen Wartungskosten, die im Jahr ebenfalls bis zu 100 Euro ausmachen.

Wenn man allein die Zahlen betrachtet, würde sich eine Regenwassernutzungsanlage nicht lohnen, da es relativ lange dauert, bis sich die Anlage amortisiert. Doch erstens weiß man nicht, wie sich die Wasserpreise in den kommenden Jahren entwickeln werden und zweitens kommt der ökologische Aspekt hinzu. Das Regenwasser wird auf dem Grundstück zurückgehalten, die Kanalisation entlastet und die Hochwassergefahr sinkt. Zudem kommt das Abwasser weniger verdünnt in der Kläranlage an, wodurch das Reinigungsergebnis verbessert wird. Bei ganz starkem Regen läuft die Zisterne allerdings voll und das Wasser gelangt dennoch in die Kanalisation.

Dies kann durch eine nachgeschaltete Versickerungsanlage verhindert werden. Darüber hinaus ermöglicht die Versickerung von Regenwasser die Abkopplung vom Kanalnetz und ist vorteilhaft für den lokalen Wasserhaushalt. Durch die Abkopplung vom öffentlichen Kanalnetz muss die Höhenlage der Kanalisation zudem nicht mehr berücksichtigt werden. Dies erleichtert die Planung um einiges. Auch die notwendige Sicherung der Anlage gegen Rückstau aus dem Kanal entfällt. Eine gemeinsame Ausführung von Regenwassernutzungs- und Regenwasserversickerungsanlage spart zudem Baukosten und die Abwassergebühren und -beiträge werden gegebenenfalls günstiger. Nicht überall, denn manche Gemeinden verlangen auch Abwassergebühren für das Regenwasser.

Auf jeden Fall lohnt es sich jedoch, bei der Gemeinde nachzufragen, welche Förderungen und Vergünstigungen beim Bau einer Regenwassernutzungsanlage gewährt werden. Mit Ausnahme der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bremen ist das nämlich Sache der Kommunen. In Nordrhein-Westfalen werden Maßnahmen zum Regenwasserschutz mit bis zu 1.500 Euro gefördert, in Bremen beträgt die Förderung 2.000 Euro bzw. maximal ein Drittel der förderfähigen Kosten. In allen anderen Bundesländern entscheidet die Gemeinde, ob und wie gefördert wird.

So funktioniert eine Anlage zur Regenwassernutzung

regenwasser3.gif Wie eine Anlage zur Regenwassernutzung funktioniert, ist auf der Abbildung zu sehen, die uns von Mall Umweltsysteme zur Verfügung gestellt wurde. Das Regenwasser wird von den Dachflächen aufgefangen und über Fallrohre in den Speichertank geleitet. Der Speichertank kann entweder aus Beton oder aus Kunststoff (PE), im Garten oder im Gebäude untergebracht sein. Den Tank im Garten unterzubringen ist jedoch auf alle Fälle die bessere Lösung. Erstens nimmt er keinen Platz im Gebäude weg und zweitens sollte Wasser von draußen nicht in das Gebäudeinnere geleitet werden. Kommt der Tank dennoch ins Gebäude, muss er auf alle Fälle aus Kunststoff sein.

Im Freien haben sich PE und Beton gleichermaßen bewährt. PE-Speicher können leicht per Hand transportiert werden. Sie eignen sich daher besonders für den Einbau im Gartenbereich oder schwer zugänglichen Grundstücksbereichen. Nicht geeignet sind PE-Speicher, wenn über dem Speicher die Garageneinfahrt liegt und die Belastungen größer werden. In diesem Fall sind Regenspeicher aus Beton notwendig. Beton ist zudem langlebig sowie widerstandsfähig gegen Frost und aggressive Stoffe im Boden. Ob Kunststoff oder Beton - der Speicher sollte auf alle Fälle in einem Guss gefertigt sein. Bei Speichern aus Betonringen ist selbst bei fachgerechter Verarbeitung langfristig keine Dichtheit garantiert. Durch Feuchtigkeit kann es zu Spannungen und damit zu undichten Fugen kommen. Auch nachträgliche Erdsetzungen können Fugen undicht werden lassen.

Wichtiger Bestandteil der Anlage ist der Filter, der das Dachablaufwasser vor dem Eintritt in den Speicher filtert. Der Feinfilter sollte grobe und kleine Partikel zuverlässig entfernen. Gleichzeitig sollte er jedoch auch wartungsarm sein - das Filtersystem darf sich nicht zusetzen, verkeimen oder veralgen. An vielen Filtern sammelt sich Schmutz an, dieser löst sich mit der Zeit auf und gelangt in den Speicher. Deshalb sind solche Filtersysteme ideal, die sich selbst reinigen wie beispielsweise Rohrfilter. Bei diesem Filtersystem wird der grobe Schmutz getrennt und direkt in den Kanal abgeleitet.

Weiterhin benötigt der Speicher eine Belüftung und einen Überlauf. Der Überlauf leitet überschüssiges Regenwasser in den Abwasserkanal oder, was besser ist, in eine Sickergrube. Bei Anschluss an einen Abwasserkanal muss ein Geruchsverschluss eingebaut werden. Darüber hinaus verhindert der Überlauf einen unkontrollierten Wasseraustritt aus dem Speicher. Nicht immer regnet es die Menge, die benötigt wird. Daher besitzt eine Regenwassernutzungsanlage eine Trinkwassereinspeisung, so dass auch bei einer Trockenperiode immer genügend Wasser vorhanden ist. Es darf jedoch keine feste Verbindung zwischen dem Trinkwasser- und dem Brauchwassernetz bestehen. Das Trinkwasser muss frei in den Speichertank laufen.

Kernstück der Anlage ist die Pumpe. Je nach Anlage können unterschiedliche Pumpentypen verwendet werden. Auf alle Fälle sollten es jedoch hochwertige Pumpen mit einem hohen Wirkungsgrad, einer geringen Geräuschentwicklung und einem geringen Stromverbrauch sein. Mehrstufige Kreisel- oder Kolbenpumpen erfüllen diese Kriterien. Sie sind bei der Anschaffung zwar teurer, doch der hohe Verschleiß und der häufige Ausfall von Billigpumpen machen das mehr als wett. Die Pumpen können sich entweder direkt im Wasser (Tauchpumpen) oder außerhalb des Speichers (Saugpumpen) befinden.

Größe des Regenspeichers und rechtliche Vorgaben

Die Größe des Regenspeichers hängt von den vorhandenen Dachflächen, der Jahresniederschlagsmenge für das jeweilige Gebiet, der Anzahl der im Haushalt lebenden Personen und einigen weiteren Faktoren ab. Ganz grob lässt sich die Größe des Regenspeichers mit 1,5 m³ bis 2 m³ pro Person im Haushalt abschätzen. Mit dem Berechnungsprogramm von Mall lässt sich die erforderliche Größe des Speichers ganz genau ermitteln. Im Zweifelsfall sollte man den Speicher jedoch lieber eine Nummer kleiner wählen. Zu große Speicher laufen selten über, die Schwimmschicht kann daher nicht abgeschwemmt werden und das Wasser beginnt zu faulen.

Für den Bau einer privaten Regenwassernutzungsanlage ist in den meisten Bundesländern keine Baugenehmigung notwendig. Der Bau und Betrieb einer solchen Anlage darf auch nicht verweigert werden, da der Wasserversorger eine Bezugsbeschränkung auf einen Teilbedarf zulassen muss. Gegenüber dem Wasserversorgungsunternehmen bzw. der zuständigen Gemeindeverwaltung besteht eine Mitteilungspflicht. Seit dem 01.01.2003 muss auch dem Gesundheitsamt die Inbetriebnahme einer Anlage angezeigt werden. Dies gilt ebenfalls für bereits bestehende Regenwassernutzungsanlagen. Wird die Anlage stillgelegt oder wechselt die Anlage den Besitzer, so ist das dem Gesundheitsamt innerhalb von drei Tagen mitzuteilen.