Regenwassernutzung — der Umwelt und dem Geldbeutel zuliebe

RegenwassernutzungDer verantwortungsbewusste Umgang mit natürlichen Ressourcen ist ein großes Thema unserer Zeit. Inzwischen vergeht kein Sommer mehr, in dem keine Keller durch schwere Unwetter unter Wasser gesetzt und kleine Flüsse zu reißenden Strömen werden. Regenwasser ist also genügend da, aber es wird unzureichend genutzt zu Lasten des Preises, den wir alle für unser Trinkwasser zahlen müssen. Es ist also mehr als sinnvoll, einen Regenwasserspeicher im Garten „einzubuddeln“. Bis zu 80.000 Liter Trinkwasser kann ein 4-Personen-Haushalt im Jahr sparen, wenn man das Regenwasser nicht durch die Kanalisation jagen, sondern sinnvoll nutzen würde. Denn das geradezu Verrückte an unserem sorglosen Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser liegt ja darin, dass einerseits die Regenfälle zunehmen, andererseits aber die Grundwasserstände sinken, das Wasser also auch bei uns knapper und immer teurer wird. Es liegt auch keine Logik in dem Verfahren, die Regenmengen vom Dach in die Kanalisation zu leiten und von dort aus in die Kläranlage, wobei wir dann aufwändig aufbereitetes Trinkwasser zurück erhalten, das wir anschließend als Gießwasser auf dem Rasen verteilen. 

Bei Starkregen, wie er bei uns immer öfters auftritt, ist die Kanalisation allenthalben überlastet ist und Regenüberlaufbecken sowie Regenrückhaltebecken können ihrer Aufgabe als Puffer zwischen Kanalisation und Kläranlage nicht mehr nachkommen. Die großen Wassermengen werden nicht mehr kontrolliert der Kläranlage zugeführt und landen ungeklärt in den Flüssen, deren Pegel dadurch natürlich stark ansteigt. Ein Grund für die Überlastung der Kanalisation ist in der zunehmenden Flächenversiegelung zu finden. Wo früher das Regenwasser ungehindert versickern und das Grundwasser anreichern konnte, wird es heute durch Straßen, Dachflächen und zubetonierte Einfahrten daran gehindert und landet in der Kanalisation. Wie man auf seinem eigenen Grundstück, seinen Betrag zur Entsiegelung leisten kann, wird in dem Beitrag "Der Flächenversiegelung entgegenwirken" beschrieben. 

Regenwasser speichern, Trinkwasser sparen, sollte daher die Devise lauten. Das fängt im eigenen Haushalt beim tropfenden Wasserhahn an, der im Jahr bis zu 5.000 Liter Wasser vergeuden kann. Oft muss nur die Dichtung ausgetauscht werden, die es für wenige Cent im Fachhandel gibt. Auch bei der Toilettenspülung kann jede Menge Trinkwasser gespart werden, wobei sowieso die Frage ist, warum wir für die WC-Spülung kostbares Trinkwasser statt Regenwasser nehmen. Generell benötigen moderne Spülkästen 5 Liter Wasser weniger, als ältere Modelle. Und ist der Spülkasten undicht, fließen bis zu 20 Liter Wasser in der Stunde einfach so ins Abwasser. Auch der Einsatz von Durchflussbegrenzern trägt zum Wassersparen bei. Auf die Wasserhähne geschraubt, lassen sich bei einem 4-Personen-Haushalt täglich bis zu 15 Liter Wasser sparen. Weniger Baden, mehr Duschen und beim Einseifen das Wasser abstellen, sind weitere Maßnahmen, die ganz einfach getroffen werden können und die sehr effektiv sind. Wenn aus Regenwasser Trinkwasser werden soll, so kann das mit einer Trinkwasseraufbereitungsanlage im eigenen Haus geschehen. 

Die unterirdische Tankstelle Ein richtiger dicker Brocken beim Umweltschutz ist aber die Regenwassernutzung. Regenwasser aus dem Regenspeicher kann unbedenklich für Toilettenspülung, Waschmaschine und Gartenbewässerung genutzt werden; Hersteller dieser Systeme haben den prägnanten Begriff der unterirdischen Tankstelle für Regenwasser geprägt. Die Nutzung des von Natur aus weichen Regenwassers ist ideal für die Gartenbewässerung. Das weiche Regenwasser sorgt auch dafür, dass die Waschmaschine weniger schnell verkalkt und man sich Chemikalien gegen Kalkablagerungen sparen kann - und die Wäsche wird trotzdem porentief sauber. Nur zum Kochen, Duschen, Zähneputzen usw. sollte Trinkwasser verwendet werden. Wenn man bedenkt, dass Trinkwasser nirgendwo in der Welt so teuer ist, wie ausgerechnet im relativ regenreichen Deutschland, lässt sich pro Jahr durch "Regenwasserbewirtschaftung" gutes Geld einsparen. Bei einem Kubikmeterpreis von knapp unter zwei Euro und einer Trinkwassereinsparung von 80 Kubikmetern, sind es etwa 160 Euro, die in der Haushaltskasse verbleiben können. 

Zisternen Hinzu kommt, dass die Gemeinden Abwassergebühren für das in die Kanalisation abgeleitete Regenwasser verlangen. Bemessen wird die Gebühr anhand der versiegelten Flächen wie Dächer, Terrassen oder Zufahrten. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in dem Beitrag "Der Abwassergebühr bzw. Entwässerungsgebühr entgegenwirken". Der Gebührenfalle entgehen kann der Hausbesitzer erst recht, wenn er das Regenwasser, sofern es vom Dach fließt, in einem Regenwasserspeicher auffängt und/oder es gezielt versickert. Mehr über die verschiedenen Methoden der Versickerung erfahren Sie in dem Spezialbeitrag "Gezielte Regenwasserversickerung im Garten". Doch zurück zur Regenwassernutzung und den Regenwasserspeichern, in die das aus den Fallrohren der Dachentwässerung ablaufende Wasser eingeleitet wird, wie auf der Skizze des Systemanbieters Mall zu sehen ist. Die Regenwasserspeicher — auch Zisternen genannt - Diese gibt es entweder aus Beton oder Kunststoff (PE) und sie werden meistens unterirdisch im Garten und eher selten im Gebäude selbst untergebracht. Kunststoff und Beton haben sich im Garten gleichermaßen bewährt. Kunststoffspeicher sind besonders leicht und handlich, sie werden insbesondere im Gartenbereich und bei schwer zugänglichen Stellen gerne verwendet. Betonspeicher spielen dort ihre Vorteile aus, wo es um hohe Belastungen geht, wie zum Beispiel unter einer Garageneinfahrt. 

Einrichtung von RegenspeichernEgal ob Kunststoff oder Beton — der Regenspeicher sollte pro Person im Haushalt etwa 2 Kubikmeter aufnehmen können. Zur Ausstattung gehört ein Filter, der das Dachablaufwasser vor Eintritt in den Speicher säubert. Eine Pumpe, Belüftung und ein Überlauf sind weitere wichtige Bestandteile eines Speichers. Der Überlauf leitet überschüssiges Regenwasser in den Abwasserkanal oder, was noch besser ist, in eine Sickergrube. Der Bau einer Regenwassernutzungsanlage ist in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei. Allerdings muss vor Errichtung einer solchen Anlage beim kommunalen Wasserversorger ein Antrag auf Teilbefreiung vom Anschluss- und Benutzungszwang gestellt werden. Die Genehmigung ist eine reine Formsache. Zudem ist nach der Trinkwasserverordnung bei Inbetriebnahme, Stilllegung oder baulichen Veränderungen einer Regenwassernu-tzungsanlage eine Mitteilung an das zuständige Gesund-heitsamt zu richten. In vielen Regionen Deutschlands wird die Regenwassernutzung durch die Städte, Gemeinden oder durch die Länder gefördert. Eine Anfrage sollte an das zuständige Bau- und Umweltamt gestellt werden. 

Nicht jeder möchte bei der Regenwassernutzung gleich groß einsteigen. Ihnen reicht es, wenn sie kostenloses Gießwasser vom Himmel erhalten. Im Fachhandel gibt es spezielle Regensammler, die ins Fallrohr der Dachrinne eingebaut werden. Bei guten Sammelsystemen liegt der Wirkungsgrad bei über 90 Prozent. Das bedeutet: nahezu die gesamte Wassermenge, die durch das Fallrohr fließt, wird durch den Regensammler aufgefangen und in eine Tonne abgeleitet. Zudem sollten Regensammler mit einem Überlaufstop ausgerüstet sein, der verhindert, dass die Tonne überlaufen kann. Dieser funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren: Regensammler und Tonne sind durch ein Schlauchstück miteinander verbunden. Sobald der Wasserspiegel in der Tonne die maximale Füllhöhe erreicht hat, fließt das Regenwasser durch das Fallrohr in die Kanalisation. Optimal ist bei einem Regensammler ein selbstreinigendes Filtersystem. Es sorgt dafür, dass die Regentonne stets mit sauberem Wasser gefüllt wird und Verunreinigungen in den Kanal abgeleitet werden.