Reetdach chemisch behandeln ?

Hans-Otto K.: "Ich wohne in Friesland und habe mich für meinen Neubau zu einem Reetdach entschlossen. Nun bin ich mir aber nicht schlüssig, ab ich das Reet irgendwie chemisch behandeln soll, um die natürliche Verrottung hinauszuzögern. Wozu raten Sie?"

Werner: Ich rate dazu, das Reetdach zu imprägnieren, um erstens die Entflammbarkeit herabzusetzen, zweitens die Dachhaut wasserabweisend zu machen und drittens diese dadurch vor Verwitterung zu schützen. Die im Handel befindlichen Mittel haben außerdem noch einen "bitteren Warngeschmack" und schrecken so die Vögel davon ab, sich im Reet einzunisten oder auf dem Dach niederzulassen.

Die Reetbündel können vor dem Anbringen auf dem Dach in einem Tauchbad imprägniert werden (beste Methode). Das Reet kann aber auch später noch durch Aufspritzen imprägniert werden. Das sollte jedoch nur an trockenen Tagen passieren, da Regen - sofern er vor dem Eintrocknen der Imprägnierung fällt - die Chemikalie auswaschen kann.

Du musst natürlich bedenken, dass nach dieser Maßnahme ein Reetdach nicht mehr als ökologisch bezeichnet werden kann. Um der in den letzten Jahren stark diskutierten vorzeitigen Verrottung von Reetdächern durch Pilze vorzubeugen, wird wohl nur die chemische Keule übrig bleiben. Oder eine Dacheindeckung durch Dachpfannen aus Ton.