Putzrisse in der Fassade und in Innenwänden - was tun?

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Es ist wie beim Menschen. Bekommt die Haut Risse, wird sie unansehnlich. Dies ist bei der Außenhaut des Hauses, nämlich dem Putz, nicht anders. Doch Putzrisse sind nicht nur ein Schönheitsfehler. Auf Dauer sind Schäden an der Bausubstanz vorprogrammiert. Deshalb sollte man Risse in der Putzfassade auf jeden Fall instand setzen. Da aber Putzriss nicht gleich Putzriss ist, stellen wir Ihnen die verschiedenen Rissarten vor und berichten auch etwas zur Entstehung von Putzrissen. Mit dieser Erläuterung wollen wir den Bauherrn für das Thema sensibilisieren, aber auch beruhigen. Nicht jeder Riß deutet darauf hin, daß gewichtige Schäden vorliegen oder gleich das ganze Haus zusammenstürzt. Die letztendliche Beurteilung der Putzrisse und der Sanierungsart sollte im Zweifelsfall immer dem Fachmann vorbehalten bleiben, auch wenn wir einige Sanierverfahren nachfolgend erklärt haben. Im Extremfall kann es notwendig werden, den Putz zu entfernen. Das ist mühsame Handarbeit, das maschinelle Entfernen von Putz ist sicherlich wirtschaftlicher. 

Wie entstehen Putzrisse?

Ganz einfach läßt sich sagen, daß Putzrisse immer dann entstehen, wenn der Putz sich nicht so verhalten kann, wie er es gerne möchte, das heißt, wenn er in seiner Formänderung behindert wird. Risse können verschiedene Ursachen haben: Sie können durch Quellen oder Schwinden des Putzuntergrundes entstehen, zum Beispiel bei Mischmauerwerken oder bei Baustoffen, die unter Feuchtigkeitsaufnahme besonders stark quellen. Wenn Baustoffe mit stark unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit aufeinandertreffen, können ebenfalls Risse entstehen. Besonders gravierende Risse werden durch sogenannte Setzungen hervorgerufen, das heißt durch Bewegungen des Baugrunds oder des Putzuntergrunds. Auch mangelhafte Vorbereitung des Putzgrundes oder zu harter Putz können zur Rißbildung führen.Wobei es einleuchtet, dass es unter den über zehn Arten der Wandputze natürlich auch bauphysikalische und chemisch bedingte Unterschiede gibt, ob Putze relativ anfällig sind gegen Rissbildung oder nicht. 

Wie unterscheidet man Putzrisse?

Wenn Risse aufgrund ungünstiger Spannungs- und Kräfteverhältnisse ausschließlich in der Putzschale auftreten, spricht man von putzbedingten Rissen. Es kann die ganze Schale oder auch nur die oberste Putzlage gerissen sein. Ebenfalls um Spannungsrisse handelt es sich bei putzgrundbedingten Rissen, die durch Verformungen aus dem Putzgrund entstehen. Beide Arten von Rissen lassen sich durch geeignete Maßnahmen in den Griff bekommen. Nicht durch einen geeigneten Putz lassen sich bauwerksbedingte Risse, die durch Setzungen oder Bewegungen des Baukörpers auftreten, beseitigen. Sie werden deshalb in diesem Beitrag nicht behandelt. 

Sackrisse

risse01.gifSackrisse verlaufen überwiegend horizontal durchhängend mit einer Länge bis 20 Zentimeter und einer Breite bis zirka drei Millimeter. Sackrisse entstehen im noch nicht gehärteten Mörtel bei zu dickem Putzauftrag (in einer Lage) oder bei schlechter Haftung auf dem Putzgrund. Auch zu weiche Konsistenz und zu langes und starkes Verreiben des Putzmörtels können die Ursache dieser Putzrisse sein. Dies ist ein typischer putzbedingter Riss, der "beruhigbar" und daher relativ einfach zu sanieren ist. 
 

Schrumpfrisse

risse02.gifSchrumpfrisse breiten sich netzförmig aus mit einem Knotenabstand von circa 20 Zentimeter und einer Rissbreite bis etwa 0,5 mm. Nur in seltenen Fällen reichen die Risse bis zum Putzgrund. Schrumpfrisse entstehen bereits ein bis zwei Stunden nach Aufbringen des Putzmörtels. Verhindert man durch eine geeignete Nachbehandlung ein zu schnelles Austrocknen der Putzoberfläche, läßt sich das Rißrisiko deutlich reduzieren, aber niemals völlig ausschließen. Solange sich die Rißflanke jedoch nicht vom Putzgrund löst, führen Schrumpfrisse im Unterputz zu keiner Beeinträchtigung des Putzsystems. 
 

Schwindrisse

risse03.gifNetzförmig oder einfach verzweigt und teilweise bis auf den Putzgrund reichend, treten die Schwindrisse auf. Meist entstehen sie ein bis zwei Monate nach Abschluss der Putzarbeiten und haben auch oft das Ablösen des Putzes vom Putzgrund zur Folge. Schwindrisse treten beispielsweise auf, wenn Untergrund, Unterputz und Oberputz unterschiedliche Festigkeiten besitzen oder der Putzgrund durch alte Putze, Staub oder Waschschleier in seiner Haftung gestört ist. Schwindrisse sind ebenfalls typisch putzbedingte Risse, die zu beruhigen sind und mit relativ einfachen Methoden repariert werden können. 

 

Kerbrisse

risse04.gifDiagonal von eckigen Maueröffnungen gehen Kerbrisse aus. Diese Maueröffnungen rufen bei thermischen oder hygrischen Volumenänderungen des Mauerwerks Scherspannungen im Bereich der Mauerecken hervor. Wird die Spannung zu groß, kommt es zu diagonal verlaufenden Rissen in der Putzschale. Häufig treten sie bei zu harter Putzschale und bei verputzten Wärmedämmplatten auf, wenn eine Putzbewehrung in den Eckbereichen fehlt. Die Instandsetzung ist aufwendiger, als zum Beispiel bei Schwindrissen, da dieser putzgrundbedingte Riss nur bedingt "beruhigbar" ist. 

 

Fugenrisse

risse05.gifFugenrisse orientieren sich am Fugenverlauf des Mauerwerks und zeichnen diesen nach. In der Regel treten die Risse in den beiden ersten Jahren nach Baufertigstellung auf. Die Ursache von Fugenrissen liegt zum einen daran, daß die hygrische und thermische Verformung der äußeren Steinschale der Mauersteine vom Putz nicht aufgenommen und abgebaut werden kann. Zum anderen kann die Änderung der Schichtdicke bei schlechtem Ausfüllen der Lager- oder Stoßfugen die Ursache von Fugenrissen sein. Die Instandsetzung ist bei diesen putzgrundbedingten Rissen sehr aufwendig. 

 


Deckenschubrisse

risse06.gifIm Bereich der Geschossdecken treten Deckenschubrisse auf. Ein oder zwei horizontale Risse, die dem Einbau der Decke entsprechen, zeigt das Rißbild. Deckenschubrisse entstehen beim Fehlen von Wärmedämmung im Bereich der Geschoßdecke, da Beton eine höhere Wärmeleitfähigkeit als beispielweise Ziegel hat. Es entstehen thermische Spannungen, die schließlich die Deckenschubrisse auslösen. Diese Risse haben noch geringe Restverformungen und können daher nicht ganz ohne Aufwand repariert werden. 

 

Wie beurteilt man Putzrisse?

Neben dem Rißbild und der daraus möglichen Zuordnung der Risse sind noch weitere Informationen wichtig. Zunächst benötigt man die Verteilung und den Verlauf der Risse. Diese werden durch eine Kartierung in Ansichtsplänen festgehalten. Die Rißbreite wird mit einem rissbreiten Vergleichsmaßstab oder einer Meßlupe bestimmt. Um die Rißtiefe zu beurteilen, muss man eine Putzprobe im Rißbereich, zum Beispiel mit der Trennscheibe oder einem Kernbohrgerät, entnehmen. Auch das Rißalter spielt eine Rolle. Dieses wird durch die Beurteilung des Zustands der Rißflanken in Bezug auf ihre Verschmutzung im Vergleich mit einem frischen Riß ermittelt. Bewegungen von Rissen werden durch das Setzen von Gipsmarken und Markierungen festgehalten. 

Wie sieht der Putzgrund aus?

Will man seine Putzfassade instand setzen, kommt es auch auf die physikalische und chemische Beschaffenheit des Putzgrunds an. Deshalb sollte man einige Untersuchungen durchführen: Mit einem Ritztest wird die Festigkeit des alten Putzes sowie ein eventuell vorhandenes Festigkeitsgefälle qualitativ beurteilt. Ein erfahrener Prüfer kann damit sehr gute Ergebnisse liefern. Um das Saugverhalten des Putzes zu ermitteln, wird mit einer Pipette oder Spritzflasche Wasser aufgebracht und eine Einstufung vorgenommen. Hohlstellen werden akustisch durch Abklopfen erkannt. Sehr wichtig ist auch, die Haftung der verschiedenen Putzlagen untereinander sowie die Haftung des Unterputzes am Putzgrund zu überprüfen. Dazu wird mit einer Trennscheibe oder einem Kernbohrgerät eine Putzprobe möglichst mit dem Putzgrund herausgeschnitten. Die Probe gibt Aufschluß darüber, ob der vorhandene Putz instandgesetzt werden kann. Wenn nicht, muss man die komplette Fassade dauerhaft sanieren. Will man bei einer Sanierung die vorhandene Beschichtung nicht entfernen, muss die Beschichtungsart ermittelt werden. Beim Flammentest zeigen mineralische Beschichtungen keine Rußbildung, während organische Beschichtungen neben Rußbildung einen typischen Geruch aufweisen, der vom Fachmann identifiziert werden kann. Auch mit einem Lösemitteltest kann die Beschichtung ermittelt werden. Zudem muss die Haftung einer Beschichtung zum Altputz überprüft werden. Dies kann mit einer Gitterschnittprüfung in Anlehnung an die DIN 53151 geschehen. 

Wie beseitigt man Putzrisse?

Einzelrisse im Putz beseitigen

Können Putzschäden vom Heimwerker behoben werden oder sollte er lieber den Fachmann an die Fassade lassen? Es gibt rissüberbrückende Systeme für die Fassadensanierung in Eigenleistung. Generell gibt es drei Möglichkeiten, Einzelrisse zu sanieren. Beim ersten Verfahren werden die Risse aufgeweitet und die Rissränder mit einer festigenden Imprägnierung grundiert. Aufgefüllt werden die Risse mit einem möglichst elastischen Mörtel wie beispielsweise kunstharzmodifizierte mineralische oder organisch gebundene Feinmörtel. Insbesondere Kerbrisse oder konstruktionsbedingte Risse, die sich nicht mehr weiter ausweiten, können mit dieser Methode gut saniert werden. 

Die zweite Möglichkeit der Einzelrisssanierung ist die Rissüberbrückung mit Putz. Dafür wird der Putz beidseitig auf einer Breite von etwa 20 Zentimeter entfernt und eine Trennlage aufgebracht, um Putz und Putzgrund zu entkoppeln. Als Putzträger wird anschließend ein Drahtgewebe aufgebracht, das 5 mm Abstand vom Untergrund hat und an den Rändern im Abstand von 25 mm befestigt wird. Zum Schluß wird der Putz in zwei Lagen aufgebracht. Dies Methode findet bei Rissen mit geringer Restverformung, die konstruktiv bedingt sind oder durch Materialwechsel im Putzgrund (Deckenschubriss) verursacht wurden, seine Anwendung. 

Bei geradlinig verlaufenden Rissen, bei denen eine sichtbare Dehnungsfuge optisch akzeptabel ist, besteht die Möglichkeit eines flexiblen Rissverschlusses. Beispiele hierfür wären Schubrisse oder Risse, die durch unterschiedliche Bauteile entstanden sind. Zur Sanierung wird der Riss zu einer Fuge ausgeweitet, deren Breite mindestens 8 mm beträgt und durch die gesamte Putzdicke geht. Als Grundierung der Fugenflanken wird anschließend eine festigende Imprägnierung aufgebracht, die Fuge mit einer Schaumstoffschnur hinterfüttert und mit einem plastoelastischen Fugendichtstoff bzw. Dehnungsfugenprofil verfüllt. 

Flächige Risssanierung

Für die Instandsetzung aller putzbedingten Risse ist ein elastischer Fassadenanstrich auf Kunstharzbasis geeignet. Die Verarbeitung erfolgt in Zwei- oder Dreischichtsystemen mit oder ohne Gewebearmierung. Diese rissüberbrückenden organischen Systeme haben einen höheren Diffusionswiderstand gegenüber Kohlendioxyd und sind daher für kalkreiche Putze nicht geeignet. Ebenfalls für putzbedingte Risse sind Wärmedämmputzsysteme geeignet, die aus einem wärmedämmenden Unterputz und einem wasserabweisenden Oberputz bestehen. Neben der Risssanierung wird bei diesem System zusätzlich der Wärmeschutz verbessert. Auch bei putzgrundbedingten Rissen bis zu einer Rissbreitenänderung von 0,2 mm kann man Wärmedämmputzsysteme verwenden. Gleiches gilt auch für Wärmedämmverbundsysteme. Zudem wird auch hier neben der Risssanierung eine Verbesserung des Wärmeschutzes erreicht. Dämmplatten aus Polystyrolhartschaum, Mineralfaser- oder Korkplatten mit mineralischer oder organischer Beschichtung sorgen für eine Entkopplung vom Putzgrund. 

Keine Rissüberdeckung, sondern vielmehr eine Rissfüllung wird bei mikroporösen, füllenden Beschichtungssystemen vorgenommen. Diese Systeme sind daher nur bei ruhenden oder beruhigten Rissen, vor allem bei Schrumpfrissen, Sackrissen und Schwindrissen einsetzbar. Die Risse bekommen eine wasserabweisende Imprägnierung als Grundbeschichtung und eine Zwischen- und Deckbeschichtung mit dem Beschichtungssystem. Ebenfalls bei ruhenden oder beruhigten Rissen werden mineralische Oberputze eingesetzt, die kunststoffvergütet sind und daher das System rissunanfälliger machen. Als Bindemittel für diese sogenannten Renovierputze wird Kalk, Zement oder Silicat eingesetzt. Schlecht haftender Untergrund ist bei Renovierungsputzen zu entfernen.