Putze für glatte Wände

Vor dem Thema Verputzen haben viele Heimwerker einen ziemlichen Respekt. Dabei kann man mit entsprechendem Geschick und ein wenig Übung eine ganze Menge selber machen. Was es dabei zu beachten gilt, das zeigt dieser Beitrag. 

Putzen - eine Definition

Zunächst einmal eine Definition: Als "Putzen" bezeichnet man das Aufbringen eines Mörtelbelags auf Außenwänden, Innenwänden und Decken. Die Mörtelmischungen dienen als Grundputze zur Ebnung des Untergrundes, bevor die Oberfläche durch Tapeten, Fliesen oder Dekorputze gestaltet werden kann. Mörtel wiederum sind Gemische aus Bindemitteln, Wasser und Zuschlag bis vier Millimetern Korngröße. Die Bindemittel, normalerweise Kalkhydrat, Zement, Gips oder Anhydrit, entscheiden über die Eigenschaften des Mörtels.

Handarbeit

Putze können mit der Hand oder mit der Maschine aufgebracht werden. Während der Profi in der Regel mit der Maschine arbeitet, wird der Heimwerker eher in Handarbeit verputzen. Dazu benötigt man Werkzeuge wie Spachtel, Kelle, Glätter, eventuell auch Aufzieher (auch als Kardätsche bezeichnet) und Reibebrett. Beim Putzen von Hand ist zu beachten, dass der Mörtel mit der Kelle kraftvoll an den Untergrund geworfen wird. Nur wenn so die Luft aus den Oberflächenporen des Putzgrundes verdrängt wird, kann der Putz richtig haften. Wenn man dazu noch die Grundregeln beachtet, nicht bei Frost, Regen oder knallender Sonne zu putzen und dafür sorgt, dass der Untergrund tragfähig, nicht sandend und nicht kreidend ist, ist man auf der sicheren Seite. Wichtig ist außerdem, dass die Putze auf den Untergrund abgestimmt werden. Das gilt insbesondere, wenn mehrere Putzlagen aufgebracht werden sollen. In solche einem Fall sollte man unbedingt nur die optimal aufeinander abgestimmten Produkte aus einem Putzsystem verwenden. Grundsätzlich gilt: Die Härte der einzelnen Schichten sollte von innen nach außen abnehmen, damit Spannungen durch die Trocknung bzw. durch Temperaturveränderungen nicht zu Rissen im Putz führen. Haarrisse in geringem Umfang sind übrigens nicht tragisch und sind auch bei perfekter Verarbeitung kaum zu vermeiden.

Putze schnell glattziehen

Ist der Putz erst einmal an der Wand, muss man zügig weiterarbeiten. Gedanken über die gewünschte Putzweise, also die Art und Weise, in der man die Putzoberfläche bearbeiten will, sollte man sich also vorher schon gemacht haben. Glättputze sollte man in kleinen Flächen anwerfen und dann mit einer Glättkelle Glattziehen. Auf keinen Fall sollte man sich an diesem Arbeitsschritt zulange aufhalten, weil sonst die Gefahr von unschönen Schwindrissen steigt. Tipp: Sobald die Putzoberfläche zu glänzen beginnt, sollte man also mit dem Glätten aufhören. 

Beliebte Putzweisen

Besonders beliebte Alternativen zu glättenden Putzen sind Putzweisen wie Reibeputz, Kratzputz, Kellenstrichputz oder Scheibenputz. Während für Reibeputze die gleichen Tipps gelten, wie für Glättputze, muss man für Kratzputz anders vorgehen. Dabei muss der Putz erst eine gewisse Härte erreicht haben, bevor man die Oberfläche dieses Rauputztyps mit einem Nagelbrett aufrauen kann. Anschließend sollte man die Oberfläche mit einem nicht zu harten Besen kehren. 

Kellenstrichputz

Beim Kellenstrichputz wird der angeworfene und angezogene Mörtel mit dem Glätter etwas verdichtet. Weil die Kellenstriche sichtbar bleiben, ergibt sich eine individuelle Oberflächenstruktur. Scheibenputz entsteht bei der Verwendung eines Mörtels mit einer Grobkorn-Beimischung. Verreibt man den Putz mit einem Reibebrett, entstehen durch die gröberen Körner Rillen entsprechend der Reiberichtung. 

Stuckmarmor

Eher ausgefallen und aufwändiger sind Putzweisen wie Stuckmarmor oder Stuckolustro, die aus mehreren Schichten aufgebaut sind, wobei die oberste Schicht geglättet und anschließend gewachst wird. Durch die Zugabe beispielsweise von Marmor- oder Alabastergips und Farbpigmenten wirken sie wie die Oberfläche von Marmor.

Bauphysikalischer Nutzen von Putz

Doch neben dem schon angesprochenen optischen Nutzen übernehmen Putze auch bauphysikalische Aufgaben. Die Innenraumputze haben nämlich die Eigenschaft, Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen, speichern und wieder abgeben zu können. Damit regulieren sie die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen, wirken ausgleichend und verbessern so das Raumklima. Diese Prozesse finden übrigens ausschließlich in den ersten 8 bis 13 Millimetern der Wand statt. Daher sind die üblicherweise etwa 1,5 Zentimeter dick aufgebrachten Putze vollkommen in der Lage, die bei normaler Nutzung anfallende Feuchtigkeit eines Raumes aufzunehmen.

Anforderungen an Putze

Die Anforderungen an die Mörtel sind je nach Verwendungszweck im Innen und Außenbereich unterschiedlich. Außenputze sollen das Mauerwerk vor den Einflüssen der Witterung schützen und sind deshalb normalerweise wasserabweisend. Gleichzeitig müssen Außenputze, da es ja immer zu einer geringen Dampfdiffusion vom Gebäudeinnern nach außen kommt, in der Lage sein, die von innen kommende Feuchtigkeit an die Außenluft abzugeben, schließlich soll sich die Feuchtigkeit ja nicht in der Mauer ansammeln können. Innenputze dagegen sollen Feuchtigkeit aufnehmen und zeitweise speichern können, dürfen also nicht wasserabweisend sein. 

Wärmedämmputzsysteme

Spezialputze wie beispielsweise Wärmedämmputzsysteme, die im Außenbereich häufig anzutreffen sind, bestehen aus einem wärmedämmenden Unterputz (mindestens zwei Zentimeter dick, besteht zu 75 Prozent aus Polystyrol) und einem Oberputz. Besonders gut geeignet ist solch ein System für Mauern aus Leichtlochziegeln.

Mörtelgruppen

MörtelgruppeBindemittelEigenschaftenVerwendung
PIKalkInnen- und Außenputz für geringe bis normale Beanspruchung, wasserhemmendwasserabweisend nur mit speziellen Zusätzen
P IIKalk-ZementInnenputz mit erhöhter Abriebfestigkeit, Außenputz, wasserhemmendWasserabweisend nur mit speziellen Zusätzen
P IIIZementKeller-Außenputz, Sockelputz, wasserabweisend
P IVGips, Gips-KalkInnenputz für normale bis geringe Beanspruchung
PVAnhydrit, Anhydrit-KalkInnenputz für normale Beanspruchung
P Org IKunstharzdispersionAußen- und Innenputz als Strukturputz auf vorhnadenen glatten Flächen
P Org IIKunstharzdispersionInnenputz als Strukturputz auf vorhandenen glatten Flächen

Mineralischer Putz

Putzmörtel können für die Herstellung von Putzen mineralische Bindemittel unterschiedlicher Art enthalten, wie Baukalk, KalkZementgemische, Zement oder Gips. Zudem enthalten mineralische Putze Zuschläge wie Sand, Granulate (Körnungen), Perlite. Die Putzeigenschaften können durch Zusätze wie beispielsweise Erstarrungsbeschleuniger oder -verzögerer, Fliessverbesserer, Luftporenbildner und Haftungsverbesserer beeinflußt werden. Mineralische Putze werden eingeteilt in die Putzarten Außen- und Innenputz, Unter- und Oberputz und je nach Anwendung und Anforderung in mehrere Putzsysteme. Mineralische Putze werden in trockener Form geliefert. Durch Zusatz von Wasser entsteht der flüssige Putzmörtel. Aufgebracht an Wänden und Decken erreicht der Putzmörtel durch Verfestigung am Baukörper seine endgültigen Eigenschaften.

Edelputz

Als Edelputze werden weiß oder farbig eingefärbte Oberputze bezeichnet. Edelputze sind nichts anderes als mineralische Putze, die einen besonderen Wertbegriff erfahren. Hohe Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperatur können den Abbindeprozeß verzögern, was zu Farbtonunterschieden und Ausblühungen führen kann. Das gleiche Problem tritt bei Regen auf der frisch verputzten Fassade auf. Damit eine optisch einwandfreie, gleichmäßig farbige Fassade entsteht, muss daher zusätzlich ein Egalisationsanstrich vorgenommen werden. Egalisationsanstrich ist die Bezeichnung für eine sog. "Ausgleichsfarbe" auf Dispersions-, Organo-Silikat- oder Siliconharzbasis. Damit werden optische Unregelmäßigkeiten bei einer farbigen Edelputz-Fassade ausgeglichen. Ein Egalisationsanstrich muss auf den Edelputz abgestimmt sein und darf erst dann aufgebracht werden, wenn dieser oberflächlich gut abgetrocknet ist.

Kunstharzputz

Kunstharzputz ist der Sammelbegriff für Beschichtungen mit putzartigem Aussehen. Er wird ausschließlich als Oberputz verwendet. Die Bindemittel von Kunstharzputzen sind organischer Natur, Zement oder Kalk fehlen völlig. Die Putze werden in pastöser Form verarbeitungsfertig geliefert. Vor der Verarbeitung müssen sie nur noch kurz durchgerührt und eventuell mit Wasser- oder Lösemittelzusatz auf die gewünschte Konsistenz gebracht. Unterschieden wird nach Außen- und Innenputze mit unterschiedlichem Bindemittel-Mindestgehalt. Kunstharzputze gibt es in vielen Farben, Körnungen und Strukturvarianten. Wässrige Kunstharzputze trocknen rein phyikalisch durch Verdunsten des Wasseranteils. Bei niedrigen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit verlängert sich daher die Trocknungszeit, während sie sich im Sommer bei hohen Temperaturen verkürzt. Fällt die Temperatur unter 5°C, dürfen keine wässrigen Kunstharzputze mehr verwendet werden. Hierfür wurden sogenannte Winterputze entwickelt, die durch eine verbesserte Bindmittel-Technologie bis knapp über dem Gefrierpunkt verarbeitet werden können. Sie sind nach acht Stunden regenfest sowie frostsicher und nach einem Tag soweit trocken, daß sie überarbeitet werden können.

Buntsteinputz

Buntsteinputz ist eine besonders dekorative Variante eines Kunstharzputzes. Verwendung findet er vor allem auf Sockelflächen und im Innenbereich bei der Gestaltung von Wänden. Durch naturfarbene Marmorkörnungen, gefärbten Quarzkörnern oder Kies unterschiedlicher Färbung entsteht ein "Multicolor"-Effekt. Buntsteinputze gibt es sowohl in wäßriger als auch in lösemittelhaltiger Ausführung.

Sanierputze

Sanierputze kommen bei durchfeuchtetem, salzhaltigen Mauerwerk zum Einsatz. Kalkputze sind bei feuchten Untergründen ungeeignet, da sie rasch durchfeuchtet werden, Zementputze sind ungeeignet, weil sie zunächst absperrend wirken, es aber nach einer gewissen Zeit zu Putzabplatzungen kommt. Die wasserabweisenden Sanierputze zeichnen sich durch ihre große Zahl von Poren aus, in die Salze aus der Mauer gelangen können. Hier kristallisiert das Salz aus ohne einen Schaden anrichten zu können.

Akustikputze

Akustikputze werden wegen ihrer schallabsorbierenden Wirkung in Innenräumen eingesetzt. Hier sollte sich der Heimwerker aber zurückhalten, weil Akustikputze nur mit speziellen Maschinen verarbeitet werden können und weil die Auswirkungen auf die Raumakustik nur von Fachleuten im Vorfeld beurteilt werden können. 

Trockenputz

Trockenputz kann dann zum Einsatz kommen, wenn die Wände von sich aus schon vollständig winddicht sind. Dann können geschosshohe Gipskarton- oder Gipsfaserplatten mit Hilfe von Ansetzgips von Innen an den Wänden befestigt werden. Zum Schluss müssen nur noch die entstandenen Fugen verspachtelt werden.

Lehmputze

Im Holzständerbau und im Holzdeckenbereich kann man auch nicht einfach "losputzen". Hier kommt zumeist ein Putzträger aus drahtgebundenen Schilfrohrmatten zum Einsatz. Diese Matten werden an der Decke festgetackert. Zum Verputzen kommt entweder ein dreilagiger Aufbau mit Kalkmörteln der Mörtelgruppe PI zum Einsatz oder - wie in Fachwerkhäusern oder im ökologischen Wohnungsbau - ein Lehmputzsystem. Dabei wird der Schilfrohrputzträger zunächst mit einer sehr fett eingestellten Lehmschlämme vorgrundiert. Ist die Grundierung matt aufgetrocknet, wird einer erste Schicht Lehmunterputz eingedrückt. Ist die erste Putzlage abgetrocknet, kann die nächste Putzlage eingedrückt werden. dabei aber nicht vergessen, die Lehmflächen vorher leicht anzufeuchten und mit einer dünnen Lehmschlämme zu bestreichen. Dem folgende Lehmgrobputz (Dicke etwa 10-15 mm) wird Strohhäcksel, Rinder oder Dachshaar beigemischt. Als letzte Lage folgt dann ein Lehmfeinputz oder ein gefärbter Lehmedelputz (Schichtdicke 2 bis 5 mm). Die Oberfläche kann geglättet oder gefilzt werden.