OSB-Platten lackieren, lasieren oder tapezieren?

OSB Platte unbehandeltIn den USA sind OSB-Platten ein weitverbreiteter Baustoff, der bereits seit vielen Jahren verwendet wird. Bei uns kamen die Platten erst Anfang der 1990er-Jahre auf den Markt und werden auch erst seit dieser Zeit von europäischen Herstellern wie Glunz, Kronoply oder Finnforest (SterlingOSB) vertrieben oder produziert. Deshalb tauchen im Umgang mit OSB-Platten noch viele Fragen auf, die wir hier beantworten möchten. 

Im Bauwesen wird OSB hauptsächlich im Wand-, Dach- und Deckenbereich als Beplankungs- und Aussteifungswerkstoff eingesetzt und hat auf Grund der guten technischen Eigenschaften wie hohe Biegefestigkeit und geringe Dickenquellung einen sehr hohen Stellenwert erreicht. Aufgrund der hohen Biegefestigkeit eignen sich OSB-Platten auch sehr gut für Regale. Was diese Regalböden aus OSB aushalten, können Sie hier erfahren. Wegen seiner markanten Optik bietet sich OSB auch für dekorative Verwendung wie zum Beispiel Sichtfußboden oder Dachausbau an. Gleichwohl landen bei uns immer wieder Anfragen, ob und wie man OSB-Platten streichen oder tapezieren kann. 

Was sind OSB-Platten, welche Unterschiede gibt es?

OSB-Platten (Oriented Strand Board) sind Spanplatten mit gerichteten Spänen. Im Unterschied zu gewöhnlichen Spanplatten wird bei der Herstellung von OSB-Platten nur etwa ein Drittel Leim verwendet (etwa 4 bis 6 Prozent). Es werden relativ lange, große Späne (Strands) eingesetzt, die durch spezielle Streuvorrichtungen längs und quer zur Plattenherstellrichtung orientiert sind. Bei einem dreischichtigen Aufbau werden im allgemeinen die Mittelschichtspäne quer und die Deckschichtspäne längs zur Herstellrichtung orientiert. Dadurch weisen OSB-Platten in Längs- und Querrichtung unterschiedliche Eigenschaften auf. Die Biegefestigkeit in der Längsrichtung der Platten ist deutlich höher, als in der Querrichtung. 

Je nach Anwendungsbereich unterscheidet man vier verschiedene Plattentypen: 

OSB/1 Platten für allgemeine Zwecke und Inneneinrichtungen im Trockenbau.
OSB/2 Platten für tragende Zwecke im Trockenbau
OSB/3 Platten für tragende Zwecke im Feuchtbereich
OSB/4 Hochbelastbare Platten für tragende Zwecke im Feuchtbereich

Gebräuchliche Dicken sind 6 mm - 40 mm, die Formate liegen zwischen 1640 mm x 600 mm bei der Verlegeplatte bis zur großformatigen Standardplatte von 12000 mm x 2800 mm. Kronoply bietet zusätzlich noch spezielle Fußbodenpaneele in den Abmessungen 1200 mm x 120 mm x 12 mm und 1220 mm x 320 mm x 15 mm an. Dabei handelt es um Clic Paneele, die ohne Leim, Nägel, Klammern oder ähnlichem Zubehör verlegt werden können. Die Paneele werden, wie schon von Parkett oder Laminat bekannt, einfach durch klicken miteinander verbunden. Normalerweise werden die OSB-Platten jedoch durch Nut und Feder verbunden und miteinander verklebt. 

Die Oberflächen können geschliffen oder ungeschliffen gefertigt sowie mit Melaminharz beschichtet werden. Letztere werden zum Beispiel als Schalungsplatten für den Stahlbetonbau verwendet. Bei anderen Platten fungiert OSB als Trägerplatte, auf die ein strapazierfähiges UV-Lacksystem (Mehrschichtaufbau) aufgebracht wird. Die Unterseite ist mit einer wasserabweisenden Conti-Finish-Schicht versehen. Andere Hersteller bieten farbig eingefärbte OSB-Platten an, die keiner weiteren Oberflächenbehandlung benötigen. Häufig werden OSB-Platten durch eine spezielle Beschichtung wasserabweisend gemacht. Solche Platten werden dann hauptsächlich zur Beplankung von Wänden oder Decken verwendet. Diese Platten sind für eine Oberflächenbeschichtung ungeeignet. 

OSB-Platten mit Lacken, Lasuren, Wachsen und Ölen beschichten

Sowohl für die Behandlung mit Ölen und Wachsen als auch mit Lacken und Lasuren empfiehlt sich die Verwendung von geschliffenen OSB-Platten, um eine möglichst aufnahmefähige Oberfläche zu erzielen. Gegebenenfalls müssen die Platten nochmals vollflächig geschliffen werden, um die geringen Absätze, bedingt durch die Toleranzen der Platten, zu beseitigen. Alle zu behandelten Flächen sollten frei von Staub und Fett und außerdem trocken sein. Vor der Oberflächenbehandlung mit Flüssigbeschichtungen sollte die Plattenunterseite mit Sperrgrund behandelt werden, um ein ungleichmäßiges Verziehen der Platte zu verhindern. OSB-Platten müssen sich vor ihrer Verlegung erst einmal etwa 48 Stunden akklimatisieren, um die Ausdehnung infolge von Feuchteunterschieden zu minimieren. Sind sie dann aber verlegt, muss innerhalb von 36 Stunden die Oberflächenbehandlung oder das Aufbringen von Oberbelägen abgeschlossen sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Platten sich auf Grund ungünstiger Klimaeinflüsse beispielsweise aufschüsseln, das heißt, die Platten verbiegen sich im Randbereich schüsselförmig nach oben. Die Gefahr des Aufschüsselns ist bei lösemittelhaltigen Lacken geringer, als bei wasserbasierenden Lacken. 

Lassen sich OSB-Platten tapezieren?

OSB-Platten zu tapezieren, davon raten die Plattenhersteller ab. Wie alle Platten aus Holzwerkstoffen haben OSB-Platten ein feuchtebedingtes Ausdehnungsverhalten. Das kann dazu führen, dass die Tapete an den Plattenstößen aufreißt. Wer dennoch nicht auf das Tapezieren verzichten will, muss die OSB-Platten beispielsweise mit Gipskarton- oder Gipsfaserplatten bekleiden. Alternativ kann auch ein rissüberbrückendes Armierungsgewebe aufgeklebt und verspachtelt werden. Anschließend ist ebenfalls ein Tapezieren möglich. 

Müssen bei einer Wandbeplankung die OSB-Platten abgeklebt werden?

OSB-Platten können beispielsweise im Dachbereich oder bei Fertighauswänden die Aufgabe einer Dampfbremse übernehmen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob zum Erreichen einer Luft- und Winddichtheit das Abkleben der Plattenstöße notwendig ist. Nicht notwendig ist das Abkleben mit Spezialklebebändern, wenn die Stöße auf dem Sparren oder der Ständerkonstruktion aufliegen und sauber vernagelt wurden. Anders verhält es sich jedoch bei freien Stößen, zum Beispiel mit Nut- und Federverbindungen. Diese müssen auf der Wand- oder Dachinnenseite immer abgeklebt werden. Sonst könnte beim Schwinden der Platte eine Fuge entstehen, durch die über Konvektionsstrom Feuchte eindringen kann. 

Lassen sich OSB-Platten in Feuchträumen einsetzen?

Grundsätzlich können OSB-Platten ohne Probleme zum Beispiel im Badezimmer verwendet werden. Allerdings sollte sichergestellt sein, dass die Platten nicht dauerhaft Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Also ist wie in jedem Feuchtraum auf eine sorgfältige Abdichtung und Versiegelung, vor allem der Sanitäran daschlüsse, zu achten, um Staunässe und Sickerfeuchte zu vermeiden. Im übrigen bietet die Industrie mit OSB/4 spezielle Platten für den Feuchtraumbereich an. 

Foto: Egger