Alles über ornamentale Gipsschnitzereien aus Nordafrika

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Das Gipsschnitzen ist eine uralte Handwerkskunst aus dem sogenannten Maghreb, also den nordafrikanischen Staaten Libyen, Tunesien, Algerien, Mauretanien und Marokko. Allerdings wird sie auch in anderen muslimischen Staaten wie Usbekistan ausgeübt. Weil der Koran menschliche Abbildungen verbietet, schnitzen die Handwerker allesamt kunstvolle Ornamente. Dazu verwenden Sie Modelliergips, wie er auch in Deutschland zu haben ist. Die Gipsschnitzer aus den deutschsprachigen Ländern kann man allerdings an zwei Händen abzählen. Sie fertigen auch keine Tafeln mit Ornamenten, sondern Modelle und Kunstwerke.

Die nordafrikanischen Gipsschnitzer hingegen verstehen sich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Die Gipsmasse wird in quadratische, rechteckige oder halbrunde Formen gegossen und dann glatt abgezogen. Sobald der Gips leicht ausgehärtet, aber noch feucht ist, kann geschnitzt werden. Die Gipsschnitzer brauchen, um aus einer quadratischen Gipsscheibe ein filigranes Ornament zu schnitzen, keine Vorlagen. Sie haben die Ornamentmuster im Kopf und sozusagen in den Händen. Falls größere Wandbilder (siehe Foto) gewünscht werden, fertigen sie natürlich auch Skizzen an, die sie auf die Gipstafeln durchpausen. Ein solch großes Wandbild wird nicht aus einem Stück geschnitzt — die Gipsplatte würde durchbrechen. Vielmehr setzt es sich aus kleinen, handlichen Einzeltafeln zusammen.

Die Gipsschnitzereien dienen der Dekoration von Innenhöfen und umranden Türen. Sie verzieren aber auch Innenräume, speziell auch die Zimmerdecken. So entstehen Räume mit einem zauberhaften arabischen Touch. Paläste in Nordafrika sind sowieso reich mit Gipsschnitzereien ausgestattet, viele Hotels ebenso wie auch die Innenräume von Grabanlagen.

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Wer sich eine arabische Teestube mit Original Gipsschnitzereien einrichten will, kann diese nicht im Versandhandel bestellen, sondern muss sie importieren. Der Handels-Attaché etwa der marokkanischen Botschaft wird einschlägige Adressen wissen. Da die zweite Landessprache in Tunesien, Algerien und Marokko Französisch ist, sollte man für die Bestellung entweder selbst gut Französisch schreiben können oder einen Bekannten zur Hand haben, der frankophil „angehaucht“ ist.

Fotos: www.fotoatelier-schumacher.de