Nagelprobe - oder vom richtigen Umgang mit Nägeln

Der Nagel ist der wichtigste Helfer bei vielen Arbeiten mit Holz. Zimmerleute und Dachdecker nageln praktisch "rund um die Uhr". Die Tischler nageln nur, wenn es um einfachere Arbeiten geht. Nagelkünstler sind allerdings die "Einschaler", also Tischler, die Holzverschalungen für den Betonbau herstellen. Diese beherrschen die Kunst, Nägel bewußt krumm einzuschlagen, um extrem belast- und fast unlösbare Nagelverbindungen herzustellen, wie niemand sonst. 

Damit ist das Stichwort "Kunst" gefallen. Es ist für den Heimwerker oft auch eine Kunst, richtig zu nageln - weil er sich mit der Materie nicht richtig vertraut gemacht hat. Das ändert sich mit dieser Anleitung.

Tipp 1: Stauchen oder Spitze "abknipsen"


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Wenn Nägel "einfach so" eingeschlagen werden, besteht die Gefahr, daß sich das Holz spaltet. Diese Gefahr können Sie verringern, wenn Sie die Nagelspitze mit leichten Hammerschlägen stauchen (Foto oben links) oder das oberste Drittel der Spitze einfach abknipsen (Foto oben rechts).

Tipp 2: Mit Pappstreifen und Magnet

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Der Nagel ist recht klein und Sie wollen vermeiden, daß Sie den Daumen treffen statt des Nagelkopfes? Mit einem Pappstreifen, durch den Sie den Nagel gesteckt haben (Foto oben links), gelingt das "gewalt- und schmerzfrei". Die sog. Drahtstifte lassen sich sehr leicht mit dem Latthammer einnageln. Dieser Hammer besitzt eine Einkerbung mit Magnet, der den Stift hält. Mit einem Schlag anheften, dann normal weiter nageln (Foto oben rechts).
 

Tipp 3: Wenn der Nagel an der anderen Seite rausragt

Sie haben ein Holzbrett oder einen Balken durchnagelt. Das kann unabsichtlich geschehen sein, weil der Nagel zu lang war, oder mit Absicht, um durch "Umhauen" des überstehenden Teils eine besonders feste Verbindung zu schaffen. Das bloße "Umhauen" ist nicht für den Nagler, aber für denjenigen gefährlich, der das Stück Holz in die Hand nimmt. In neun von zehn Fällen ist die Spitze nicht bündig im Holz verschwunden, sondern steht noch leicht hervor. Üble Rißwunden können die Folge sein, wenn jemand ein solches Werkstück anfaßt. Hier die richtige Methode: 

naegel05.jpg"Nieten" Sie den Nagel über einer alten, dreieckigen Feile um. 
naegel06.jpgSchlagen Sie dann den Nagel zurück ins Holz und die gefährliche Spitze ist ein- für allemal verschwunden. 

Tipp 4: Schlagen Sie die Nägel schräg gegeneinander ein

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Wenn Sie Nägel schräg gegeneinander einnageln, wird die Verbindung haltbarer (Foto links oben). Das geht auch, wenn sie auf einem Brett oder Balken vertikal einen anderen Balken befestigen wollen (Foto oben rechts). Die Stabilität solcher schräg- oder beigenagelter Verbindungen ist allerdings nur eingeschränkt.

Tipp 5: Nagelköpfe unsichtbar versenken - geht das?

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In Heimwerkerbüchern und sonstigen Anleitungen liest man immer wieder, daß sich Nagelköpfe unsichtbar versenken lassen, wenn man vorsichtig mit einem Beitel einen Span anhebt, dann nagelt und zum Schluß den Span mit Holzleim und durch den Druck einer Holzzwinge wieder anklebt. Diese Methode (Foto oben links) lehnen wir ab, weil sie riskant ist. Sinnvoll ist, insbesondere bei Hartholz, das Nagelloch dünn vorzubohren (Foto oben Mitte) und das Bohrloch oben leicht anzusenken ("auszureiben"). Schlagen Sie nun den Nagel tief ein - und zwar mit einem Senkstift (Foto oben rechts). Kleben Sie dann das Bohrloch oben mit Holzkitt zu.
 

Tipp 6: Wenn möglich, Abstand vom Rand eines Holzstückes halten

Das Foto zeigt, wie man zwei Leisten so zusammennageln kann, daß das Holz nicht reißt: Möglichst Abstand vom Rand halten. Und nicht mit zu dicken Nägeln loslegen!naegel12.jpg
 
 

Tipp 7: Holzverbinder aus Metall mit Haftnägeln anschlagen

Stabile Verbindungen auch zwischen schweren Balken stellt man mit Holzverbindern aus Metall und Nagelblechen her. Dazu verwendet man Haftnägel, die Rillen und Zacken aufweisen und die sich fast wie Schrauben in das Holz "graben".naegel13.jpg

Tipp 8: Streichmaß selbst herstellen für die Nagel-Ideallinie

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Wenn Sie beispielsweise Bretter an eine Eckleiste nageln wollen, so ist das Anzeichnen der Ideallinie mit einem Streichmaß sinnvoll. Die Nägel sitzen dann in einer Reihe wie die Zinnsoldaten. Das Streichmaß haben Sie aus zwei Restlatten schnell selbst zusammengenagelt (Foto oben links). Nun ein Loch durchgebohrt, Bleistift reingesteckt - und schon geht es los. Die Eckleiste übrigens nicht zu schmal wählen, damit man die Nägel nicht zu nah am Brettende einschlagen muss (Foto rechts oben). Doppelt hält besser: Erst Holzleim auftragen, dann nageln.
 

Tipp 9: Wie Sie eingeschlagene Nägel wieder herausziehen

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Sind die Nägel eingeschlagen, wie unter Tipp 3 beschrieben, dann haben Sie natürlich ein Problem. Ansonsten lassen sich Nägel recht einfach mit einem Klauenhammer (Foto oben links) herausziehen oder mit Nagelzieher, Kneifzange oder Kuhfuß (Foto oben rechts).. Schützen Sie dabei das Holz mit einem Reststück Holz, das sie als Hebelauflage benutzen.