Nachhaltiges Bauen ist eine Vernunftsache

holzgeruest.jpg Global gesehen, gehen wir Menschen nicht vernünftig mit den natürlichen Ressourcen um — insbesondere nicht mit dem Wald. Dieser ist aber sozusagen die Mutter des Begriffs der Nachhaltigkeit. Die Waldbesitzer bei uns zu Lande wissen seit Jahrhunderten, dass man nicht mehr Bäume fällen soll, als in der Wachstumsintervalle eines Baumes nachwächst. Hätten sich die Forstwirte nicht an diese Ur-Regel gehalten, hätten wir in Deutschland — anders als etwa auf Borneo - kaum noch Wälder. Bringt man den Begriff des nachhaltigen Bauens auf den einfachen Nenner, dass nur Materialien verbaut werden dürfen, die natürlich nachwachsen, dürften nur noch Holzhäuser gebaut werden wie auf dem Foto. Das hätte aber den Effekt, dass es bald kaum noch Wälder gibt. Wenn nicht in Deutschland, dann in Polen, Finnland oder Russland, wo heute das meiste bei uns benötigte Bauholz herkommt.

Welche Baustoffe wachsen außer Holz auf natürliche Weise nach? Das sind nur wenige — vom Reet für die Dacheindeckung bei norddeutschen Bauernhöfen bis zur Wolle für die Wärmedämmung, wobei wir uns an anderer Stelle mit nachwachsenden Materialien beschäftigen. Ton, aus dem Ziegel und Dachpfannen gebrannt werden, wächst ebenso wenig nach wie Kalkstein, dem „Rohstoff“ (neben Ton) für die Zementherstellung. Ein Haus muss natürlich auch beheizt werden und es braucht Strom. Geheizt werden kann mit Holzpellets oder Holzscheiten, wenn man einen entsprechenden Heizkessel einbaut. Würde es jeder machen, wäre Russland bald baumlos. Man sieht also, dass Nachhaltigkeit alleine im Baubereich nicht funktioniert. Und natürlich lässt sich aus Grundwasser, Erdwärme und vor allem aus der Sonneneinstrahlung Energie gewinnen. Bei der Herstellung von Photovoltaikanlagen waren wir einmal Weltmeister, bei der Montage dieser Anlagen auf die Dächer sind wir es noch heute, jedenfalls prozentual zur Bevölkerungsdichte.

holz-balken.jpg

Der Begriff der Nachhaltigkeit wird heute weiter gefasst, als es die reine Lehre zulässt. Man rechnet dazu den schonenden Umgang mit allen Rohstoffen insbesondere unter ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Gesichtspunkten. Und man rechnet dazu, welche Lasten für die Umwelt anfallen können, wenn ein Rückbau notwendig wird. Bei alten Fachwerkhäusern, die abgerissen werden, ist die ökologische Ausbeute äußerst begehrt — denn alte Fachwerkbalken (Foto) sind teuer und wichtige Produkte für spezialisierte Händler. Wer baut, denkt nicht daran, was in hundert Jahren ist und ob sein Haus dann abgerissen und einem Appartementkomplex weichen wird. Und doch kann ein solcher Rückbau schon nach kurzer Zeit notwenig werden — jedenfalls teilweise. Dann nämlich, wenn das mit Styropor gedämmte Dachgeschoss abgetragen werden muss, um Platz für eine Aufstockung zu schaffen, da sich in der Familie auf einmal ein Kindersegen eingestellt hat. Wohin mit dem Styropor? Da hat der Hausbesitzer Glück gehabt, denn Styropor kann über 30-mal recycelt werden.

Zu berücksichtigen ist bei der Verwendung von Baumaterialien auch, welche Umweltbelastungen sie mit sich bringen. Aluminium ist solch ein Fall, denn die Aluminiumproduktion belastet die Umwelt gewaltig. Also sollte sich der Bauherr oder Hausbesitzer für Holzfenster entscheiden statt für Aluminiumfenster und für einen Vorbaubalkon aus Holzbalken, statt aus Aluminium — oder? Aber so einfach ist die Sache nicht, denn Holz im Außenbereich muss mit speziellen Lasuren und Lacken behandelt werden — und das in einem Rhythmus von drei bis fünf Jahren. Es sei denn, es wurden für die Fenster Tropenhölzer verwendet — und gerade das muss äußerst kritisch betrachtet werden, wenn das Tropenholz nicht aus wirklich kontrollierter Forstwirtschaft stammt. Bleiben wir also bei europäischen Hölzern und diese brauchen einen Anstrich, um Fäulnis vorzubeugen. Und da eine Lackherstellung ohne Belastung der Umwelt nicht möglich ist, ist eine Entscheidung zwischen Holz, Aluminium und Kunststoff schwierig — besonders dann, wenn der Bauherr seine ökonomische Situation ins Kalkül ziehen muss.

Und da stehen sich das ökologische Bewusstsein und der reale Inhalt des Geldbeutels gegenüber. Ökologisch sinnvoll ist es, das Wasser, das vom Himmel fällt, nicht in den Kanal zu leiten (damit es die Stadtwerke als Trinkwasser für teuer Geld an die Bürger verkaufen), sondern in Erdtanks zu speichern für die Toilettenspülung und die Gartenbewässerung. Aber solche Anlage kosten vierstellig. Anders ist es bei Terrassen und Zufahrten, die so plattiert bzw. gepflastert werden können, dass das Regenwasser versickern kann. Andernfalls berechnen die Stadtwerke für die (angebliche) Belastung des Kanalnetzes durch „Oberflächenwasser“ eine Gebühr.

Ökologisch sinnvoll wäre es auch, in der Eifel, wo Schiefer abgebaut wird, das Dach mit Schiefer zu decken. Das Brennen von Dachziegeln aus Ton ist wesentlich Energie fressender, als der Abbau von Schiefer. Und Schiefer liegt in diesem Fall sozusagen vor der Haustür und muss nicht hunderte Kilometer weit angefahren werden. Aber da beißt sich wieder die Ökologie mit der Ökonomie, denn Schiefer ist erheblich teurer und das Dachdecken als solches ebenfalls.

Bei der Nachhaltigkeit geht es deshalb auch um ein ganzheitliches Denken.Ein „Ökohaus“ sollte also aus Materialien erbaut werden, die entweder tatsächlich nachhaltig sind oder die umweltschonend hergestellt werden. Die im Haus benötigte Energie sollte möglichst aus natürlichen Quellen gewonnen werden — zu aller vorderst aus der Sonnenenergie. Alle Materialien sollten sich recyceln lassen — und sei es als Schotter für den Unterbau von Straßen. Die Baukosten sollten sich nicht wesentlichen höher entwickeln, als bei einem konventionellen Hausbau. Und schließlich sollte das Haus auch optisch gut aussehen und innen Behaglichkeit vermitteln durch gute Raumluft und Schalldämmung. Und wenn das Haus dann auch noch so gebaut wird (breitere Türöffnungen, größeres Bad), dass es später einmal problemlos zu einem behindertengerechten Haus umgebaut werden kann, dann wäre ein Optimum erreicht.

Fotos: fotoatelier-schumacher.de