Mit Faserzementplatten Dach oder Fassade verkleiden

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Faserzement hatte lange Zeit einen schlechten Ruf, der davon herrührte, dass in ihnen früher Asbest verarbeitet wurde. Doch der krebserregende Asbest wird seit über 20 Jahren nicht mehr verwendet. Bei älteren Häusern kann es allerdings noch verbaut sein, was erst mal nicht das große Problem ist, solange die asbesthaltigen Faserzemenplatten nicht bearbeitet — also gesägt oder gebohrt — werden. Beim Entfernen der Platten können ebenfalls die gefährlichen Asbestfasern frei werden, so dass die Entsorgung von einer Fachfirma durchgeführt werden muss. Bei den modernen Faserzementplatten besteht keine Gefahr, denn hier wurden die Asbestfasern durch Fasern aus Polyvinylalkohol ersetzt. So kann die über hundertjährige Geschichte des Faserzements erfolgreich fortgeschrieben werden.

Wie im Stahlbeton die Stahleinlagen, sorgen im Faserzement die Fasern für den nötigen Zusammenhalt und die Zugfestigkeit des Materials. Für die Herstellung von Faserzement werden neben Zement und Armierungsfasern noch häufig Kalksteinmehl und gemahlener Faserzement aus dem Recyclingprozess verwendet. Auch Holzfasern werden mitunter zu einem geringen Prozentsatz untergemischt, um die Flexibilität zu erhöhen. Beim Abbinden verfestigt sich das Material, so dass es so stabil wie Stahlbeton wird. Allerdings hat es ein viel geringeres Gewicht, was natürlich ein großer Vorteil ist. Die leichten Platten lassen sich leichter transportieren und einfacher verarbeiten. Optisch sehen sie wie Natursteinplatten aus, brauchen aber nicht aufwendig gewonnen werden. Bevor der Zement anzieht, ist Faserzement noch sehr formbar, so dass es in Form gebracht werden und zu Platten, Tafeln oder Wellplatten verarbeitet werden kann.

Die Wellplatten, kleinformatigen Platten oder Tafeln werden für Fassaden, Wände oder zur Dacheindeckung verwendet. Die Platten gibt es in verschiedenen Formen und Farben, so dass jeder das passende für seinen Geschmack finden kann. Mit den großen Tafeln lassen sich Fassaden ganz schnell verkleiden und die Wellplatten sind eine beliebte Dacheindeckung - das gilt insbesondere für Gartenhäuser, Pergolen oder Garagen. Faserzement ist auch deshalb so beliebt, weil es witterungsbeständig und wartungsarm ist. Ist es erst einmal angebracht, hat man lange Jahre Ruhe und kann sich anderen Dingen widmen. Weder Fäulnis noch Korrosion können ihr Unwesen treiben. Dazu bekommt man eine Optik, die an Schiefer erinnert, aber wesentlich günstiger ist. Brennbar ist Faserzement auch nicht — selbst wenn Zellulose mit verarbeitet wurde. Zudem können Dach- und Fassadenplatten aus Faserzement für alle Gebäudehöhen und Anwendungsgebiete verwendet werden.

Wie bereits angedeutet, gibt es Faserzement in unterschiedlichen Farben, wobei manchmal nur die Oberfläche und manchmal das ganze Produkt durchgefärbt sind. Bei durchgefärbten Faserzementplatten sieht man nach der Bearbeitung keine Kanten, was optisch natürlich von Vorteil ist. Faserzementplatten werden hauptsächlich im Freien verwendet, so dass die Farbe natürlich auch den unterschiedlichen Witterungsverhältnissen trotzen muss. Sie darf sich zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung nicht verändern und darf bei Frost nicht abplatzen. Damit keine Feuchtigkeit in den Faserzement eindringen kann, ist die Farbe zudem oft auch wasserabweisend.

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Abbildungen von links nach rechts: Deutsche Deckung, Doppeldeckung, Rhombusdeckung

Die kleinformatigen Faserzementplatten, die sowohl für die Wand als auch für das Dach verwendet werden, gibt es in verschiedenen Formen, Farben und Formaten. Wie bei der Schieferdeckung sind zudem verschiedene Verlegearten möglich. Bei Wänden kommen zum Beispiel Deutsche Deckung, Wabendeckung, Quaderdeckung, Vertikaldeckung oder Doppeldeckung zum Einsatz. Auf dem Dach haben sich Rhombusdeckung, Spitzschablonendeckung oder waagerechte Deckung bewährt. Während bei Fassaden das Wasser schnell abläuft, kommt es bei geneigten Dächern auf die Regensicherheit an. Diese muss durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden. Als Maßnahmen haben sich zum Beispiel eine Vollschalung oder die Vordeckung mit Bitumenbahnen bewährt. So wird das zum Beispiel bei der Deutschen Deckung gemacht. Welche Maßnahme die richtige ist, hängt u.a. auch von der Dachneigung und der Deckungsart ab. Auf jeden Fall aber werden die Platten auf eine Traglattung geschraubt oder genagelt. Dachlatten müssen also immer angebracht werden.

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Die großen Faserzementtafeln werden meist zur Fassadenverkleidung verwendet. Sie können über drei Meter lang und eineinhalb Meter breit sein. Zudem sind die Faserzementtafeln zwischen 4 und 25 Millimeter dick und werden auf unterschiedlichste Weise beschichtet. Es wird zum Beispiel zwischen transparent lasierten, deckenden und ultraharten Farbbeschichtungen unterschieden. Mit Spezialfarben können die Tafeln auch nachträglich beschichtet werden. Auch Fassadentafeln benötigen eine Unterkonstruktion, die entweder aus Holz oder Aluminium besteht. Ohne einen Nachweis der Standsicherheit dürfen die großen Faserzementtafeln nicht an die Fassade gebracht werden. Solch ein Standsicherheitsnachweis ist für die Verwendung der Faserzement-Wellplatten nicht notwendig. Wie bereits erwähnt, werden diese gerne für Garagen oder kleine Lauben verwendet. Aber auch im landwirtschaftlichen Bereich werden sie gerne genutzt. Selbst Dächer von Wohnhäusern werden mitunter mit Wellplatten gedeckt. Damit dies einfacher geht, gibt es entsprechende Formstücke wie Wellfirsthauben, Giebelwinkel, Maueranschlüsse und vieles mehr. Auch bei Wellplatten ist eine Unterkonstruktion aus Holz notwendig.

Fotos: Eternit