Mit einem Insektenhotel Tieren im Garten ein Zuhause bieten

insektenhotel_1.jpgEin Summen am Ohr, eine Wespe auf dem nachmittäglichen Stück Kuchen, der Anblick einer Hornisse — für nicht wenige Menschen ist das ein wahr gewordener Alptraum. Sie springen kreischend auf, fuchteln unkontrolliert mit den Händen in der Luft herum, schlagen mit zusammengerollten Zeitungen oder Chemiekeulen zu. Man kann das Verhältnis zwischen Menschen und Insekten also getrost als „gespannt“ bezeichnen. Soweit man nicht allergisch auf Insektenstiche reagiert, ist ein solches Verhalten unter rationalen Gesichtspunkten nur schwer nachvollziehbar. Natürlich will man sich nicht von Mücken und Bremsen zerstechen lassen und im Haus sind Insekten wirklich lästig. Im Wohnbereich haben sie auch nichts zu suchen. Deswegen kann man ein Wespennest auch beseitigen. Im Garten hingegen bringen sie weitaus mehr Nutzen als Schaden. Nach dem alten „fressen-und-gefressen-werden“-Prinzip helfen Insekten dabei, Schädlinge im Zaum zu halten.

Doch nicht nur Mücken und Bremsen werden von ihren sechsbeinigen Verwandten attackiert, auch Pflanzenschädlinge lassen sich durch ihre Fressfeinde effektiv bekämpfen. Sie sind die Ideale Ergänzung zu Kräutern als Pflanzenschutz. Bienen, zu denen auch Hummeln gehören, sind zudem als fleißige Helfer beim Bestäuben der Pflanzen bekannt. Zahlreiche Wildbienenarten leben dabei nicht wie Honigbienen in einem Stock sondern solitär.

Nun lassen sich die kleinen Helfer natürlich nur selten wie Katzen auf Mäuse ansetzen. Zwar kann man auch gezielt Insekten kaufen, doch das ist nur eine vorübergehende Lösung. In einem funktionierenden Ökosystem finden sich zahlreiche einheimische Arten ein, die sich nur zu gern über die Schädlinge her machen. Fatalistisch könnte man sagen, dass man nur warten müsste, bis der Schädlingsbefall da sei. Dann kämen die Fressfeinde von alleine. Wer aber schon einmal Pflanzen an Blattläuse verloren hat, weiß, dass man dieser Plage mit Abwarten nicht beikommt.

insektenhotel_2.jpgEine deutlich elegantere Methode ist, den Garten für die Nützlinge attraktiv zu gestalten. Dem Nektar von bunte Wildblumen und duftenden Kräuter können die wenigsten Arten widerstehen. Um die Tiere aber nicht nur auf einen Besuch bei sich vorbeischauen zu lassen, empfiehlt es sich, ihnen zahlreiche Nistmöglichkeiten zu bieten.

Dabei muss nicht immer das klassische Insektenhotel in Form eines Hauses sein. Den Insekten ist es weitestgehend egal, welche Form ihre Nistmöglichkeiten haben. Ihrer Fantasie sind bei der Gestaltung kaum Grenzen gesetzt. Einzelne offene, geometrisch sauber gestapelte Etagen oder Fachwerkbauten mit gefülltem Gefache sind ebenso denkbar, wie verhutzelte Häuschen mit herzförmigen Öffnungen. 12 Zentimeter tief sollte die Behausung allerdings mindestens sein. In unserem DIY-Bereich finden Sie einfache Bauanleitungen für Insekten-Nisthilfe als Nurdach-Häuschen oder Nistholz speziell für Bienen, Grab- und Faltwespen. So lässt sich auch auf Balkonen ein Lebensraum für die Insekten schaffen. Wie Sie die „Hotelanlage“ gestalten, ist natürlich allein Ihre Sache. Nur bei der Einrichtung und der Lage ihrer Zimmer sind die Nützlinge wählerisch.

Das Insektenhotel einrichten

Wir haben eine kleine Übersicht zusammengestellt:

Wer findet im Insektenhotel ein Zuhause?
zahlreiche Wildbienen, wie Wollbiene, Harzbiene, rote Mauerbiene, Maskenbiene, Mörtelbiene, Seidenbienen, Holzbienen, Blattscheiderbienen, gewöhnliche Seidenbiene, gewöhnliche Pelzbiene Steinhummel, Ackerhummel, Baumhummel, Dunkle Erdhummel, Florfliegen, Marienkäfer, Ohrenkneifer, Holzwespen, Goldwesepen, Grabwespen.

Klassische Einrichtungsgegenstände:

  • Weizenstroh
  • Holzwolle
  • Lehm- und Tonblöcke
  • Hohlblocksteine, Gitterziegel, deren Öffnungen zum Teil mit Lehm verschlossen sind. In diese lassen sich unterschiedlicher Größe Öffnungen stechen, so dass kleine Höhlen entstehen. Alternativ lassen ich die Gittersteine auch mit Pflanzenröhrchen füllen.
  • Strangfalzziegel
  • eingerollte Schilfmatten
  • Bambusabschnitte
  • trockene Zweigabschnitte von Holunder, Brombeere oder Himbeere
  • Hartholzblöcke, alle zwei bis drei Zentimeter mit einem Bohrloch in verschiedenen Größen (2 — 10 mm) versehen. Jeweils in der kompletten Bohrertiefe, aber niemals durchbohrt.
  • Baumscheiben, alle zwei bis drei Zentimeter mit einem Bohrloch in verschiedenen Größen (2 — 10 mm) versehen. Jeweils in der kompletten Bohrertiefe, aber niemals durchbohrt.
  • gestapelte Holzscheite & Todholzstücke, mit Wurmlöchern, Rissen und Käferfraß
  • leere Schneckenhäuser
  • Rindenteile
  • kleine Tannenzapfen

Nadelbaumholz eignet sich kaum als Füllmaterial, da es bei Feuchtigkeit stark aufquellt. So können Öffnungen verengt werden und die Tiere sind gefangen. Ahorn, Akazie, Apfelbaum, Birke, Buche, Eiche oder Esche sind hingegen bestens geeignet. Generell sollte das Holz, gut durchgetrocknet sein.

insektenhotel_3.jpgMit einem Kaninchendraht lässt sich verhindern, dass lose Einrichtungsgegenstände wie Tannenzapfen, Schneckenhäuser oder Rindenteile aus dem Zimmern herausfallen. Wer zudem verhindern möchte, dass Vögel die Äste oder das Stroh als Nistmaterial entwenden oder die das Insektenheim als praktische Futterstation nutzen, kann mit einem gewissen Abstand einen weiteren Kaninchendraht befestigen, so dass sie mit ihren Schnäbeln nicht mehr an die Füllung herankommen.

Bambusabschnitte und Pflanzenröhrchen, lassen sich mit einer Kordel leicht zu Paketen zusammenschnüren.

Manche Insekten haben sehr spezielle Anforderungen und ziehen nicht in jedes Zimmer. Florfliegen, deren Larven aufgrund ihres Appetits auch als „Blattlauslöwen“ bezeichnet werden, werden durch rote Farbe angelockt. Dafür muss man nur Stroh hinter angestrichenen Holzlamellen verstauen, Die Lamellen sollten untereinander im Abstand von drei Zentimetern im Winkel von 45° nach unten geöffnet angebracht werden.

Natürlich sollte man nur wetterfeste, schadstofffreie Farbe verwenden. Auch das Holz sollte frei von Pestiziden sein, da man die Bewohner ja nicht umbringen möchte. Also Standort eignet sich am besten eine wind und- wettergeschützte, sonnige Lage. Aus Ausrichtung nach Südosten ist empfehlenswert.

Hummeln und Ohrenkneifer stellen andere Ansprüche

Heime für Ohrenkneifer lassen sich recht einfach herstellen. Dazu reicht es schon, mit einer Schnur Holzwolle in einem Ton-Blumentopf zu befestigen und diesen dann mit der Öffnung nach unten in einem Baum aufzuhängen.

Viele Hummelnarten lieben unterirdische Nester. Verlassene Mäusegänge werden bevorzugt ausgewählt. Doch auch für Hummeln, lassen sich leicht künstliche Nistmöglichkeiten schaffen. Dafür kann man einen mit trockenem Moos oder kleintierstreu halbgefüllten Blumentopf oder Nistkasten eingraben. Riecht die Füllung nach Mäusen, finden sie diesen besonders Attraktiv. Der Eingang sollte über einen Schlauch oder Tunnel erreichbar sein. Der Durchgang sollte einen Durchmesser von mindestens zwei Zentimetern haben und vor Überflutungen und Regen geschützt sein. Ein Dachziegel oder eine Steinplatte erfüllen diesen Zweck , wenn Die Hummeln ihr Nest noch problemlos erreichen können.

Die Wiesenhummel bevorzugt Nisträume über der Erde und auch Baumhummeln nisten ausschließlich oberirdisch. An das Nistmaterial stellen sie aber die selben Ansprüche, wie ihre unterirdisch nistenden Verwandten.

Ein Insektenhotel braucht Zeit

insektenhotel_4.jpgJe abwechslungsreicher das Nist-Angebot ist, desto vielfältiger und ausgewogener gestaltet sich das Treiben im Garten. Ähnlich wie ein Gartenteich Libellen und Wasserläufer von ganz alleine kommen, wird auch ein Insektenhotel nach und nach von den Insekten entdeckt werden. Das kann aber schon mal bis zu einem Jahr dauern. Man sollte also Geduld haben. Wenn die Öffnungen der Röhrchen nach einiger Zeit mit einer Art Mörtel oder Harz wie verputzt erscheinen, haben sich Gäste eingefunden. Blattschneiderbienen füllend die Öffnungen mit Blätternstückchen. Sind die Zimmer einmal bezogen, kann man der Natur freien Lauf lassen. Dann sollte man auch keine Korrekturen mehr an der Einrichtung oder am Standort vornehmen. So stört man die Bewohner nicht.

Foto(s): epr/ Neudorff
Foto Nistholz: baumarkt.de