Mit 7 Tipps zum erfolgreichen Kompost

Deutschlands Bau- und Gartenmärkte verkaufen jedes Jahr Tonnen an Dünger, Garten- und Blumenerde, die sich eigentlich auch selber produzieren ließe. Wahrscheinlich ist der Erde aus dem Baumarkt sogar der Humus aus den großen Kompostieranlagen der Entsorger beigemischt. So zahlt der Kunde im Prinzip doppelt für die Nährstoffe im Garten.

Kartoffelschalen, Kaffeefilter, Gartenschnitt — im Laufe eines Jahres kommt eine enorme Menge an Bioabfall zusammen, der häufig im Hausmüll oder der braunen Tonne landet. Damit schenkt man seinem Entsorgungsbetrieb wertvolle Rohstoffe. Dabei ließe sich dieser Abfall auf dem eigenen Komposthaufen wunderbar wieder verwerten - wenn man es richtig anstellt. Denn hinter einem funktionierender Kompost steckt ein sensibles Ökosystem, das schnell aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Mit diesen sieben Tipps gelingt auch ungeübten Gartenbesitzern eine erfolgreiche Humus-Produktion.

Tipp 1: Den richtigen Standort wählen

Beim Standort des Komposthaufens sind zwei Faktoren entscheidend: Der Weg zum Kompostbehälter und die Sichtbarkeit. Aller Natürlichkeit zum Trotz handelt es sich bei einem Komposthaufen um einen Abfallhaufen. Der Anblick kann den Genuss am eigenen Garten stören. Es empfiehlt sich also, eine Ecke des Gartens zu wählen, die nicht ins Auge fällt, wenn man auf der Terrasse sitzt und den Blick schweifen lässt. Dabei sollte man auch an den Nachbarn denken. Auch dessen Freude am Garten sollte nicht durch Komposthaufen getrübt werden. Gleichzeitig sollte man bedenken, dass der Weg zum Komposter nicht zu lang ist. Zudem sollte es sich um einen windgeschützten Ort im Halbschatten handeln, da direkte Sonneneinstrahlung den Kompost austrocknen lässt und so der Verrottungsvorgang zum Erliegen kommt. Auch sollte der Boden durchlässig sein. Offene Erde ist am besten geeignet, da zum einen Mikroorganismen aus dem Boden so leicht in den Kompost wandern können und sich zum anderen keine Staunässe bildet.

Tipp 2: Einen Komposter bauen

kompost01.gif

Für eine Funktionierende Kompostierung ist es wichtig, dass der Abfall verrottet und nicht verfault. So verhindert man auch, dass sich ein übler Geruch bildet. Dafür muss der Kompost mit ausreichend Sauerstoff in Kontakt kommen. In unserem DIY-Bereich finden Sie eine Bauanleitung für eine offene Kompostanlage, die man sehr leicht selber bauen kann.

Will man auf Nummer sicher gehen, baut man drei Behälter. In einem werden die Abfälle gesammelt und dann nach und nach in dem zweiten Behälter der Kompost aufgeschichtet (siehe Tipp 3). Den dritten Behälter nutzt man, wenn man den Kompost umschichten will. Der zweite und Dritte Behälter wechseln sich in ihrer Funktion also nur ab.

Hat man nur einen Behälter, muss man beim Aufschichten des Komposts sehr sorgfältig vorgehen. Zwei Behälter sind auf lange Sicht jedoch empfehlenswert. Denn wenn der Kompost einmal „aufgebaut“ ist, muss er ruhen. In dieser Zeit kann man im anderen Behälter weiteren Kompost aufschichten.

Tipp 3: Den Kompost richtig „aufbauen“

Auf die Mischung kommt es an. Wer einfach alles, was an Grün- und Küchenabfall anfällt, wahllos auf den Komposthaufen wirft, wird keine Freude an seinem Kompost haben. Statt nährstoffreichem Humus wird man eine faulige, stinkende Masse in seinem Garten lagern.

Die Befüllung muss in einem ausgewogenen Verhältnis aus trockenen und feuchten Materialien bestehen. Als unterste Schicht eignen sich zerkleinerter Heckenschnitt, Äste und Zweige bis zu einer Länge von 20cm. Um den Kompostiervorgang in Gang zu bringen, empfiehlt es sich, zwei bis drei Eimer reifen Kompost aufzuschütten. Vielleicht hat ja der Nachbar bereits einen funktionierenden Komposthaufen und kann aushelfen. Anderenfalls kann man sogenannte Kompoststarter auch käuflich erwerben. Diese beinhalten die nötigen Mikroorganismen, die sich nun in dem neuen Kompost verbreiten. Regenwürmer und anderes die Verrottung förderndes Kleinstgetier wandern in der Regel von alleine aus dem Boden in den Kompost.

Auf diesem Grundstock lassen sich schichtweise Rasenschnitt, Küchenabfälle, Laub, dünne Zweige und kleine Äste auftragen. Eine Schicht ist etwa zehn Zentimeter dick, und feuchte und trockene Schichten sollten sich abwechseln. Sehr feuchte Schichten wie Küchenabfälle sollten etwas dünner ausfallen. Zwischen die Schichten kann man jeweils etwas Kompostbeschleuniger streuen.

Tipp 4: Das darf auf den Kompost

Im Prinzip hat alles, was im Garten und Küche anfällt, Platz im Kompost. Heckenschnitt sowie Zweige und Äste haben wir bereits angesprochen. Unkraut stellt auch kein Problem dar, soweit sich nicht schon Samen gebildet haben. Generell ist es ratsam, das Material zuvor zu zerkleinern. Durch die so vergrößerte Oberfläche können Mikroorganismen die Teile leichter kompostieren:

  • Eierschalen und zerkleinerte Eierkartons

  • Servietten, Küchenpapier und Papiertüten

  • Haare, Federn, Wollreste,

  • Tee (inkl. Beutel), Kaffeesatz (inkl. Filter)

  • Putzabfälle von Gemüse, Pilzen und Obst aus der Küche, auch verfaulte,
    verschimmelte Abschnitte oder Giftiges

  • Fallobst, Eicheln, Kastanien

  • Alte Schnittblumen und Topfpflanzen (inkl. Erde und Wurzelballen)

  • Kleintierstreu und Mist von Pflanzenfressern

  • Sägespäne/Sägemehl von unbehandeltem Holz

  • Wurzeln, Zweige, Äste, Moos, angetrockneter Rasenschnitt

Auch wenn von Frühjahr bis Herbst sehr viel Rasenschnitt anfällt, den man gerne auf dem Kompost entsorgen würde, ist Rasenschnitt nur bedingt für den Kompost geeignet. Frischer Rasenschnitt ist sehr feucht und neigt dazu, zu verfaulen. Trocknet man diesen zuvor, kann er aber problemlos dem Kompost beigemengt werden. Einen kleinen Trick gibt es während der heißen Sommertage: Schichtet man den feuchten Rasenschnitt zu oberst, kann dieser nicht nur trocknen. Er verhindert auch, dass der darunter liegende Kompost austrocknet.

mange_laub.jpg

Im Herbst fällt zudem jede Menge Laub an. Doch nicht jedes Laub eignet sich gleich gut zum Kom­pos­tieren. Blätter von Kastanie, Eiche, Walnuss oder Platane verrotten sehr schlecht. Bis zu drei Jahre kann es dauern, bis aus diesem Laub Humus wird, soweit es nicht zuvor zerkleinert wurde. Zudem ist Herbstlaub sehr nährstoffarm. Sammelt man das Laub mit dem Rasenmäher ein, wird es mit nährstoff­reichem Rasenschnitt vermengt und gleichzeitig zerkleinert. Auf diese Weise kann es dem Kompost zugefügt werden. Laub sollte jedoch nicht mehr als 20% der Kompostmenge ausmachen. Gerbsäuren, die dafür sorgen, dass Laub sich nur schwer zersetzt, können mit Steinmehl neutralisiert werden.

Auch Schalen von Zitrusfrüchten zersetzen sich nur schwer. Da sie fungizide Stoffe enthalten, sollte man sie nur sehr sparsam dem Kompost zuführen.

Tipp 5: Diese Materialien sind ungeeignet

Auch wenn ein funktionierender Kompost theoretisch auch Fisch und Fleisch zersetzen kann, sollte man von deren Kompostierung absehen. Der Geruch kann Ratten anziehen und diese möchte man ja keinesfalls im Garten haben. Ebenso haben Fette und Öle nichts im Kompost zu suchen. Behandeltes Holz sowie Lederreste enthalten sehr wahrscheinlich Stoffe, die den Mikroorganismen im Kompost schaden und so das Ökosystem empfindlich stören. Backwaren, gekochte Speisereste, Hunde- oder Katzenkot, Hausstaub und Zeitschriften sowie Kunststoffe gehören ebenfalls nicht in den Kompost. Diese müssen wie gewohnt im Hausmüll, beim Altpapier oder in der gelben Tonne entsorgt werden.

Bei kranken Pflanzen sollte man ebenfalls vorsichtig sein. Die Temperaturen im heimischen Kompost sind wahrscheinlich nicht hoch genug, damit alle Erreger absterben. Damit sich die Keime nicht mit dem Humus im gesamten Garten verteilen, sollten kranke Pflanzen in der Braunen Tonne landen. In den großen Kompostieranlagen der Entsorgungsunternehmen herrschen viel höhere Temperaturen, so dass die Keime dort abgetötet werden.

Tipp 6: Den Kompost pflegen

Wie bereits erwähnt, spielen die Sauerstoffzufuhr und die Feuchtigkeit eine wichtige Rolle beim Kompostieren. Deswegen sollte man immer wieder ein Auge auf den Kompost werfen. Mit Regenwasser lassen sich zu trockene Kompostschichten leicht befeuchten.

Wenn der Kompost pappig ist und beim Zusammendrücken sogar Wasser austritt, ist der Kompost zu nass. Dann sollte man trockene Materialien wie Papier, Eierkartons, Holzspäne oder Stroh hinzufügen. Ist der Kompost starkem Regen ausgesetzt, kann man den kompostbehälter auch abdecken. Die Abdeckung schützt auch vor zu starker Verdunstung und Austrocknung.

Nach einiger Zeit verdichtet sich die verrottende Menge und es kommt nicht mehr genügend Sauerstoff an das Material. Deswegen ist es unabdingbar, den Kompost im Laufe des Kompostiervorgangs einmal umzuschichten. Der Gärtner spricht hier von „Umsetzen“. Das lockert den Kompost auf und hilft, ihn zu durchlüften.

Tipp 7: Den Humus „ernten“ und verwerten

Hat man alles richtig gemacht, hat der Kompost nach sechs bis sieben Monaten frischen Humus produziert. Im Winter verlangsamt sich die Verrottung der Grünabfälle aber deutlich, weshalb es ratsam ist, Kompost im März anzulegen.

gemuesegarten.jpg

Weil sich in sieben Monaten nicht unbedingt alles zersetzt hat, kann man den Kompost zuvor durchsieben. Kleine Ästchen und Steine werden dann zurückbehalten, so dass man diese nicht im Garten verteilt. Die Steine kann man dann leicht aussortieren und das übrige kompostierte Material mit zwei bis drei Eimern Komposterde einem neuen Kompost wieder hinzufügen. Mit dem Rüttelsieb aus unseren Bauanleitungen trennt man den nährstoffreichen Kompost schnell vom groben Verrottungsrest.

Lässt man die Erde zu lange im Kompost, werden die Nährstoffe ausgewaschen. Deswegen sollte man nicht länger als zwei Jahre warten, um den Humus im Garten produktiv einzusetzen. So bietet man beste Bedingungen für eine reiche Ernte im Gemüsegarten.

Foto(s): www.fotoatelier-schumacher.de