Metalle im Trinkwasser — ein Problem für Kleinkinder und Babys

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Wenn Trinkwasser die Wasserwerke verlässt, besitzt es in Deutschland eine einwandfreie Qualität. Hygienische Probleme wie in vielen Entwicklungsländern sind hierzulande kaum zu befürchten. Trotzdem kommt das Trinkwasser nicht immer in einwandfreiem Zustand aus dem Wasserhahn. In vielen Haushalten werden daher die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung überschritten. Es geht dabei hauptsächlich um Metalle, die in zu großen Mengen aus der Leitung sprudeln. Am häufigsten werden zu hohe Nickel-Konzentrationen gemessen. Der durch die Trinkwasser-Verordnung vorgeschriebene Grenzwert für Nickel von 20 Mikrogramm pro Liter wird in fast jedem zehnten deutschen Haushalt überschritten. Sehr hohe Konzentrationen von Nickel können Darmbeschwerden und möglicherweise sogar Hirnschäden auslösen. Zudem reagieren viele Menschen allergisch auf Nickel, hier können Ausschläge und Ekzeme die Folgen eines ausgiebigen Wannenbades sein. Hauptursache für das Nickel im Wasser sind alte Armaturen aus der Zeit vor ca. 30 Jahren. Aber auch bei neuen Armaturen kann man nie sicher sein, dass sich nicht zu viel Nickel aus ihnen löst. Denn wenn die Armatur innen nicht komplett verchromt ist, kommt das Wasser mit der darunter liegenden Nickel-Schicht in Berührung. Und schon löst sich das Nickel und wird beim Öffnen des Wasserhahns mit ausgespült.

Neben Nickel wird häufig auch zuviel Kupfer oder Blei im Trinkwasser gefunden. Kupfer ist zwar ein lebensnotwendiges Spurenelement, in hoher Dosierung allerdings auch lebensgefährlich. Nehmen Säuglinge und Kleinkinder über längere Zeit zu hohe Kupfer-Dosen zu sich, kann das zu schweren Leberschäden führen. Und es sind nicht die alten Kupferrohre, die hauptsächlich für zu hohen Kupfergehalt im Wasser verantwortlich sind. Es sind die neuen Kupferrohre, die mit ihrer blanken Oberfläche, auf der sich noch keine Schutzschicht gebildet hat, Probleme bereiten. Blei löst sich aus alten Bleileitungen, die zwar seit 1973 nicht mehr verwendet werden dürfen, aber bei alten Häusern immer noch zu finden sind. Blei ist ein Schwermetall. Akute Bleivergiftungen sind selten. Weitaus gefährlicher ist jedoch die länger andauernde Aufnahme kleiner Bleimengen. Sie kann zu einer chronischen Bleivergiftung führen. Diese macht sich durch Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems, Störungen des Zentralnervensystems und Verhaltensveränderungen bemerkbar. Wenn auch nur der Verdacht besteht, dass sich Blei im Trinkwasser befindet, sollte es daher keinesfalls mehr zur Herstellung von Babynahrung verwendet werden.

Viele wissen gar nicht, was sich da so alles an Metallen im Trinkwasser tummelt. Dies gilt vor allem dann, wenn man ein älteres Haus bezieht. Spätestens dann, wenn das Wasser trübe aus der Leitung kommt und zudem noch auffällig schmeckt oder riecht, sollte man tätig werden. Über das örtliche Gesundheitsamt besteht die Möglichkeit, das Trinkwasser durch ein anerkanntes Analyseinstitut beproben und begutachten zu lassen. Auch wenn sich Metalle aus der Leitung oder der Armatur lösen, muss in einem Altbau dennoch nicht auf Leitungswasser verzichtet werden. War der Wasserhahn allerdings länger geschlossen, sollte man das Wasser zunächst kurz ablaufen lassen, bevor man es für Lebensmittelzwecke verwendet. Für Reinigungszwecke oder zum Gießen kann das metallverunreinigte Wasser aber durchaus verwendet werden. Sobald das Wasser fühlbar kühler läuft, ist es wieder frisch. Falls sich unerwünschte Stoffe in der Armatur oder der Leitung befunden haben, sind diese nun herausgespült. Insbesondere der Austausch der Bleileitungen sollte allerdings trotzdem erfolgen, zumal der Gesetzgeber zum Jahr 2013 eine Verschärfung der Grenzwerte beschlossen hat. Derzeit liegt der Grenzwert für Blei noch bei 25 µg/l, ab 01.12.2013 sinkt dieser Wert auf 10 µg/l. Da ist dann bei vielen Haus- oder Wohnungsbesitzern spätestens eine Sanierung fällig. Und selbst wenn es vom Gesetzgeber nicht vorgegeben werden würde, sollte man schon zum Wohle der eigenen Gesundheit auf den Austausch alter Bleileitungen nicht verzichten. Auch wenn dazu sämtlich Wände aufgerissen werden müssen und das eine ziemliche Sauerei bedeutet. Mit der Sanierung beginnt man sinnvoller Weise bei der Leitung zur Küche, damit wenigstens das Wasser zum Kochen und Trinken wieder in Ordnung ist.

Foto: pixelio.de / S.Hofschlaeger