Mechanische Wohnraumlüftung - frische Luft auf kontrollierte Weise

Unsere Häuser werden immer dichter. Die Energieeinsparverordnung, die seit Anfang 2002 gültig ist, fordert die absolut luftdichte Gebäudehülle. Dies ist zum einen gut, weil nicht soviel Energie unnötig verloren geht. Zum anderen ist das aber auch schlecht, weil die Feuchtigkeit nicht mehr aus der Wohnung raus kann. Schimmel und Bauschäden sind die Folge. Verhindern kann man das durch richtiges Lüften. Falsch ist es beispielsweise, das Fenster den ganzen Tag auf Kippstellung zu lassen. Da hilft das ganze winddicht abgedichtete Haus nichts, wenn die ganze Energie durchs Fenster verschwindet und die Wände auskühlen. Besser ist da schon die Stoßlüftung, also das Fenster weit geöffnet, wenn die Wohnung in regelmäßigen Abständen für kurze Zeit auf Durchzug geschaltet wird. Doch was passiert in der Nacht oder bei Abwesenheit der Bewohner? Richtig kontrollieren läßt sich die Lüftung nur bei mechanische Lüftung, die daher auch kontrollierte Wohnraumlüftung genannt wird. Bei der Wohnraumlüftung muss aber auch beachtet werden, dass genug Feuchtigkeit im Raum bleibt. Zu trockene Raumluft schadet dem Parkett, massiven Möbeln und Bilderrahmen, der hölzernen Madonna-Statue und nicht zuletzt dem Menschen.
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Dabei wird der Wohnung ständig Frischluft zugeführt, ohne dass Fenster geöffnet werden müssen. Geruch, Straßenlärm, Insekten oder Pollen bleiben somit draußen, eine feine Sache nicht nur für Allergiker. Bei geschlossenem Fenster haben es zudem Einbrecher schwerer, ins Haus zu kommen. Hauptsächlich dient eine kontrollierte Wohnraumlüftung allerdings zum Abtransport der Feuchtigkeit und zur Energieeinsparung. Dabei wird die verbrauchte Luft dort abgesaugt, wo sie am meisten belastet ist, nämlich von Räumen wie WC, Bad oder Küche. Über Wohn- und Schlafräume strömt gleichzeitig frische, gefilterte Luft zu. Sehr gut zu sehen ist dies auf der oberen Abbildung, die uns
HEAT Wärmesysteme zur Verfügung gestellt hat. Die Luftverteilung innerhalb des Gebäudes erfolgt durch Luftschlitze in den Innentüren, durch Öffnungen in den Wänden, im Fußboden oder durch Lüftungskanäle (siehe Fotos von Zehnder Comfosystems). Mit einem dauerhaft betriebenen Ventilator wird der Luftaustausch sichergestellt.

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Bei der eben vorgestellten, einfachen Wohnraumlüftung muss die Luft mit der Heizung auf die gewünschte Temperatur erwärmt werden. Zudem wird warme Luft ins Freie geleitet. Diese Energie kann man zusätzlich noch einsparen, wenn man die Wärme aus der Abluft auf die Zuluft überträgt. Gleichzeitig muss dann weniger Heizenergie eingesetzt werden. Hat die einfache Wohnraumlüftung schon eine Energieeinsparung gegenüber konventioneller Fensterlüftung gebracht, so kann mit Wärmerückgewinnung noch mehr Energie eingespart werden. Die Wärmerückgewinnung geschieht mit Wärmetauschern, genauer gesagt mit Kreuzstromwärmetauschern. Beim Kreuzstromwärmetauscher wird frische und verbrauchte Luft über zwei voneinander getrennten Lamellensystemen im Kreuzstromprinzip vorbeigeleitet, so dass sich die Wärme austauschen kann. Sie haben einen Wirkungsgrad von etwa 75%, das heißt, es werden 75% der Wärme von der Abluft auf die Zuluft übertragen. Auch hiervon hat uns HEAT Wärmesysteme eine Zeichnung zur Verfügung gestellt. Einen so hohen Wirkungsgrad erreicht man nur durch Einsatz von Energie. Der Stromverbrauch für Wärmerückgewinnungsanlagen darf jedoch nicht höher sein, als die eingesparte Energie.
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Das System läßt sich weiter perfektionieren, indem man die Frischluft, nachdem sie den Wärmetauscher passiert hat, soweit nacherwärmt, dass sie vollends auf Zimmertemperatur gebracht wird. Diese Nacherwärmung kann durch eine Wärmepumpe geschehen. Sie zieht hinter dem Wärmetauscher die Abluft ein weiteres Mal zur Energiegewinnung heran. Wie eine Wärmepumpe funktioniert, können Sie
hier nachlesen. Meist sind Anlagen in Passivhäusern noch mit einer Solaranlage gekoppelt. Die Wärmepumpe stützt dann zugleich die Sonnenkollektoren auf dem Dach und sorgt für warmes Wasser, falls die Einstrahlung der Sonne nicht ausreicht. Kontrollierte Wohnraumlüftung darf nicht mit einer Klimaanlage verwechselt werden. Sie kann zwar im Sommer zur Kühlung der Räume verwendet werden, bei einer gut gedämmten Gebäudehülle sollte dies jedoch nicht nötig sein.

Die Mechanische Wohnraumlüftung hat mit Vorbehalten zu kämpfen. Viele Bauherren fürchten sich vor einer Ansiedlung von Bakterien in den Lüftungsrohren oder glauben, dass die Luftqualität sich gegenüber der Fensterlüftung verschlechtert. Das Fraunhoferinstitut für Toxikologie und Aerosolforschung hat die Wirkung von Lüftungsanlagen untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Schadstoff-Messwerte aus den belüfteten Räumen allesamt deutlich unter denen lagen, die normalerweise in Neubauten nachzuweisen sind. Die Anlagen verbessern die Luft, weil Schadstoffe effektiver herausgelüftet werden, als das mit Fensterlüftung möglich wäre. Eine jährliche Kontrolle der Lüftungsleitungen und des Wärmetauschers sind jedoch nötig. Zudem müssen Ventile und Auslässe in den Zimmern regelmäßig gereinigt werden und die Filter jährlich getauscht werden. Dann steht einem permanentem Frischluftvergnügen nichts mehr im Wege.

Zeichnungen: www.heat.de